Münnerstadt
Aktion

Münnerstadt: Kirche sucht Paten die historischen Glasfenster

Die Glasfenster der Münnerstädter Stadtpfarrkirche werden vom Schimmel befreit und gereinigt. Fenster-Paten sollen bei der Finanzierung helfen.
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Restauratorin Steffi Wirsing-Nolte hat ein Fenstersegment auf einen Leuchttisch gebracht. Lichtquellen sind nötig, um die Verunreinigungen besser zu erkennen und reinigen zu können.Heike Beudert
Restauratorin Steffi Wirsing-Nolte hat ein Fenstersegment auf einen Leuchttisch gebracht. Lichtquellen sind nötig, um die Verunreinigungen besser zu erkennen und reinigen zu können.Heike Beudert
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Zwischen 1420 und 1450 sind die Münnerstädter Buntglasfenster entstanden. Damit sind sie eine wirkliche Besonderheit, denn aus dieser Zeit seien kaum mehr Fenster erhalten, erläuterte Restauratorin Steffi Wirsing-Nolte beim Auftakt der Fenster-Paten-Aktion. Mit rund 400 000 Euro ist die Reinigung der Fenster veranschlagt. Die Arbeiten gehören zum 1. Bauabschnitt der 3,2 Millionen Euro teuren Kirchenrestaurierung. Nach Angaben von Stadtpfarrer P. Markus Reis trägt die Diözese zwar einen wesentlichen Anteil der Sanierung; außerdem gibt es Zuschüsse der Stadt Münnerstadt, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Landesdenkmalamtes. Trotzdem liegt der Eigenanteil der Pfarrgemeinde bei rund 600 000 Euro. Die Aktion "Fenster- Paten soll dazu beitragen, diese Eigenmittel aufzubringen. Paul Ziegler, der den Ablauf der Restaurierung dokumentiert, gab einen kurzen Überblick über die bereits erfolgten Arbeiten, so am Dach des nördlichen Kirchenschiffes.

Im Zuge der Aktion "Fenster-Paten" wurden sieben Stelen erstellt, die jetzt im hinteren Teil der Pfarrkirche stehen. Aufgezeigt werden dort die Fenster-Segmente, für die Paten gesucht werden. Daneben gibt es die Möglichkeit, die Namen von Spendern - soweit gewünscht - anzubringen. Bei der Eröffnung der Fensterpaten-Aktion brachte Hans Zenk von der Kirchenverwaltung den ersten Spender bereits an. Der Stammtisch der Mittwochsfußballer hat die Patenschaft für ein Segment übernommen. Es wäre schön, wenn dies auch für andere Gruppierungen ein Ansporn wäre, eine Patenschaft zu übernehmen, betonte Hans Zenk, der selbst Mitglied dieses Stammtisches ist. Mittlerweile sind bereits weitere Spenden von Münnerstädtern für diese Aktion eingegangen. Die Grafikerin Christine Schikora hat den Flyer für die Fenster-Paten unentgeltlich gestaltet.

An den historischen Buntglasfenstern werden bestandserhaltende Maßnahmen durchgeführt, erläuterte Restauratorin Steffi Wirsing-Nolte. Bestandserhaltend heißt, dass die mehr als 300 Fenstersegmente auf Schäden überprüft und anschließend gereinigt werden. Was einfach klingt, ist eine komplizierte Prozedur. Derzeit werden die ersten drei Segmente musterhaft bearbeitet, um dann in einem Gespräch mit dem Landesdenkmalamt zu besprechen, wie genau das Reinigungsverfahren aussehen wird. Probleme machen vor allem die Fenster der Nordseite. Denn dort hat sich Schimmel gebildet. Festgestellt hat die Restauratorin auch Glaskorrosion. Schadstoffe aus der Natur haben sich als sogenannte Wettersteinkruste auf die Gläser gelegt. Erkennbar ist dies an einer braunen Verfärbung. Diese wird allerdings nicht entfernt werden. Der Aufwand wäre extrem.

Gereinigt werden die Fenster nach derzeitigem Stand hauptsächlich trocken. Lediglich die von Schimmel befallenen Nordfenster sollen auch feucht behandelt werden, um alle Pilzsporen zu entfernen. Schimmel ist ein typisches Problem in Kirchen, weiß die Restauratorin. "Wir haben ein ungemütliches Klima in der Kirche", erläuterte sie. Denn die Luftfeuchtigkeit ist zu hoch. Das ist ein Problem, welches nicht nur in der Stadtpfarrkirche existiert. Deshalb beschäftigen sich auch Forscher mit dieser Problemstellung. Ein besseres Heizen hilft nicht, machte die Fachfrau deutlich. "Aus konservatorischer Sicht sind unbeheizte Kirchen am Besten".

Vorteil einer feuchten Reinigung ist, dass auch die Rußschicht auf den Fenstern beseitigt werden kann. Das gehe bei der Trockenreinigung, wie sie für die Südfenster vorgesehen ist, nicht, so die Restauratorin auf Anfrage.

Bürgermeister Helmut Blank fragte nach, welche Mehrkosten entstehen würden, wenn auch die Segmente der Südfassade nass gereinigt würden. 20 Prozent, war eine grobe Schätzung der Restauratorin. Vorteil aber wäre ein einheitlicher Eindruck der Glasfenster, gab Blank zu bedenken. Er geht auch davon aus, dass eine komplette Nassreinigung letztendlich wirtschaftlicher wäre. P. Markus Reis erinnerte daran, dass solche fachlichen Entscheidungen nicht von der Kirchenverwaltung, sondern von der Diözese in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege getroffen würden.

Fenster-Paten

Info: Jeder kann Fenster-Pate werden, der mit einem Betrag von mindestens 100 Euro die Instandhaltung der Buntglasfenster unterstützt. Für die vorhandenen Weißglasflächen liegt die Mindestsumme bei 50 Euro.

Spendenkonto: Das Spendenkonto der katholischen Kirchenstiftung Münnerstadt ist bei der Sparkasse eingerichtet: IBAN DE22793510100000200089; BIC: BYLADEM1KIS; Stichwort: Kirchenfenster.

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