Münnerstadt

Münnerstadt: In der Grube steht die Zeit still

Schon vor 30 Jahren erbat das Landesamt für Denkmalpflege eine Bestandserhebung für das Areal. Noch immer ist die Stadt nicht im Besitz aller Scheunen an der Stadtmauer.
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Seit Jahrhunderten ist dieser Bereich der Grube nahezu unverändert. Das könnte sich ändern. Thomas Malz
Seit Jahrhunderten ist dieser Bereich der Grube nahezu unverändert. Das könnte sich ändern. Thomas Malz
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"Seit Jahrhunderten nahezu unverändert" - so lautet die Überschrift über einen Artikel in der Tageszeitung, der Ende Januar 1990 erschienen ist. Und genau das sollte sich damals ändern. Die Grube war seinerzeit als neues, innerstädtisches Wohngebiet vorgesehen. Der Knackpunkt: die Eigentümer der Scheunen hätten verkaufen müssen. Bis heute ist das nur teilweise geschehen, weshalb sich seit 30 Jahren kaum etwas getan hat. Aber es ist durchaus möglich, dass sich daran bald etwas ändert, selbst wenn keine weiteren Scheunen den Eigentümer wechseln.

Das Architekturbüro Blümlein und Huttner hatte damals die Bestandserhebung für die "stadträumlich-historischen Strukturen" im Sanierungsgebiet vorgelegt. Entscheidend war, dass es sich dabei um ein seit dem 17. Jahrhundert nahezu unverändertes Scheunenviertel handelte. Mit dem Bau der Burg, wo heute die Zehntscheune steht, ist um die Anlage herum das Herrschaftsdorf entstanden. Das frühere Münnerstadt lag im 12. Jahrhundert noch auf dem Areal des neuen BBZ, wie sich kürzlich bei den archäologischen Untersuchungen eindrucksvoll bestätigt hat.

Die neue Stadt entwickelte sich, aber laut der Studie war das Gebiet der heutigen Grube vermutlich nur ein Ergänzungsgebiet ohne größere Bedeutung. Architekt Wolfgang Blümlein vermutete damals, dass das Areal bis zum 30-jährigen Krieg innerstädtischer Freiraum war. Später mussten die Handwerker auch mit Landwirtschaft betreiben, hatten aber in den kleinen Parzellen keinen Platz und bauten deshalb die Scheunen in der Grube, die sich seit dem 17. Jahrhundert nur wenig verändert haben.

Schon vor 30 Jahren schlugen die Architekten eine Wohnbebauung vor. Allerdings stand die Stadt schon damals vor dem Problem, dass die Privatbesitzer mit einbezogen werden mussten. Es gelang der Stadt zwar, einige Häuser und Scheunen in dem Areal zu kaufen, bei weitem aber nicht alle.

Vor einigen Jahren gab es dann doch noch einmal ganz konkrete Pläne. Architekt Andreas Halboth stellte ein Mehrgenerationenhaus mit bis zu 14 Wohnungen vor, das er gegenüber der alten Scheunen errichten wollte. Mit im Boot war natürlich die Stadt Münnerstadt.

Und wie sieht es heute aus? "Wir sind genauso weit wie vor zwölf Jahren", gesteht Bürgermeister Helmut Blank (CSU), der sehr gerne eine weitere Bebauung in der Grube gesehen hätte. Allerdings werde für die geplanten Wohnungen zusätzlicher Raum benötigt, beispielsweise für Parkflächen für die Mieter. Und dafür bräuchte die Stadt die Scheunen. Zwei seien inzwischen im Eigentum der Kommune, die anderen aber nicht. Das Problem liege nicht so sehr an der fehlenden Verkaufsbereitschaft der Eigentümer als vielmehr an der Kluft zwischen den unterschiedlichen Preisvorstellungen. Der Bürgermeister, der ja nur noch drei Monate im Amt ist, hätte es gerne gesehen, wenn so zentrumsnah neue Wohnungen entstanden wären.

Aber vielleicht erlebt es Helmut Blank ja noch nach seiner Amtszeit. "Ich habe in den letzten Tagen vier oder fünf Anfragen gehabt", sagt Andreas Halboth gegenüber unserer Zeitung. Das Interesse an seinem Projekt gegenüber den Scheunen in der Grube sei groß. Er hat es auch keineswegs verworfen. Allerdings fehle ihm derzeit einfach ein wenig die Zeit.

Der Münnerstädter Architekt möchte sein Projekt gerne verwirklichen. Dass nicht alle Scheunen in das Eigentum der Stadt gelangt sind, sei gar nicht so schlimm, meint er. Auch ohne eine Scheune, die er gerne in das Projekt integriert hätte, lasse sich das Haus umsetzen, allerdings nicht wie geplant mit zwölf bis 14 Wohnungen, sondern eher mit acht bis zehn Einheiten. "Der Bedarf ist da", ist er überzeugt.

Es gibt auch noch einen weiteren Grund, der ihn bislang hat zögern lassen. In dem Areal werde es mit Sicherheit archäologische Funde geben. Er erinnert daran, wie tief der Landkreis beim Bau des neuen BBZ in die Tasche greifen musste. Für einen privaten Investor sei das nicht zu stemmen. Es gebe aber jetzt eine Konstellation, nach der der Investor nicht allein das Risiko tragen muss. Aber da muss noch einiges abgeklärt werden. Andreas Halboth geht davon aus, dass sich sein Projekt noch umsetzen lässt.

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