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Kommunalwahl

Münnerstadt: Helmut Blank sagt der Politik ade

In sechs Wochen endet die zweite Amtsperiode des Bürgermeisters. Er zieht einen kompletten Schlussstrich, hat auch nicht mehr für den Kreistag nominiert. Aber er bleibt Münnerstadt treu.
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An einer Magnettafel in deinem Amtszimmer hat Helmut Blank Bilder und andere Erinnerungsstücke seiner zwölfjährigen Amtszeit aufgehängt. Die nimmt er natürlich mit nach Hause. Thomas Malz
An einer Magnettafel in deinem Amtszimmer hat Helmut Blank Bilder und andere Erinnerungsstücke seiner zwölfjährigen Amtszeit aufgehängt. Die nimmt er natürlich mit nach Hause. Thomas Malz

Helmut Blank ist tiefenentspannt. In sechs Wochen ist endgültig Schluss. Kein Bürgermeister mehr, kein Kreisrat, nichts. "Dann habe ich mehr Zeit für meine Lebensgefährtin, meine Eltern, meine Kinder, meinen großen Freundeskreis, den Hund und für mein Fahrrad", sagt er bei einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Auf die Frage, wann er sich entschlossen hat, nicht mehr zu kandidieren, kommt eine überraschende Antwort: "Ich war schon unentschlossen nach der ersten Periode", sagt er. Damals habe er attraktive Angebote gehabt. Außerdem hatten langjährige Stadträte wie Norbert Reiter, Hermann Brust, Wolfgang Brust und Arno Schlembach ihren Rückzug angekündigt. Er hat sich dann doch entschieden weiterzumachen, aber von vorn herein stand fest: Das war das letzte Mal.

Kein Kreistag mehr

"Wenn ich einen Schlussstrich ziehe, dann komplett, dann ist auch der Kreistag beinhaltet." Vor sechs Jahren bei der Wahl habe er seinen Listenplatz 7 Michaela Wedemann zur Verfügung gestellt und sei auf Platz 23 gegangen. "Ich wurde trotzdem gewählt, und das wäre mit Sicherheit jetzt wieder passiert." Aber er wollte sich nicht in die Riege der Altbürgermeister einreihen und dafür nennt er einen Grund: "Man muss den Jungen den Vortritt lassen", ist er überzeugt.

Weil er nicht mehr angetreten ist, konnte Helmut Blank jetzt das Amt des Wahlleiters übernehmen. "Ich habe den Wahlkampf verfolgt und es als sehr angenehm empfunden, dass zwei neue Parteien hinzugekommen sind." Der Wahlkampf selbst sei "hart, aber fair" gewesen. "Mit Ausnahme von Facebook, aber das waren Einzelpersonen, die dann auch schnell keine Akzeptanz mehr hatten. "

Sehr entspannt hat Helmut Blank die Wahl selbst erlebt. "Ich habe geschätzt, dass Michael Kastl im ersten Wahlgang 50,5 Prozent erhält", erinnert er an seine Einschätzung vor der Wahl. Am Ende war es sogar noch ein Prozent mehr, er begründet aber, warum seine Schätzung so nah am Endergebnis lag: "Weil ich Kontakt mit den Bürgern habe, ich habe gewusst, was los ist."

Keine richtige Stimmung

So war es also keine Überraschung für ihn, dass Michael Kastl gewonnen hat. Da hatte der Corona-Virus bereits zugeschlagen, weshalb die Wahlpartys ausfielen. "Mir tat es um die Stimmung leid, die wir sonst immer im Rathaus hatten." Das haber er bei den Wahlen zuvor richtig genossen. "Wenn man gewinnt, genießt man" sagt er. "Das ist es, was Kommunalpolitik ausmacht."

Michael Kastl sei sein Wunschnachfolger gewesen. "Ich habe ihn damals ja auch in die CSU geholt." Und natürlich hat er ihm nach der Wahl gratuliert. Er war es auch, der Michael Kastls Frau als erster mitgeteilt hat, dass er gewonnen hat.

Das Ende seiner Amtszeit als Bürgermeister sieht ein wenig anders aus als Helmut Blank sich das zunächst vorgestellt hat. Die erste Stadtratssitzung ist bereits abgesagt, angesichts der Lage ist es gut möglich, dass es bis Ende April gar keine mehr geben wird. "Das kann ich verschmerzen", meint der Bürgermeister. Aber: "Ich werde bis zum letzten Tag arbeiten." Man stehe vor einer großen Herausforderung angesichts der Corona-Krise. "Es gilt, für die Münnerstädter und die Gesundheit bis zum Schluss zu arbeiten." Am 30. April wird er sein Amtszimmer abschließen. "Und Michael Kastl schließt es am 1. Mai wieder auf." Eine Übergabe gebe es nicht, das sei auch überhaupt nicht üblich.

Zwölf Jahre lang hat Helmut Blank die Geschicke der Stadt mitgelenkt. Wie sieht er die Zeit im Rückblick? "Ich bin 2008 angetreten, um die Stadt handlungsfähig zu machen, indem die Schulden abgebaut werden. Das ist mir gelungen." Das schönstes Erlebnis in seiner Amtszeit hängt unmittelbar damit zusammen. Denn das sei gewesen, als Ministerpräsident Markus Söder beim Neujahrsempfang der Stadt Münnerstadt gesagt hat, dass er nach Rücksprache mit Landrat Thomas Bold Bürgermeister Helmut Blank Respekt zolle, weil er die Stadt wieder handlungsfähig gemacht habe.

Das schlimmste Ereignis

Und das schlimmste Ereignis in den zwölf Jahren? "Das war die Schließung des Kommunalunternehmens ,Kultourismus im Schloss'", betont er. Besonders drastisch sei für ihn gewesen, dass die Kündigungen der Mitarbeiter unterschreiben musste. Das Hallenbad habe er dagegen nicht so ernst genommen.

Am 1. Mai ist Helmut Blank Pensionist. "Es hat sich alles verändert", sagt er. Eigentlich wollte er bis Oktober Urlaub machen, im Elbsandsteingebirge, an der Ostsee und in Südtirol. Daraus wird jetzt wegen Corona erst einmal nichts. "Da bleibe ich da, wo ich bin, nämlich in Münnerstadt." Er habe nie vorgehabt, das Lauerstädtchen zu verlassen, entkräftet er anderslautende Gerüchte. Er besitzt noch eine Wohnung in Regensburg. "Das ist mein zweiter Wohnsitz, mein erster ist und bleibt in Münnerstadt." Zu anderen Gerüchten kann er auch etwas sagen. Es stimme, dass er in Handthal (Steigerwald) ein Grundstück habe. "Aber vorerst nur ein Grundstück."

Ein kleiner Job

So ganz zur Ruhe setzen wird sich Helmut Blank nicht. Er habe durchaus attraktive Angebote bekommen, so von einer großen Arztpraxis in Unterfranken, wo er Praxismanager hätte werden können. Das Angebot kam von einem eifrigen Zeitungsleser, der Helmut Blank einstellen wollte, weil er sich als konsequent und durchsetzungsstark erwiesen habe. Der Bürgermeister hat aber abgelehnt. Denn voll arbeiten möchte er wirklich nicht mehr. Es wird ein kleiner Job sein.