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Münnerstadt
Bildung

Münnerstadt: Die Kunst des konstruktiven Streitens

Hanna Seufert vom Schönborn-Gymnasium überzeugte beim Regionalwettbewerb "Jugend debattiert" in Münnerstadt. 28 Schüler aus neun Schulen traten in diesem Jahr an.
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Hanna Seufert (links) setzte sich in den beiden Vorrunden gegenüber ihren Mitstreitern durch.  Heidrun Wagner-Hack
Hanna Seufert (links) setzte sich in den beiden Vorrunden gegenüber ihren Mitstreitern durch. Heidrun Wagner-Hack
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Rege Betriebsamkeit herrschte im Neubau des Johann-Philipp-von Schönborn-Gymnasiums Münnerstadt, denn die Schule war Gastgeber für den Regionalwettbewerb Jugend debattiert des Verbundes "Oberfranken-Unterfranken Ost". Beim diesjährigen Entscheid traten 28 Schüler aus neun Schulen der Region gegeneinander an. In der Sekundarstufe I debattierten die Jugendlichen der achten und neunten Klasse, Zehntklässler und Oberstufen-Schüler trafen in der Sekundarstufe II aufeinander. Dabei kam es nicht darauf an, Recht zu behalten. Was zählte, waren Sachkenntnis, Ausdruck, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft.

Lebhaft und temporeich tauschten die jüngeren Schüler in den beiden Vorrunden ihre Argumente aus. Es ging dabei um die Fragen "Soll Randalierern bei Sportveranstaltungen der Führerschein entzogen werden?" und ob eine Schule diejenigen besonders belohnen solle, die sich in ihrer Freizeit gesellschaftlich engagieren. Präzise und ausdruckssicher legten Hanna Seufert vom Schönborngymnasium Münnerstadt, Eva Leupold (Jean-Paul-Gymnasium Hof), Laura Meister aus dem Ehrenbürg-Gymnasium Forchheim und Max Egelkraut (Hochfranken-Gymnasium Naila) dabei ihre eigenen Standpunkte so geschickt dar, dass sie sich für die Finalrunde qualifizierten. In dieser stand das Thema "Windkraft" im Mittelpunkt, ob Windräder künftig näher an Wohnsiedlungen errichtet werden dürfen.

Zunächst hatte jeder der Finalisten - wie bereits in den beiden Vorrunden - zwei Minuten Zeit, sich zum Thema zu positionieren. Zwei dafür, zwei dagegen. Pro und Contra sind in der Debatte allerdings keine unversöhnlichen Standpunkte, das wird in der zwölfminütigen Aussprache deutlich. Aufeinander eingehen, die Argumente der anderen aufgreifen und glaubhaft neue Perspektiven einbringen, darauf achtet die Jury. Ob die Positionen ihrer persönlichen Meinung entsprechen oder nicht, ist unwichtig. Was zählt, sind Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit, Sachkenntnis und Überzeugungskraft. Denn nach diesen Kriterien wertet die Jury.

Mit Nachdruck betonten die Befürworter Laura Meister und Max Egelkraut beispielsweise die Notwendigkeit, die derzeitige Abstandsregelung aus Umweltschutzgründen dringend zu überdenken. Die Gegenseite mit Eva Leupold und der Münnerstädter Schülerin Hanna Seufert mahnte jedoch und führte Probleme für Gesundheit und Tierwelt ins Feld. Diese drohten, wenn der Abstand zur Wohnbebauung verringert wird und somit mehr Windkraftanlagen gebaut werden. Nach der geheimen Beratung gab die fünfköpfige Jury das Ergebnis bekannt: Eva Leupold vom Jean-Paul-Gymnasium Hof setzte sich gegenüber ihren Mitstreitern durch und belegte Platz 1, gefolgt von Laura Meister (Platz 2), Max Egelkraut (Platz 3) und Hanna Seufert (Platz 4). Jeder Debattant habe seine individuellen Stärken gezeigt. Manche glänzten mit Zitaten andere setzen auf Fachstudien oder auf persönliche Beispiele.

In der Sekundarstufe II ging es in den Vorrunden um die Fragen ob Jugendliche sich selbst verpflichten sollen, ihre tägliche Handynutzungszeit zu begrenzen und ob die Polizei in Pressemitteilungen die Nationalität von Tatverdächtigen nennen solle. Letztendlich argumentierte sich dann Julius Wippermann vom Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium Bayreuth im Finale auf den ersten Platz und setzte sich gegen die Hoferin Luisa Haßfurter (Platz 2), und die beiden Forchheimer Lukas Hofmann (Platz 3) und Arthur Reck (Platz 4) durch. Er überzeugte die Jury mit seiner Argumentation beim Thema "Soll unsere Gemeinde bzw. Stadt den "Klimanotstand" ausrufen?" Die Erst- und Zweitplatzierten treten am 27. April im München beim Landeswettbewerb an. Bis dahin haben sie Zeit zu üben und die Tipps der Jury umzusetzen.

"Jugend debattiert ist ein Projekt, das Jugendlichen den Spaß an sachorientierten Streitgesprächen vermittelt. Lebensnah verknüpft es Sprachförderung und Wissensvermittlung, persönliche mit politischer Bildung", betont die Regionalkoordinatorin Heidrun Wagner-Hack vom Schönborn-Gymnasium, die den Wettbewerb in Münnerstadt zusammen mit ihrem Kollegen Florian Held vom Clavius-Gymnasium Bamberg koordiniert.

Es bereichere den Unterricht und das schulische Leben. "Es trainiert die Fähigkeit respektvoll mit einander umzugehen; darüber hinaus vermittelt das Programm Schülerinnen und Schülern wichtige Schlüsselqualifikationen, die sie für ihren Schulabschluss, beim Übergang in das Berufsleben oder Studium brauchen - zum Beispiel sicheres Auftreten, Argumentationsfähigkeit, Teamfähigkeit."

Seit dem Schuljahr 2002 beteiligt sich das Münnerstädter Schule an dem bundesweiten Wettbewerb, an dem allen in Bayern etwa 41 000 Schüler aus rund 140 Schulen teilnehmen.

Seit etlichen Jahren ist das Gymnasium schon Gastgeber für die Region "Oberfranken - Unterfranken Ost". Immer um die Zwischenzeugniszeit herum kommen rund 150 Gäste. "Und wir kommen jedes Jahr gerne", betonte Regionalkoordinator Florian Held. Doch damit der Wettbewerb reibungslos verläuft, werden zahlreiche helfende Hände aus der Schülerschaft sowie Unterstützer von Seiten der Schulleitung und des Kollegiums gebraucht. Etwa 35 Jugendliche aus der Klasse 9 a, dem P-Seminar "Radwandern" sowie vereinzelten Schülern aus der Jahrgangsstufe 10 kümmerten sich um den Auf- und Abbau, das Catering sowie um Licht und Ton. "Ich bin so stolz auf euch. Erst ihr ermöglicht es, dass sich unsere Gäste im Haus wohlfühlen. Vielen Dank, ihr Lieben, ich bin froh, dass ich euch habe", lobte die Heidrun Wagner-Hack und freut sich auf die Wiederauflage im kommenden Jahr.

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