Münnerstadt
Genuss

Münnerstadt: Einst brauten Gaststätten ihr eigenes Bier

Die traditionsreiche Klosterbrauerei war im Münnerstadt des 19. und frühen 20. Jahrhunderts nur eine von vier Brauereien. Biergenuss war geschätzt.
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Der Münnerstädter Gastwirt Hubert Mangold hat noch eine Sammlung historischer Bierkrüge aus Münnerstadt, darunter sind auch Krüge der einstigen örtlichen Brauereien.Heike Beudert
Der Münnerstädter Gastwirt Hubert Mangold hat noch eine Sammlung historischer Bierkrüge aus Münnerstadt, darunter sind auch Krüge der einstigen örtlichen Brauereien.Heike Beudert
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Natürlich war die Klosterbrauerei die größte und traditionsreichste Brauerei des Städtchens.Sie wurde schon 1381 gegründet. Doch mit der Säkularisation im frühen 19. Jahrhundert brach für das beliebte Getränk ein neues Zeitalter ein. Der Weinbau verlor in Münnerstadt an Bedeutung. In Bayern wurde der Bierzwang abgeschafft. Jeder konnte selbst entscheiden, welches Bier er trinken wollte. Ab 1805 durften Brauereien ihr Bier auch selbst ausschenken. Das war die Geburtsstunde der Brauerei-Gaststätten.

Sogar eine Bierpolizei gab es in der Folge im Ort. Bierbeschauer oder Bierkieser kontrollierten, dass der Biergenuss nicht getrübt wurde und den Gästen ein schmackhaftes Bier vorgesetzt wurde. Dazu mussten sie "ihre Geschmackswerkzeuge rein und unverdorben mitbringen", heißt es in der Anleitung für die Bierkieser. Das bedeutete, dass sie vor der Beschau nicht rauchen durften und "tags vorher in keiner Weise müßig gelebt haben". Auch Heringe oder Schinken waren vor der Beschau tabu, ebenso wenig Süßspeisen. Die Verordnung für die Bierbeschau gibt genaue Anhaltspunkte, wie ein Bier schmecken und aussehen soll. "Alte, starke Biere nehmen gewöhnlich einen säuerlichen Geschmack an, der von Bierkennern sogar beliebt - wohl aber zu unterscheiden ist von der verderblichen, sauren Gärung, bei welcher das Bier immer auch schaumlos, glanzlos, nicht selten auch trübe wird und besonders beim Erwärmen durchdringend säuerlich riecht", heißt es in der Anleitung für die Bierkieser. Kontrolliert wurde aber auch, dass die Gaststättenbrauereien in ihren Sudhäusern wirklich nur für sich selbst brauen; so sollte vermieden werden, dass dem Gemeindebrauhaus Konkurrenz entsteht. In der sogenannten "Communebrauerei" konnten die Bauern ihre Gerste abgeben und erhielten als Gegenleistung ihr Hausbräu.

Stadtarchivar Klaus-Dieter Guhling hat zwei Wirtsdynastien gefunden, die ihr Bier selbst produzierten. Michael Sprung und seine Frau Amalie (geb. Brückner) beantragten im Jahr 1823 eine Konzession. Dazu gehörte die stattliche Gastwirtschaft "Zum Deutschen Haus" in der Jörgentorgasse (heute Lochner). Das historische Gebäude war einst Sitz der ersten Pfarrei, dann des Gymnasiums, ehe es im 19. Jahrhundert als Gasthaus genutzt wurde, erzählt Klaus-Dieter Guhling. 1889 starb Johann Sprung jun. Nur wenige Monate später brannte ein Teil der Brauerei. "Ein auf dem Kühlschiff gerade lagernder Sud Bier wurde durch herabfallende Ziegel, Mörtel und brennende Holzstücke total verdorben", ist in der Münnerstädter Volkszeitung vom 8.April 1889 nachzulesen . Ansonsten hielt sich der Schaden in Grenzen. Zuerst führte die Witwe des Verstorbenen die Brauerei weiter, ehe Georg Popp als Nachfolger und benannte die Gastwirtschaft in Popp´s Burg um. Später folgte der Wasunger Richard Leifer. Von ihm hat der Münnerstädter Gastwirt Hubert Mangold einen originalen Bierkrug in seiner Sammlung. Wie das Bier schmeckte, ist leider nicht überliefert. Allerdings findet sich im Archiv ein Protokoll einer Bierbeschau. Darin wurde moniert, dass im Gasthaus Sprung zu junges Bier ausgeschenkt wurde.

Eine Gaststättenbrauerei führte auch Georg Reuß mit dem Gasthaus "Schwarzer Adler". Das hübsche Fachwerk in der Hauptstraße wurde im Krieg zerbombt. Heute befindet sich an gleicher Stelle ein Blumengeschäft. Später wurde die Brauerei von Franz Weigand übernommen. Gebraut wurde wenige Meter entfernt im eigenen Sudhaus. Eine Visitationskommission zur Bierbeschau im Oktober 1854 bescheinigte dem Brauer, dass das Bier "perlt, schäumt und ohne Satz" war. "Der Schaum erhielt sich längere Zeit, der Geruch zeuchte von der Verwendung guten Hopfens, der Geschmack war angenehm, zeigte jedoch das nahe bevorstehende hart werden", ist im erhaltenen Protokoll nachzulesen. Auch ein Fass im Felsenkeller "enthielt in jeder Beziehung noch ein ganz gutes Bier", so das Urteil der Kommission. Gleichzeitig bekam Georg Reuß die eindringliche Mahnung mit auf den Weg, dass das Verzapfen von verdorbenem oder saurem Bier "unnachsichtlich mit zehn Reichsthaltern bestraft werde".

Die evangelische Kirche steht heute auf den Grundmauern dieses Felsenkellers, der nach dem späteren Besitzer Franz Weigand auch Weigandskeller genannt wurde. Dort wurde außerhalb der Altstadt das Bier gelagert, und einen Biergarten gab es hier bis in die 1920er Jahre hinein. Im späten 19. Jahrhundert baute Franz Weigand eine moderne Dampfbrauerei. Sein Nachfolger Hans Friedrich Gaiser, nannte sie Adlerbrauerei und wandelte sie in eine Aktiengesellschaft um. In der Münnerstädter Volkszeitung findet sich 1937 ein Vermerk, dass die Handelsregistereintragung gelöscht wurde.

Die Tradition der Münnerstädter Kleinbrauereien endete weitgehend in 1920er Jahren. Weshalb, ist nicht vermerkt. Nur im Kloster wurde noch Jahrzehnte weiter Bier gebraut, bis auch diese Tradition vorbei war. Der neue Besitzer der Klosterbrauerei verlegte Ende der 2000er Jahre die Produktion aus Münnerstadt in sein Stammhaus nach Hausen/Rhön. Heute erinnert nur noch der Name "Kloster Urstoff" an Mürschter Bier.

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