Münnerstadt
Festakt

Münnerstadt: Die gute Stimmung macht's

50 Jahre gibt es die staatlichen Berufsfachschulen für Ernährung und Versorgung und Kinderpflege, 40 Jahre die Berufsfachschule für Altenpflege der Caritas.
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Die 50 jungen Damen des BBZ-Chores umrahmten den Festakt musikalisch und bekamen für ihre Lieder viel Beifall. Dieter Britz
Die 50 jungen Damen des BBZ-Chores umrahmten den Festakt musikalisch und bekamen für ihre Lieder viel Beifall. Dieter Britz
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50 Jahre bestehen die staatlichen Berufsfachschulen für Ernährung und Versorgung und Kinderpflege, 40 Jahre die Berufsfachschule für Altenpflege der Caritas. Am Freitag wurde dieses doppelte Jubiläum mit zahlreichen Gästen im Berufsbildungszentrum (BBZ) gefeiert. Prominentester Ehrengast war Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die den für das Jubiläum sehr passenden Festvortrag zum Thema "die Bedeutung der sozialen Berufe für die Gesellschaft der Zukunft" hielt. Am Samstag fand dann ein Tag der offenen Tür statt, der auch die Möglichkeit bot, sich über die Berufe zu
informieren, die hier ausgebildet werden. Schulleiter Harry Koch betonte, dass die Wurzeln des heutigen BBZ mit seinen Berufsfachschulen zur Ernährung und Versorgung und Kinderpflege, die 50 Jahre bestehen und der vor 40 Jahren gegründeten Berufsfachschule für Altenpflege sogar 64 Jahre zurückreichen. Damals wurde dem späteren BBZ-Leiter Otto Nickl die Leitung aller landwirtschaftlichen Berufsschulen im alten Landkreis übertragen werden. 1968 startete der Schulversuch einer zweijährigen Berufs- und Berufsaufbauschule (später Berufsfachschule); das war die eigentliche Geburtsstunde des BBZ. Erster Rektor war Otto Nickl. Ihm folgte Astrid Kron, die das BBZ fast 20 Jahre lang leitete und von den Anwesenden mit viel Applaus begrüßt wurde.

Domkapitular Clemens Bieber zeigte sich ihnen zu seinem "geistlichen Impuls" erschreckt darüber, dass in Zusammenhang mit der Übernahme der Trägerschaft für einen Kindergarten das Wort von "neuen Märkten erschließen" gefallen sei. Mitmenschen dürften nicht in erster Linie als Kunde gesehen werden - "unsere Welt würde immer ärmer, wenn wir Kindergärten, Behinderteneinrichtungen oder Altersheime nur noch unter ökonomischen Gesichtspunkten sehen." Die Chemie habe schnell schnell gestimmt bei der Übernahme der kommunalen Schulen des BBZ in die Trägerschaft der Caritas vor vier Jahren.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) wollte ihn ihrem Festvortrag keine genaueren Prognosen für die Zukunft der sozialen Berufe wagen, "weil die vermutlich so nicht eintreffen." Wichtig sei, die Voraussetzungen für die Erhaltung der Würde des Menschen zu schaffen, wie sie im Grundgesetz und in der bayerischen Verfassung verankert sind. Doch es gebe Fachkräftemangel auch im sozialen Bereich. Der Einsatz von ausländischen Fachkräften sei möglich, "aber wir können da nicht jeden nehmen, damit lösen wir die Probleme nicht." Die Ausbildung in sozialen Berufen dürfe nicht noch mit
Studiengebühren belastet werden. Bildung dürfe nichts kosten. "Was können wir tun, um die Verweildauer der ausgebildeten Mitarbeiter positiv zu verändern?", fragte sie und gab gleich die Antwort: man müsse alles tun, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Überlastung abzubauen Schichtdienst über Jahre mit Frühdienst, Brückendienst, Spätdienst und Nachtdienst sei eine sehr starke Belastung. In den Kindergärten kämen viele Kinder nicht mehr aus wohlbehüteten Familien. Die Situation in Altenheimen habe sich geändert, denn rüstige Senioren finde man dort heute fast nicht mehr, "wer früher in die inneren Abteilungen der Krankenhäuser kam, liegt heute in den Altenpflege-Stationen." Deshalb brauche man mehr und besser ausgebildete Leute.

Als sie auch "weniger Bürokratie" forderte, ging ein Raunen durch den Saal. Zur selbst gestellten Frage, was Palliativmedizin kosten darf, antwortete sie "Wirtschaftlichkeit führt zunehmend zu mehr
Unmenschlichkeit." Es gebe ein großes Potenzial an Menschen, die in sozialen Berufen ausgebildet und ausgestiegen seien, zum Beispiel mit nach Gründung einer Familie. Man müsse versuchen, diese zurückzuholen, zum Beispiel mit flexiblen Arbeitszeiten. Barbara Stamm beendete ihren
Festvortrag mit dem Appell "es darf nie die Frage gestellt werden, was ein Mensch in seiner Krankheit kosten darf."

Landrat Thomas Bold (CSU) hob die bedeutende Rolle der Werteorientierung am BBZ hervor. Das "Münnerstädter Modell" mit den staatlichen und den Caritas-Schulen unter einem Dach habe sich bewährt. Der Wechsel sei reibungslos verlaufen. Da es in diesen 50 Jahren nur drei Schulleiter gegeben habe, sei stets Kontinuität gewährleistet gewesen. "Wir können berechtigt stolz sein und werden auch in Zukunft unseren Beitrag leisten, dass die Rahmenbedingungen gut sind" versprach er.

"Ich bin stolz darauf, dass ich hier einmal die Kinderpflege-Schule besucht habe" meinte die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar. Im BBZ werde Wert auf eine fundierte und gute Ausbildung gelegt, die Atmosphäre sei gut. Im Koalitionsvertrag sei Schulgeldfreiheit für die sozialen Berufe festgelegt worden, das müsse nun von den Ländern umgesetzt werden. Die 8000 zusätzlichen Stellen für die Senioren- und Pflegeheime seien für die medizinische Behandlungspflege gedacht.
Der CSU-Landtagsabgeordnete Sandro Kirchner hob hervor "das BBZ ist für unsere Heimat ein großes Geschenk und ein Kompetenzzentrum für die sozialen Berufe. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) zeigte sich stolz darüber, dass Münnerstadt das BBZ in seinen Mauern hat und freut sich auf weiterhin gute Zusammenarbeit Arbeit. Rudolf Hoffmann, der Geschäftsführer der Caritas-Schulen gGmbH, erinnert er daran, dass er vor vielen Jahren drei Wochen Praktikum im BBZ gemacht hat. Die positive Grundstimmung von damals sei geblieben.

Die gute Partnerschaft zwischen den staatlichen und den Caritas-Schulen sei auch nach dem Wechsel im Jahr 2014 erhalten geblieben. Der gemeinsame Neubau des BBZ dokumentiere das. "Dazu stehe ich" betonte Hoffmann und Schulleiter Harry Koch fügte hinzu "die Caritas ist ein sehr guter Schulträger."
Nicht zu vergessen: Auch die musikalische Begleitung kam nicht zu kurz. Eröffnet wurde der Festakt von einer Percussion-Gruppe des BBZ mit einem Djigbo, einer in Westafrika sehr populären Tanz-Melodie. Der 50-köpfige BBZ Chor bekam für seine drei Lieder viel Applaus. Am Klavier überzeugten Annalina Hoffmann und Emilie Heinisch.
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