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Münnerstadt: Generalsanierung auf der Kippe

Weil sich die Kosten für die Sanierung der Mehrzweckhalle schon wieder erhöht haben, hat der Stadtrat die Reißleine gezogen. Jetzt soll geklärt werden, ob nicht eine kleine Lösung gesucht wird.
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Die Münnerstädter Mehrzweckhalle ist seit September geschlossen. Allerdings hat die Generalsanierung noch nicht begonnen und seit Dienstag ist fraglich, ob sie überhaupt kommt. Thomas Malz
Die Münnerstädter Mehrzweckhalle ist seit September geschlossen. Allerdings hat die Generalsanierung noch nicht begonnen und seit Dienstag ist fraglich, ob sie überhaupt kommt. Thomas Malz

Das kam völlig unerwartet: Einstimmig hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstagabend den Tagesordnungspunkt Gewährung von Zuweisungen für die Generalsanierung der Mehrzweckhalle vertagt. Sah es zunächst danach aus, als ob eine erneute Kostenerhöhung zähneknirschend hingenommen wird, so kippte die Stimmung während der Diskussion. Stark in die Kritik geriet das Büro WSP, das die Bauherrschaft für die Stadt übernommen hat. Möglicherweise wird es nun keine Generalsanierung geben.

Eigentlich war es eine Formsache. Die Regierung hat den Antrag der Stadt bezüglich der Generalsanierung geprüft und Fördermittel in Aussicht gestellt. Weil diese aber erst später gezahlt werden, müsste die Stadt die Summe zwischenfinanzieren, was Auswirkungen auf den Haushalt hat. Und weil noch immer nicht mit dem Bau begonnen wurde, rechnete Claudia Auinger von WSP eine geschätzte Kostenanpassung von rund 500 000 Euro ein, womit sich die Gesamtkosten auf knapp zehn Millionen Euro erhöhen. Das war den Stadträten doch zu viel.

Michael Kastl (CSU) monierte, dass in einer der letzten Sitzungen geheißen hatte, der Stadtrat solle zustimmen, sonst würde die Generalsanierung noch teurer und jetzt sei genau das eingetreten. Er sprach von einem Schaden in Höhe von einer halben Million Euro, der der Stadt entstanden sei. Claudia Auinger hielt entgegen, dass sie diese Kosten einrechnen müssen. "Das sind die Kosten, die kommen können." Die Prüfung des Antrags bei der Regierung habe ungewöhnlich lange gedauert, sagte sie. Man könne aber schlecht die Regierung verklagen. Außerdem sei ja auch der Kostenhöchstwert von 5,8 Millionen Euro im Jahr 2018 auf nun 6,2 Millionen Euro gestiegen. Man müsse der Regierung dankbar sein, meinte Michael Kastl dazu.

"Wir sind jetzt bei zehn Millionen, und noch ist kein Ende in Sicht", monierte Axel Knauff (SPD). Er bezog sich auf das Schreiben der Regierung, in dem auch steht, dass geprüft werden sollte, ob Kosteneinsparungen möglich sind.

Dann geriet Claudia Auinger ins Kreuzfeuer der Kritik. Britta Bildhauer (SPD) empfand die Arbeit des Projektsteuerers als äußerst unbefriedigend. Noch deutlicher wurde Fabian Nöth (Neue Wege). "Das ist das erste Mal, dass wir keinen Fehler machen und jetzt machen Sie die Fehler. "Wir haben keinen Fehler gemacht", bekam er zur Antwort.

Dieter Petsch (Forum aktiv) wunderte sich darüber, dass die Stadtverwaltung überrascht über die Zwischenfinanzierung war. Es komme doch häufiger vor, dass die Fördermittel erst später fließen. "Das ist definitiv unüblich", entgegnete der Geschäftsleitende Beamte, Stefan Bierdimpfl.

Bereits im Februar 2017 sei der Eindruck erweckt worden, die Sanierung der Mehrzweckhalle stünde unmittelbar bevor, sagte Leo Pfennig (Freie Wähler). Jetzt sei noch immer nicht begonnen worden. "Die Begründungen für die Verzögerungen wechselten", sagte er. Besonders dreist sei ein Gerücht gewesen, dass die Regierung die Sanierung wegen der möglichen alternativen Nutzung des Hallenbades gestoppt hätte. "Ein Anruf bei der Regierung ergab, dass die Behauptung schlichtweg unwahr ist." Richtig ist vielmehr, dass der Zeitverzögerung fehlende Unterlagen der Stadt zugrunde liegen. Es stimme zwar, dass die Baugenehmigung des Landratsamtes noch fehle, "aber weshalb beschäftigen wir für teures Geld ein sogenanntes ,ausgelagertes Bauamt'?", fragte er. Leo Pfennig befürchtet, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist, was den Baubeginn, aber auch die Kosten betrifft.

"Wir stehen vor dem Abgrund, das ist ein finanzielles Desaster und der Abgrund ist tief", monierte Axel Knauff. Er erinnerte daran, dass ursprünglich nur die Tartanbahn erneuert werden sollte. Es reiche, wenn man die Bahn, den Hallenboden und die Toiletten erneure. "Ich flehe Sie an zu überlegen, ob wir dieses Abenteuer noch wollen!" Auch im Hinblick auf die Verschuldung der Stadt sei das Projekt einfach zu groß. Das sei eine berechtigte Fragestellung, meinte Bürgermeister Helmut Blank dazu.

Andreas Trägner (Freie Wähler) erinnerte daran, dass die Halle seit September bereits geschlossen ist, ohne dass mit der Sanierung begonnen wurde. Es sei in keinster Weise akzeptabel, dass Jugendmannschaften nicht trainieren können. Michael Kastl merkte an, dass die Gesamtkosten seit 2018 um mehr als eine Million Euro gestiegen seien, die eigentlichen Baukosten aber kaum.

Helmut Blank schlug vor, die Diskussion zu beenden. Er wolle die weitere Vorgehensweise mit den Fraktionen besprechen. Aber noch war das Thema nicht beendet. Klaus Schebler (Neue Wege) schloss sich der Argumentation von Axel Knauff an und meinte zu Claudia Auinger: "Wenn Sie bei mir privat arbeiten würden, bräuchten Sie morgen nicht mehr kommen." Das ließ sie nicht so stehen und konterte mit Daten, die belegen sollten, dass es bei der Stadt Verzögerungen gab. Dann sprach Helmut Blank davon, dass man nun die Reißleine ziehen sollte.

"Blutenden Herzens" sprach sich auch Andreas Trägner dafür aus. Dann sollte man aber schnellstmöglich wieder die Halle öffnen. Das müsse er mit der Regierung abklären, sagte der Bürgermeister dazu. Der Beschluss auf Vertagung fiel einstimmig. Bisher sind rund eine Million Euro an Planungskosten für die Hallensanierung ausgegeben worden.

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