Münnerstadt
Rundgang

Münnerstadt: Der Wald stirbt ein zweites Mal

Bei einer Informationsfahrt zeigten Forstleute die dramatischen Veränderungen in den Wäldern auf. Sie fordern mehr Unterstützung bei den schwierigen Aufgaben.
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Die Teilnehmer des Rundgangs durch den Althäuser Wald, bei dem die Probleme, mit denen Waldbesitzer und Forstleute kämpfen, deutlich wurden. Thomas Malz
Die Teilnehmer des Rundgangs durch den Althäuser Wald, bei dem die Probleme, mit denen Waldbesitzer und Forstleute kämpfen, deutlich wurden. Thomas Malz
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Oliver Kröner spricht nicht von Klimawandel. Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt bezeichnet die Temperaturanstieg der letzten Jahre mit den extrem trockenen Sommern in den Jahren 2015, 2018 und 2019 als Klimakrise. Und die hat dramatische Auswirkungen auf den Wald. Um die Schäden in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld zu zeigen und die sich daraus ergebenden Aufgaben zu diskutieren, hatte das Amt in Zusammenarbeit mit dem Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) Rhön und Grabfeld, Obere Rhön und Rhön-Saale zu einer forstlichen Informationsfahrt geladen. Mit dabei waren die Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner (CSU) und Steffen Vogel (CSU), Behördenvertreter und Kommunalpolitiker, darunter viele Bürgermeister der beiden Landkreise sowie Landrat Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld) und stellvertretender Landrat Jürgen Englert (Bad Kissingen).

Als Ziel hatten sich die Veranstalter einen Wald in Münnerstadt-Althausen ausgesucht, der einerseits genau an der Grenze der beiden Landkreise liegt, andererseits werden dort auf engstem Raum die verschiedenen Probleme der Waldbesitzer und Forstleute deutlich.

Oliver Kröner stimmte die Teilnehmer mit Zahlen auf das Bevorstehende ein. So sind in Deutschland rund 180 000 Hektar Wald durch die Klimaveränderung verloren gegangen, der grüßte Teil durch Käferbefall. 105 Millionen Festmeter Schadholz mussten bzw. müssen noch aufgearbeitet werden. Anhand der Aufzeichnungen der Waldklimastation Würzburg konnte er belegen, dass der Temperaturanstieg in Unterfranken schon jetzt bei 1,5 Grad liegt.

Jörg Mäckler, Geschäftsführer der FBG Fränkische Rhön und Grabfeld, der gleichzeitig Stadtförster von Münnerstadt ist, übernahm die Führung. "Nehmen Sie die Eindrücke mit", forderte er die Anwesenden auf. "Wir befinden uns in unserem Gebiet, wir sind massiv betroffen", betonte er. Dann führte er Gäste min einen winzigen Privatwald. Von diesen "Handtüchern" gebe es viele im Gebiet. "Wir können uns noch so abmühen, wenn im Privatwald nicht mitgegangen wird, ist es ein Problem." Das konnten die Teilnehmer deutlich in dem kleinen Waldstück sehen. Die Bäume sind nicht mehr zu retten, müssten eigentlich entfernt werden.

Solche Besitzer geben vielleicht den Wald an die nächste Generation weiter, erläuterte Jörg Mäckler. Was nütze das aber, wenn die Tochter beispielsweise in München wohnt. Ähnlich sehe es bei einem 83-jährigen Waldbesitzer aus, der im Pflegeheim wohnt. "Wir bekommen die Problematik nicht gebacken, wenn nicht alle mitziehen." Er erinnerte an die 105 Millionen Festmeter Schadholz, das aufgearbeitet werden muss. Dementsprechend seien auch die Preise bei der Kiefer und der Fichte in den Keller gerutscht. Vor Ort entwickelte sich eine Diskussion, bei der unter anderem die Bedeutung der Altrechtlichen Waldkörperschaften hervorgehoben wurde. Dabei wurde bemängelt, dass es in Bayern noch immer keine rechtlichen Grundlagen gibt. In anderen Bundesländern sei man da schon weiter.

Sandro Kirchner entgegnete darauf, dass Eigentum eines der höchsten Güter sei, die wir haben. Dementsprechend sorgsam müsse mit dem Thema umgegangen werden. Der Landtagsabgeordnete bezweifelte, dass man das in den anderen Bundesländern getan hat. Er verwies darauf, dass die Landesregierung Fördermittel für Waldbesitzer bereitgestellt hat.

Andree Link, Geschäftsführer der FBG Obere Rhön übernahm die Erklärung im zweiten Waldbild, wo sämtliches Schadholz entfernt worden war. Dort wächst bereits Gras. "Erst kommt das Gras, dann kommt die Maus, dann ist es aus", sagte er. Werden solche Flächen nicht aufgeforstet, beginnt die Bodenerosion. Oliver Kröner ergänzte, dass der Jagd einen große Rolle bei der Wiederaufforstung zukommt, besonders was den Verbiss der Jungpflanzen angeht. "Eine funktionierende Jagd ist Teil der Lösung, nicht des Problems", sagte er. Jörg Mäckler ging auf die hohen Kosten einer Aufforstung mit dem dazu notwendigen Zaunbau ein. Ihm tue es auch weh, dass das Holz, das Generationen vor uns angebaut haben, nun buchstäblich verschenkt werden muss.

Jetzt gar nichts zu tun, also nicht mehr aufzuforsten - das wäre unredlich, meinte Oliver Kröner. "Wir müssen unseren Nachkommen einen vernünftigen Wald übergeben." Jörg Mäckler ging noch einmal auf die vielen Probleme und den Kostendruck ein und sprach von der Quadratur des Kreises. "Wir reagieren nur noch", betonte er.

An der dritten Station übernahm Fabian Menzel, Geschäftsführer der FBG Rhön-Saale. Was vor fünf Jahren niemand für möglich gehalten hat, ist nun eingetreten: Die Buchen sterben im großen Stil. Auch dafür sind die heißen Sommer verantwortlich. "Wir haben in diesem Bereich massive Probleme", sagte er. Bei der Suche nach Baumarten, die mit dem veränderten Klima zurechtkommen, scheide die Buche aus, ergänzte Jörg Mäckler. Er betonte immer wieder, dass den Forstleuten die Zeit davon renne. Mehrfach kam die Sprache auf die Jagd wegen des Verbisses und dass sich die Jäger nicht auch noch für die Probleme im Wald verantwortlich gemacht werden wollen. Peter Hart, Bürgermeister von Fuchsstadt betonte, dass alle zusammenarbeiten müssten.

"Der Schutzfaktor des Waldes ist wesentlich wichtiger als die Rentierlichkeit", betonte Münnerstadts Bürgermeister Helmut Blank. Man müsse den Wald aus der wirtschaftlichen Betrachtung herausnehmen. "Wir gehen in Münnerstadt diesen Weg", sagte das Stadtoberhaupt. "Uns bleibt ja auch nichts anderes übrig" meinte Jörg Mäckler dazu.

Selbst Buchen sind mittlerweile von einem Borkenkäfer befallen. Bei dem Rundgang wurde deutlich, wie vielfältig die Probleme sind. Dabei gab es einen regen Austausch zwischen den einzelnen Behördenvertretern, Forstleuten, Bürgermeistern und den beiden Landtagsabgeordneten. Zwar gibt es Fördermittel, die sind nach Ansicht der Forstleute aber nicht ausreichend. In Zukunft muss es auch Versuchsanbauflächen geben, um zu testen, welche Baumarten man pflanzen muss, wenn es noch wärmer wird, hieß es. Deutlich dabei wurde auch, dass es nicht leicht ist, in der Landeshauptstadt Verständnis für die unterfränkischen Probleme zu finden. Denn solche Schäden gibt in niederschlagsreicheren Regionen überhaupt nicht.

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