Münnerstadt
Kirchensanierung

Münnerstadt: Historischer Dachstuhl bereitet Kopfzerbrechen

Die erste Überraschung hat es bei der Sanierung der Stadtpfarrkirche bereits gegeben. Der historische Dachstuhl ist schlechter als gedacht.
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Architekt Christian Teichmann, Zimmerermeister Michael Weigand und Architekt Ralf Alsheimer beraten, wie sie den alten Dachstuhl konservieren können, ohne den Kostenrahmen zu sprengen.Heike Beudert
Architekt Christian Teichmann, Zimmerermeister Michael Weigand und Architekt Ralf Alsheimer beraten, wie sie den alten Dachstuhl konservieren können, ohne den Kostenrahmen zu sprengen.Heike Beudert
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Es gibt eine gute Nachricht. Die statische Sicherung der Stadtpfarrkirche an der Nordfassade, eine Grundvoraussetzung für die weitere Sanierung des Gotteshauses, ist bereits geschafft. Die seit Jahren sichtbare Auswölbung an der Nordseite der Kirchenfassade kann sich nicht mehr weiter ausdehnen und damit dem Mauerwerk schaden. Sichtbar bleibt dieser kleine Bauch allerdings weiterhin.

Mittels eines Ringankers und durch sogenannte Nadelanker ist das Mauerwerk stabilisiert worden. 60 solcher Nadelanker verbinden nun das zweischalige Mauerwerk, erläutert Architekt Ralf Alsheimer vom Architekturbüro Grellmann, Kriebel und Teichmann. Die neue Ringverankerung, die die gesamte Statik verbessern soll, ist im derzeit offen liegenden Dachstuhl gut erkennbar.

Die unerfreuliche Nachricht kommt vom historischen Dachstuhl auf der Nordseite. "Wir wussten, dass dieser schlecht ist", erklärt Ralf Alsheimer. "Doch er ist noch viel schlechter als erwartet". Erst als das Dach abgedeckt war, wurde der Umfang der Schäden wirklich sichtbar. Alle vorherigen Untersuchungen der Substanz waren nur vom Dachboden aus möglich; von dort bot sich aber nicht der komplette Über- und Einblick. Selbst ein Laie erkennt jetzt die Schäden. An den Enden zerbröseln viele der Weichholz-Balken; teilweise ist das Dachkonstrukt verschoben. Neu sind die Mängel wohl nicht. Bei vorherigen Sanierungen des Gebälks hatten Handwerker bereits provisorische Lösungen gefunden, um auf den teilweise abgesackten Holzsparren Ziegel legen zu können.

Stadtpfarrer P. Markus Reis hofft, dass sich trotz der neuen Erkenntnisse eine weitgehend kostenneutrale Lösung finden lässt, den historischen Dachstuhl zu konservieren. Dieser muss nämlich erhalten bleiben; eine Auflage des Denkmalschutzes. Die Architekten Christian Teichmann und Ralf Alsheimer waren deshalb zusammen mit Dachdeckermeister Michael Weigand (Wermerichshausen) vor Ort, um sich zu beraten. "Die Lösung muss im Kostenrahmen bleiben", betont auch Christian Teichmann.

Eine Funktion wird die historische Konstruktion aus dem 17. Jahrhundert nach der Dachsanierung nicht mehr haben, erläutert Architekt Teichmann. Im Zuge der laufenden Arbeiten wird ein neuer Dachstuhl die Aufgaben des alten Konstrukts übernehmen. Der alte bleibt als historisches Denkmal erhalten.

Geschützt wird die Baustelle derzeit durch ein provisorisches Dach, das die Nordseite der Kirche einhaust. Es sei eine eher ungewöhnliche Maßnahme, die aber nötig war, weil die Kirche so wertvoll ist, erläutert Architekt Christian Teichmann. Angesichts der Regenfälle in den letzten Tagen zeigte sich Stadtpfarrer P. Markus Reis zufrieden, dass diese Einhausung die Kirche vor Nässe schützt. Es habe sich bewährt, bestätigt auch Ralf Alsheimer bei einer Begehung. Die Baustelle blieb trocken.

Im Innern der Kirche, an den Glasfenstern, werden die Arbeiten nicht vor September oder Oktober beginnen. Derzeit laufen abstimmende Gespräche, erklärt P. Markus Reis. Im Zuge der Glasfenster-Restaurierung muss auch der Riemenschneideraltar abgebaut werden. Die wertvollen Figuren werden in Würzburg eingelagert. Der Transport müsse in den nächsten Wochen geregelt werden, so P. Markus.

Sorgen bereitet P. Markus natürlich, wie sehr das Baumoratorium der Diözese Einfluss nimmt auf die angelaufene Kirchensanierung. Und es kommt eine weitere hinzu. Die Kirchenstiftung hat einen großen Eigenanteil zu tragen. Doch dem Stadtpfarrer fehlt der große Ruck in der Bürgerschaft, die erkennt, dass die Kirchenstiftung das Engagement aller braucht, um die Sanierung finanziell zu schaffen. "Es macht mir Bauchweh, wie wir unseren Eigenanteil von 200 000 Euro stemmen können". Derzeit, so P. Markus, werde an einer Spendenaktion für die Sanierung der Glasfenster gearbeitet. Weitere müssten seiner Meinung nach aber folgen, damit größere Spendensummen zusammen kommen.

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