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Funde

Münnerstadt: Ein Geschenk schreibt Stadtgeschichte

Der Landkreis Bad Kissingen hat die Funde vom Areal des neuen BBZ an die Stadt Münnerstadt übergeben. Im Jubiläumsjahr 2020 werden sie im Henneberg-Museum ausgestellt.
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Bei der offiziellen Schenkung der archäologischen Funde (von links): Dr. Matthias Merkl vom Landesamt für Denkmalpflege, Landrat Thomas Bold, Bürgermeister Helmut Blank, Kreisheimatpfleger Christian Neugebauer, Britt Nowak-Böck vom Landesamt und Museumsleiter Nicolas Zenzen. Thomas Malz
Bei der offiziellen Schenkung der archäologischen Funde (von links): Dr. Matthias Merkl vom Landesamt für Denkmalpflege, Landrat Thomas Bold, Bürgermeister Helmut Blank, Kreisheimatpfleger Christian Neugebauer, Britt Nowak-Böck vom Landesamt und Museumsleiter Nicolas Zenzen. Thomas Malz

1250 Jahre Münnerstadt? Von wegen! Was Museumsleiter Nicolas Zenzen da auf dem Tisch ausgebreitet hat belegt eindeutig, dass Münnerstadt schon seit mindestens 7000 Jahren besiedelt ist. Es können aber auch 7500 Jahre sein. Weil man das nicht genau weiß, bleibt es bei der 1250-Jahrfeier der ersten urkundlichen Erwähnung im nächsten Jahr. Die Feierlichkeiten werden nun auch noch einen Höhepunkt mehr haben. Denn im Sommer ist eine Sonderausstellung mit den Fundstücken vom Areal des BBZ-Neubaus im Henneberg-Museum geplant. Landrat Thomas Bold (CSU), der die Fundstücke offiziell der Stadt Münnerstadt schenkte, meinte, dass sie hervorragend ins Museum passen. Deshalb sei er sogar froh gewesen, als die Anfrage aus Münnerstadt kam.

"Das ist ein schöner Tag für Münnerstadt", sagte Bürgermeister Helmut Blank (CSU) bei der offiziellen Übergabe. "Es freut mich sehr, dass die archäologischen Funde vom BBZ jetzt in Münnerstadt sind und im kommenden Jahr der Öffentlichkeit präsentiert werden." Das Geschenk des Landkreises passe sehr gut zur 1250-Jahrfeier, so der Bürgermeister.

Am Anfang habe die Überlegung gestanden, wo das neue BBZ entstehen soll, erinnerte Landrat Thomas Bold (CSU). Die Entscheidung fiel auf das Areal neben dem Studienseminar. Von Anfang an sei klar gewesen, dass man dort mit großer Wahrscheinlichkeit auf Funde stoßen wird. Dass sie dann derart umfangreich waren, sei aber nicht absehbar gewesen. "Damit war nicht nur eine Verzögerung der Baumaßnahme verbunden, sondern auch ein erheblicher Kostenfaktor", so der Landrat. Rund 700 000 Euro haben den Landkreis die Ausgrabungen gekostet.

Aber dafür hat es auch etwa gegeben. Nun könne man die Geschichte der Siedlungen in Münnerstadt nachvollziehen, sagte Thomas Bold. Dann habe sich die Frage gestellt, was mit den Funden geschehen soll. Hier brachte er die Münnerstädter historische Altstadt mit dem Henneberg-Museum ins Spiel. "Es war ein Glücksfall, dass die Anfrage aus Münnerstadt kam: Könnt ihr uns die Exponate überlassen?", so der Landrat. Es sei sinnvoll, die Funde in die Obhut der des Henneberg-Museums zu geben und in dessen Konzept mit einfließen zu lassen. Das sei auch im Sinne der Augustiner, denen das Gelände früher gehörte. Im Kreistag habe es keine großen Diskussionen gegeben, in Münnerstadt seien die Funde ideal aufgehoben. "Ich danke dem Kreistag, dass wir die Zustimmung bekommen haben."

"Es war davon auszugehen, dass dort eine Siedlung lag", sagte Dr. Matthias Merkl vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Der Name Altstadtweg habe ja schon darauf hingewiesen. "Das hat sich bestätigt." Eigentlich habe es sich um eine "Feldgrabung" gehandelt. Denn seit dem Mittelalter sei die Fläche unbebaut gewesen. Die Grabung habe ergeben, dass dort der älteste Teil Münnerstadts gewesen sein dürfte, die Siedlung aber im 13. Jahrhundert aufgegeben wurde.

Der Leiter des Henneberg-Museums, Dr. Nicolas Zenzen, hatte eine Auswahl der über 10 000 Einzelfunde zur Ansicht ausgelegt. Er dankte dem Landrat für die Geduld bei der Ausgrabung und dafür, dass der Kreistag die Funde dem Museum anvertraut hat. Der promovierte Archäologe erläuterte, dass Ur-Münnerstadt an dieser Stelle lag, im 11., 12.Jahrhundert dann aber die Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Stadt entstand. Eine Zeitlang sei die Stadt noch mit der Siedlung über den Dicken Turm verbunden gewesen, im 13. Jahrhundert wurde das alte Münnerstadt aber aufgegeben, die Menschen zogen sich hinter die Stadtmauer zurück, der Durchgang vom Dicken Turm wurde zugemauert.

Er führte die Gäste anhand der Funde durch Jahrtausende der Münnerstädter Geschichte, die im Neolithikum (Jungsteinzeit) begann, wie ein Steinbeil und gefundene Linearbandkeramik belegt. In jener Zeit begannen die Jäger und Sammler erste Siedlungen zu bauen und sesshaft zu werden - eben auch in Münnerstadt.

Keramik aus der römischen Zeit und eine halbe Perle aus Bernstein belegen, dass es schon vor vielen Jahren rege Handelsbeziehungen gab und Münnerstadt an einem Handelsweg lag. Nicht fehlen durften bei der Vorstellung die gefundenen Nägel, da die Münnerstädter ja bekanntlich die Nägelsieder sind. Auch Recycling ist keine Erfindung unserer Zeit. Mit Draht haben unsere Vorfahren zerbrochene Keramik repariert, oder in Bruchstücke einfach ein Loch gebohrt, um es als Schmuckstück zu tragen oder als Gewicht bei der Textilherstellung zu verwenden.

Unter den Funden befinden sich keine spektakulären Schätze, aber selbst die unscheinbarsten Stücke können wertvolle Informationen über das einstige Leben in Münnerstadt erhalten, meint Nicolas Zenzen. Er nimmt eine kleine Keramikmurmel in die Hand. "Damit hat einmal ein Kind gespielt." Die Funde belegen aber auch, dass es schon früher wohlhabende und anspruchsvolle Münnerstädter gab.

Im Sommer soll es eine Sonderausstellung geben. Das sei allerdings "sehr sportlich", sagt der Museumsleiter. Bisher sei lediglich eine vorläufige Auswertung der Grabungsfunde erfolgt. "Eine umfassende wissenschaftliche Auswertung steht noch aus." Die wird jetzt folgen.

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