Münnerstadt
Denkmal

Münnerstadt: Im Jörgentor wird's immer ruhiger

Seit 1983 kümmert sich der Rhönklub-Zweigverein um das historische Stadttor. Doch seit dem Verbot der Übernachtungen läuft nicht mehr viel.
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Egbert Haut schaut sich in den Zimmern um, in denen früher übernachtet werden konnte. Mit dem Verbot ist es immer ruhiger um den Turm geworden, den der Rhönklub seit 1983 betreut. Thomas Malz
Egbert Haut schaut sich in den Zimmern um, in denen früher übernachtet werden konnte. Mit dem Verbot ist es immer ruhiger um den Turm geworden, den der Rhönklub seit 1983 betreut. Thomas Malz
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Es ist wie eine Zeitreise. Der kleine Verschlag in einer der unteren Etagen im Jörgentor war früher die Anmeldung für die Jugendherberge im Turm. Von 1926 bis 1974 haben unzählige Jugendliche im Jörgentor übernachtet, nur nach dem Krieg wurde es kurzzeitig als Wohnraum für Heimatvertriebene genutzt. Die Zeit der Jugend ist vorüber. "Wir können es für die Stadt nicht mehr bewahren", sagt der Vorsitzende des Rhönklub-Zweigvereins, Egbert Haut. Deshalb häufen sich die Stimmen, die sagen, dass der Zweigverein den Turm zurückgeben sollte. Noch, so schildert Egbert Haut, seien die Mehrzahl der Mitglieder dagegen. "Aber irgendwann wird es soweit sein."

Der Vorsitzende des Zweigvereins ist Realist: "Der Verein veraltet immer mehr, dem muss man Rechnung tragen." Und: "Irgendwann gehen wir alle ins Altersheim und nicht mehr in den Turm." Der Scherz hat einen ernsten Hintergrund. Tatsächlich fällt es einigen Mitgliedern schwer, die Stufen in die höheren Etagen zu bewältigen. Deshalb ist der frühere Werkraum im unteren Bereich zu einem Versammlungszimmer umgebaut worden. Auch Egbert Haut ist dafür, dass sich der Rhönklub eine neue Bleibe sucht, falls das überhaupt nötig ist. Denn für die Jahreshauptversammlungen muss der Zweigverein auf große Veranstaltungsräume ausweichen und die monatlichen Vorstandssitzungen können auch in einer Gaststätte stattfinden. Lediglich im Sommerhalbjahr treffen sich die Verantwortlichen derzeit im Jörgentor, im Winter, wenn das Wasser abgestellt ist, geht das nicht. Dann kommt noch die Öffnung des Turms zum Tag des offenen Denkmals (dritter Heimatspieltag) im Septembern hinzu. Ansonsten wird der Turm aber kaum noch genutzt.

Das war einmal völlig anders. Weil die sanitären Anlagen nicht mehr der Zeit entsprachen und die Brandschutzvorschriften nicht eingehalten werden konnten, beschloss der Stadtrat 1975, das Jörgentor zu schließen. 1983 bot der damalige Bürgermeister, Ferdinand Betzer, dem Rhönklub an, das Tor zu mieten. Es folgte eine sehr aufwändige Innenrenovierung des damals heruntergekommenen Turms durch die Mitglieder des Zweigvereins. Am 19. Mai 1984 wurde die Räume feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Seiher diente das Jörgentor als Versammlungsraum, es konnte aber auch als Übernachtungsstätte für Gruppen und Ort für gesellige Veranstaltungen genutzt werden. "Es war der Reiz, dass man übernachten konnte", sagt Egbert Haut.

Er muss es wissen, denn als er noch Jugendwart des Rhönklub-Zweigvereins war, hat er das Übernachten im Jörgentor im Rahmen des Ferienprogramms organisiert. Eins absoluter Höhepunkt und immer schnell ausgebucht. Ganz oben, dort wo der Stadtturm seinen Fachwerkaufbau hat, haben die Rhönklub-Mitglieder drei Zimmer mit Betten eingerichtet. Alles ist noch vorhanden, alles ist wie neu. Aber hier hat schon lange niemand mehr geschlafen. Ende 2007 wurde der Turm wegen des fehlenden Fluchtweges im Brandfall komplett geschlossen. Nachdem einige Auflagen erfüllt wurden, konnten die Mitglieder den Turm nach einem Jahr zwar wieder nutzen, mit dem Übernachten ist aber Schluss. Und das ist auch der Grund, dass es kaum noch Nachfragen für Familienfeiern gibt.

Prinzipiell, so sagt Egbert Haut, sei das im Sommerhalbjahr zwar noch möglich, aber weil die Getränke so hoch geschleppt werden müssen, sei die Nachfrage gering. Trotzdem würde er sich freuen, wenn der Rhönklub wieder einen Turmwart findet, der nach dem Rechten sieht und beispielsweise die Blumen am Aufgang gießt.

Nach wie vor ist der Rhönklub-Zweigverein Münnerstadt aktiv. Regelmäßig finden Wanderungen statt. Die Rhön verfüge inzwischen über ein ausgezeichnetes Wegenetz, sagt Egbert Haut. Demnächst werden die Mitglieder eine neue Sitzgruppe für den Jörgentorpark übergeben. Außerdem haben sie nach wie vor ein Auge auf die Schlegelwarte, wo es bedauerlicherweise immer wieder zu Vandalismus komme, erzählt er. Erst im Sommer mussten die Rhönfreunde herausgerissene Steine wieder einsetzen. Und die Sitzgruppen sind nach und nach in den Lagerfeuern verschwunden, weshalb dort vom Rhönklub auch keine neuen mehr aufgestellt werden.

"Die Zeiten ändern sich", meint Egbert Haut. Eine Lösung für das Übernachtungsproblem im Jörgentor könne nur eine Außentreppe sein, aber das sei für den Rhönklub kein Thema. Eine Rückgabe des Turms an die Stadt könnte möglicherweise völlig unproblematisch sein.Denn der Rhönklub besitze zwar sehr viele Dokumente, einen Pacht- oder Mietvertrag über das Jörgentor hat der Vorsitzende allerdings noch nicht gefunden.

Für Bürgermeister Helmut Blank (CSU) ist die Sache klar: "Wenn der Rhönklub den Turm an uns zurückgibt, werden wir aktiv werden. Das Stadtoberhaupt ist überzeugt davon, das sich eine Außentreppe zum Jörgentorpark hin realisieren lasse. Und damit könnte der Turm auch wieder für Übernachtungen genutzt werden.

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