Münnerstadt
Übung

Münnerstadt: Hannah spielte täuschend echt

Feuerwehr und BRK stellten folgendes Szenario: Eine Arbeiterin war auf der eingerüsteten Stadtpfarrkirche verletzt worden , Transport aus zehn Metern Höhe.
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In rund zehn Meter Höhe wurde die 19-Jährige Hannah, die sich als Mime zur Verfügung gestellt hatte vom Rettungsdienst und Feuerwehr versorgt. Foto: Friedrich
In rund zehn Meter Höhe wurde die 19-Jährige Hannah, die sich als Mime zur Verfügung gestellt hatte vom Rettungsdienst und Feuerwehr versorgt. Foto: Friedrich
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Die realistische Unfalldarstellung der Feuerwehr Münnerstadt im Rahmen des Fachdienstlagers des Bayerischen Roten Kreuzes wurde auch zu einer Herausforderung für die Wehrleute. "Unfallort" war die Stadtpfarrkirche in Münnerstadt. Diese ist zur Zeit eingerüstet und bot damit ein geeignetes Übungsobjekt für die realistische Rettung einer verletzten Person aus rund zehn Metern Höhe. Angenommen wurde, dass die morschen Balken des Seitendachs der Kirchen eingestürzt waren. Als die Wehrleute und die Kräfte des BRK Münnerstadt an der Kirche eintrafen, sahen sie einen jungen Mann, der am Boden lag und durch herabfallende Teile des Dachstuhls getroffen worden war. Auf dem Gerüst, in etwa zehn Metern Höhe, hörten sie Hilferufe einer weiteren Person.

Während dem Verletzten, der auf dem Boden lag, schnell geholfen werden konnte, zeigte sich, dass es gar nicht so einfach war die Person, dargestellt von Hannah vom Jugendrotkreuz Hammelburg, zu versorgen und sicher nach unten zu bringen. Eine Möglichkeit, sie über das Gerüst nach unten zu tragen, war nicht gegeben, da es nur schmale Leitern und Luken gab. "Die vorhandene Treppe, die wir natürlich im Ernstfall nutzen würden, denken wir uns heute einmal weg", erklärten die Feuerwehrleute. Damit blieb nur die Möglichkeit, über die Drehleiter an die Verletzte heran zu kommen. Dabei war die enge Straße am Museum ein weiteres Problem. Dort waren Autos geparkt, die zunächst weg gefahren werden mussten. "Das kann uns im Ernstfall auch passieren," sagte ein Feuerwehrmann. Dann war es gar nicht so einfach, die Leiter so zu positionieren, dass sie ausgefahren werden konnte.

Hätte man nicht gewusst, dass es sich hier um eine Übung handelte, hätte man der 19-Jährigen Hannah abgenommen, dass sie schwer verletzt auf dem Gerüst liegt und immer wieder um Hilfe rief. "Wo bleibt ihr denn ... ich habe solche Schmerzen... mein Bein kann ich kaum bewegen... es blutet." Die Ruhe bewahren, hieß es trotzdem für die Rettungskräfte und die Feuerwehr, denn es dauerte schon einige Zeit, bis die Drehleiter stand und ein BRKler und ein Feuerwehrmann im Rettungskorb nach oben fahren konnten.

Als sie vor Ort waren, gab es das nächste Problem, denn man kam nicht so einfach an die Verletzte heran. Die kleine Leiter am Korb wurde ausgelegt und gesichert, ebenso der Feuerwehrmann und der Sanitäter. Ganz vorsichtig stiegen die Beiden in das Gerüst ein, wo die "verletzte Person" zunächst beruhigt und versorgt wurde. Der große Balken wurde von ihrem Bein genommen, in diesem jedoch steckte ein Holzstück.

Immer wieder zeigte Hannah deutlich, dass sie Schmerzen hatte. "Das haben wir bis runter gehört," sagten die Rotkreuzbeobachter vor der Kirche. "Man hätte meinen können, sie sei wirklich schwer verletzt, aber das sollte sie ja auch demonstrieren," sagte Landesarzt Dr. Peter Sefrin. Wie bekommt man die Verletzte jetzt auf die Rettungstrage und damit auf den Korb der Drehleiter? Zunächst Ratlosigkeit, dann die Entscheidung, am Gerüst ein Zwischenteil abzuschrauben. Ganz vorsichtig wurde die Trage aufs Gerüst geschoben und die "Verletzte" fest angeschnallt, bevor es nach unten ging.

Mutig, mutig, sagten die Helfer vor Ort, denn es gehört Überwindung dazu, sich auf die Trage zu legen und über die Feuerwehrleiter aus zehn Metern Höhe nach unten transportiert zu werden. Am Boden konnte die Jugendliche dann vom BRK Rettungsteam "versorgt" werden und heimste auch viel Lob für ihre realistische Unfalldarstellung und ihren Mut ein. "Wir hätten ja abbrechen können, aber Hannah wollte es so bis zum letzten durchziehen und das war sehr mutig." Für die Münnerstädter Feuerwehrleute war es eine Übung, die schnelles, aber sicheres Handeln erforderte und zeigte, wie man im Ernstfall reagieren müsste.

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