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Zukunft

Münnerstadt: Ein Freitag gegen den Klimawandel

Schüler des Schönborn-Gymnasiums verbinden einen Projekttag an der Schule mit einer Demonstration in der Freizeit. Im Mittelpunkt steht der Umweltschutz.
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Schülersprecher Frederik Dürr (links) heizt vor dem Rathaus seine Mitschüler an. "Wir sind hier, wir sind laut weil, ihr uns die Zukunft klaut", rufen sie bei der Demo. Thomas Malz
Schülersprecher Frederik Dürr (links) heizt vor dem Rathaus seine Mitschüler an. "Wir sind hier, wir sind laut weil, ihr uns die Zukunft klaut", rufen sie bei der Demo. Thomas Malz
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Es geht auch anders: Am weltweiten Schulstreik, um die Politiker auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, wollten sich auch die Schülerinnen und Schüler des Münnerstädter Schönborn-Gymnasiums beteiligen. Statt der Schule fern zu bleiben, hatten die Mitglieder des Arbeitskreises "Umwelt" in der SMV (Schüler-Mit-Verantwortung) eine andere Idee und konnten dafür auch die Schulleitung gewinnen. Am Vormittag stand ein Projekttag zum Klimawandel auf dem Programm, mit Kleidertausch, Upcycling (Aufwertung von Gebrauchsgegenständen) und vielem mehr. Nach dem offiziellen Schulschluss um 12.15 Uhr demonstrierten die Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit vor dem Rathaus.

"Wir sind hier - wir sind laut - weil ihr uns die Zukunft klaut", skandierten zahlreiche Schülerinnen und Schüler dann auf dem Marktplatz - allen voran Schülersprecher Frederik Dürr. Die Polizei ging von 200 bis 220 Schülerinnen beim Zug vom Gymnasium zum Marktplatz aus. Hinzu kamen etliche Mittelschüler, so dass Norbert Schmäling vom Windpark Langes Schiff die Teilnehmerzahl auf insgesamt 300 schätzte. "Mindestens", sagte er.

"Alles muss sich ändern und zwar jetzt", "wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, ihr nicht", "ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennen würde - denn es brennt", zitierten Mitglieder des SMV-Arbeitskreises Umwelt Greta Thunberg, die "Fridays for Future" begründet hat.

"Es ist wichtig, dass jeder Einzelne etwas tun kann", sagt Frederik Dürr gegenüber unserer Zeitung. Deswegen seien die beiden Aktionen auch gekoppelt worden. Zunächst stand der Projekttag für die Jahrgangsstufen 5 bis 10 auf dem Programm. "Wir wollen vor allem unsere Mitschüler für Umweltschutz sensibilisieren", heißt es in einem Schreiben der SMV an Eltern und Schüler. "Es gibt Infos und Workshops", sagt Frederik Dürr. Beim Upcycling konnten die Schüler Geldbeutel, Notizblöcke und Bilderrahmen basteln, dazu wurden Plakate für die Demos gefertigt. Auch im regulären Unterricht wurde das Thema aufgegriffen.

"In der ganzen Welt stehen heute hunderttausende Jugendliche auf, so wie ihr heute in Münnerstadt, und kämpfen für ihre lebenswerte Zukunft, ja für das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten. Euer jugendlicher Einsatz dafür ist ganz entscheidend wichtig, und dafür danke ich euch ausdrücklich", sagte der frühere Bundestagsabgeordnete der Grünen, Hans-Josef Fell, der als Hauptredner geladen war. "Meine Generation hat in seiner Gesamtheit versagt", betonte er. Zwar gebe es seit Jahrzehnten Millionen von Menschen, die sich Klimaschutz einsetzen, "doch es gibt Milliarden von Menschen, die sich eben nicht darum kümmern". Insbesondere gebe es Geschäftsmodelle, vor allem bei Großkonzernen aus dem fossilen und atomaren Industriesektor, die ohne Rücksicht auf Umwelt und Klimaschutz den Untergang der Menschheit auf diesen Planeten fördern, so Hans-Josef Fell.

Schon jetzt sei der ökologische Zustand auf dem Planten nicht mehr tragfähig, deshalb müssten weitere Emissionen gestoppt werden. Klimaschutz müsse auf zwei Säulen gleichzeitig geschaffen werden. "Es dürfen keine neuen Klimagase mehr in die Atmosphäre entlassen werden, und der überschüssige Kohlenstoff muss endlich umfänglich aus der Atmosphäre entfernt werden", so der Umweltaktivist. Er kam zu dem Schluss, dass es heute keinen vernünftigen Grund mehr gebe den Klimaschutz zu verweigern. Den Schülern rief er zu: "Die Menschheit braucht eure jugendliche Stärke, um endlich einen wirksamen Klimaschutz u schaffen."

Bürgermeister Helmut Blank (CSU) bestärkte die jungen Leute in ihrem Protest. Münnerstadt sei wegen der vielen Windräder und Photovoltaikanlagen energieautark. Das Stadtoberhaupt hob dabei Norbert Schmäling und den Windpark sowie die Energiegenossenschaft Münnerstadt hervor. Umweltreferent Klaus Schebler (Neue Wege) ging auf die vielen Blumenwiesen ein, die seit 2016 neu entstanden sind. Projekte der Schüler zum Umweltschutz würden von der Stadt unterstützt.

"Shoppen ohne Geld und dabei die Welt ein bisschen besser machen" - unter diesem Motto hatte bereits am Vormittag der Kleidertausch beim Projekttag am Schönborn-Gymnasium gestanden. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler gut erhaltene Kleidungsstücke, die ihnen nicht mehr passen oder gefallen, abgeben. Dafür bekamen sie Punkte gutgeschrieben, mit denen sie dann wieder Kleidung mitnehmen konnten. Bezahlt wurde einfach mit den Punkten. Und was übrig blieb, wird einem guten Zweck zugeführt.

"Der Arbeitskreis Umwelt hat sich Gedenken gemacht, sagt Schulleiter Joachim Schwigon dazu, der voll hinter der Aktion steht. "Wir machen den Projekttag so, dass jeder Schüler etwas davon hat." Er hatte den Eltern im Vorfeld mitgeteilt, dass wegen des Projekttages der Unterricht bereits um 12.15 Uhr endet. Die anschließende Demonstration der SMV war also keine schulische Veranstaltung mehr, die Teilnahme daher auch freiwillig.

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