Münnerstadt
Holzwirtschaft

Münnerstadt: Die Trockenheit rafft die Wälder hin

Stadtförster Jörg Mäckler zeichnet ein düsteres Bild. Der bisher gefallene Niederschlag reicht bei weitem nicht aus. Der Borkenkäfer geht in die Kiefer.
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Dieser Haufen mit Kronen umfasst etwas 30 bis 35 Kubikmeter. Das Holz wird vor Ort zu Hackschnitzeln verarbeitet. Etwa 25 solcher Haufen liegen derzeit in den städtischen Wäldern. Thomas Malz
Dieser Haufen mit Kronen umfasst etwas 30 bis 35 Kubikmeter. Das Holz wird vor Ort zu Hackschnitzeln verarbeitet. Etwa 25 solcher Haufen liegen derzeit in den städtischen Wäldern. Thomas Malz
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Braune Kronen, zerfressene Borke, Wälder, in denen keine einzige Fichte mehr steht: Dafür warten Berge von Holzstämmen auf ihren Abtransport zur Weiterverarbeitung und riesige Haufen von Kronen, die noch im Wald zu Hackschnitzeln verarbeitet werden, damit der Borkenkäfer keine Überlebenschance hat. Der Holzschädling hat sich nicht nur rasant vermehrt, er hat auch neues Areal erobert. "So etwas gab es früher nie, da waren sie nur in Fichten zu finden", sagt Jörg Mäckler und deutet auf eine Kiefer, die vom Borkenkäfer befallen ist. Der Baum ist bereits markiert, wird sehr bald fallen. "Wir kommen nicht mehr hinterher." Schuld an der ganzen Misere sei die noch immer nicht überwundene Trockenheit. "Früher waren wir niederschlagsarm", sagt der Förster. "Jetzt sind wir niederschlagslos."

Besonders schlimm sei der Borkenkäferbefall bei Kiefern im Bereich des Schindbergs Richtung Burghausen und entlang der früheren B 19 weiter Richtung Schweinfurt. Ein Phänomen, dass er der lang anhaltenden Trockenheit, aber auch den besonderen Bedingungen in Münnerstadt zuschreibt. "In der Rhön ist es noch nicht so schlimm", sagt er. Jörg Mäckler kennt sich aus, denn er ist nicht nur Stadtförster von Münnerstadt (knapp 1000 Hektar kommunaler Wald), sondern auch Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön und Grabfeld, die sich über etwa zwei Drittel des Landkreises Rhön-Grabfeld und ein Drittel des Landkreises Bad Kissingen erstreckt. Nun müssen neben den ohnehin schon befallen Fichten auch noch Kiefern entnommen werden.

Zwar ist eine Umgestaltung der Wälder hin zu mehr Laubholz gewollt, so allerdings hat es sich der Stadtförster nicht vorgestellt. "Die Fichten sind noch nicht überall mit Laubholz unterpflanzt", sagt er. Allein in den letzten zehn Jahren seien 180 000 Bäume gepflanzt worden, vor allem Laubholz. Und das soll eigentlich auch so weiter gehen. Aber: "Jetzt sterben uns die Bestände schneller weg als wir Buchen nachpflanzen können. Das ist der springende Punkt." Denn wenn die Nadelbäume entnommen werden müssen und es sind noch keine Laubbäume gepflanzt, wächst das, was der Förster überhaupt nicht haben will: Dornengewächse und Gras. Auf so einer Fläche sei dann der Anwachserfolg einer Buchenpflanzung deutlich geringer als unter einer gesunden Kiefer.

Doch davon gibt es immer weniger.

Doppelt tragisch ist das Absterben der Kiefern für den Stadtförster dann, wenn es sich um so genannte astreine Kiefern handelt. Das sind Bäume, deren Äste auf sechs Meter Höhe in jungen Jahren abgesägt werden. Dadurch entsteht hochwertiges Holz ohne Äste. Dort wurde also Arbeit und somit Geld investiert. Doch jetzt sterben auch diese Bäume weg.

Für Jörg Mäckler ist klar, dass der Umbau des Waldes noch schneller und stärker erfolgen muss. Aber das sei schließlich eine Kostenfrage. Aber um den Wald zu verändern, müssten zunächst neue Bäume gepflanzt werden. Wegen der extremen Trockenheit sei allerdings im letzten Jahr kein einziger Baum gepflanzt worden. Eigentlich sollte das in diesem Frühjahr nachgeholt werden, aber davon hat Jörg Mäckler auch schon Abstand genommen. Der Boden sei auf eine Tiefe von einem Meter völlig ausgetrocknet. Die Niederschläge von November bis Januar seien gerade einmal in die obersten 30 Zentimeter Erde eingedrungen. Das reiche aber bei weitem nicht aus. "Der Grundwasserstand hat sich überhaupt nicht erholt", meint der Stadtförster. Und so wird die geplante Anpflanzung auf den Herbst verschoben. In der Hoffnung, dass es im nächsten Winter wesentlich mehr Niederschläge gibt.

Doch die Trockenheit schadet nicht nur den Nadelbäumen. Die Eichen beispielsweise seien dadurch eh schon vorgeschädigt. Das Problem sei, dass durch die fehlende Feuchtigkeit die Population des Eichenschwammspinners extrem angestiegen sei. Wenn die Raupen schlüpfen, fressen sie ganze Bäume kahl. Der Schaden bei den Buchen nach der Trockenheit 2018 sei noch gar nicht absehbar. "Wir müssen warten, bis sie austreiben."

Eigentlich ist ein jährlicher Holzeinschlag von 3000 Festmetern vorgesehen, erläutert der Stadtförster. Durch die Schäden bei den Nadelbäumen seien es aber bereits im letzten Jahr 3500 Festmeter gewesen. Im November und Dezember seien drei Aufarbeitungstrupps in den Münnerstädter Wäldern unterwegs gewesen, um der Lage wenigstens einigermaßen Herr zu werden. Und weil diese Schäden nicht nur in Münnerstadt auftreten, sei der Holzmarkt überfüllt, was sich auf den Preis niederschlägt. Jörg Mäckler hofft nur, dass sich die Abwärtsspirale nicht fortsetzt. Der Stadtförster zeigt einen Wald im Bereich Aspig. Ein 160 Festmeter großer Haufen aus Fichtenstämmen warten auf die Abholung. "In manchen Wäldern gibt es keine einzige Fichte mehr", unterstreicht der Stadtförster. Die Kronen liegen auf einem eigenen Haufen. Sie werden noch im Wald zu Holzschnitzeln verarbeitet. "25 solche Haufen gibt es derzeit in den städtischen Wäldern."

"Das Jahr 2018 war für den Wald eine Katastrophe", fasst auch Bürgermeister Helmut Blank (CSU) zusammen. "Der fehlende Regen macht sich jetzt schlimmer bemerkbar, als wir es bei unserem Waldbegang vorstellen konnten." Er schließt sich Jörg Mäckler an: "Der Umbau muss schneller erfolgen als bisher vorgesehen."

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