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Münnerstadt
Stadtgeschichte

Münnerstadt: Der Schatz muss noch geborgen werden

Rund 5700 Portrait-Negative aus zwei Sammlungen sind dem Münnerstädter Stadtarchiv übergeben worden. Für die Zuordnung müssen sie digitalisiert und in Positive umgewandelt werden.
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Stadtarchivar Klaus Dieter Guhling und Dr. Johannes Becker sichten die Negative, die ins Stadtarchiv gekommen sind.  Thomas Malz
Stadtarchivar Klaus Dieter Guhling und Dr. Johannes Becker sichten die Negative, die ins Stadtarchiv gekommen sind. Thomas Malz
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Schon auf den Negativen lässt sich erkennen, dass die Abgebildeten aus einer anderen Zeit stammen müssen. Die Haartracht ist einfach verräterisch. Wer genau auf den in den Jahren 1958 bis 1975 entstanden Portraits auf Zelluloid gebannt wurde, das lässt sich nicht erkennen. Noch nicht. Wenn die rund 5700 Negative erst einmal digitalisiert worden sind und als Positive zur Verfügung stehen, sollte eine Zuordnung in den meisten Fällen möglich sein, meint Stadtarchivar Klaus Dieter Guhling. Aber die Zeit drängt, denn die Entstehungsjahre der Fotos rücken immer mehr in die Vergangenheit. "Wenn wir sie nicht bald belichten, finden wir niemanden mehr, der die Abgebildeten identifizieren kann", sagt der Stadtarchivar. Denn die Negative selbst geben keine Hinweise auf die Personen. Vermerkt sind lediglich der Monat und das Jahr ihrer Entstehung.

Im Dezember 2017 hat die Münnerstädterin Gabi Borst eine Negativ-Sammlung von der früheren Drogerie Wintter (heute Bäckerei Schmitt) übergeben. Die Fotos auf Schwarz-Weiß-Kleinbildfilm sind in den Jahren 1958 bis 1968 entstanden. "Damals hat die Drogerie auch Fotoarbeiten gemacht", sagt Kaus Dieter Guhling. Etwa 2200 Negative umfasst die Sammlung.

Kürzlich ist noch ein zweiter Komplex hinzugekommen. Dabei handelt es sich um rund 3500 Schwarz-Weiß-Negative, die auf Rollfilm im Format sechs Mal vier Zentimeter aufgenommen wurden. Entstanden sind sie bei Foto Müller in der Veit-Stoß-Straße in den Jahren 1966 bis 1975. Übergeben hat die Portraits Christian Winterstein, der das Fotogeschäft Müller übernommen hatte. "Wir haben den allergrößten Teil des Müller-Archivs schon vor über 25 Jahren von Christian Winterstein bekommen", erinnert sich der Stadtarchivar. "Jetzt handelt es sich gewissermaßen um einen Nachschlag".

Ein Nachschlag, der es in sich hat. Das weiß Dr. Johannes Becker nur allzu gut. Er ist der Fotoexperte unter Klaus Dieter Guhlings Helfern im Stadtarchiv. "Ich habe immer wieder einmal vereinzelt Bilder eingescannt", sagt er. Im Hinblick auf die Masse der Negative aber muss er passen. "Das kann ich nicht machen", sagt er.

Dafür gibt es schließlich auch professionelle Anbieter, die natürlich Geld kosten. Klaus Dieter Guhling schätzt die Kosten für die Digitalisierung und die Abzüge auf 5000 bis 6000 Euro. Bei der letzten Stadtratssitzung im vergangenen Jahr wurde ein entsprechender Antrag auf Bezuschussung behandelt. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) hatte dabei die Verdienste des Archivars und die Bedeutung des Archivs hervorgehoben. Es gab keinerlei Einwände gegen das Projekt.

Liegen die Positive vor, beginnt die eigentliche Arbeit: die Zuordnung der Bilder, also die Identifizierung der abgebildeten Personen. Klaus Dieter Guhling und seine Helfer schauen sich die Fotos erst selbst an, befragen dann "kundige Münnerstädter", wenn sie selbst nicht weiter kommen. Der Stadtarchivar, der genau Buch führt, kann die Erfolge anhand der ersten großen Übergabe aus dem Müller-Archiv belegen. So hatte man in den 1990er Jahren mit der Auswertung der Fotos vom Januar 1978 begonnen. "Damals habe ich selber noch in der Dunkelkammer Positive gezogen", erinnert der Stadtarchivar.

239 Negative waren es vom Januar 1978 insgesamt, Ende 1994 waren 177 der Fotos zugeordnet, Ende 2004 bereits 206. Alle werden sich nicht zuordnen lassen, weil sich auch Verwandte von Münnerstädtern und Durchreisende bzw. Urlauber fotografieren ließen. Vom Januar und Februar 1977 sind 325 Negative im Archiv. Bis Ende 2004 wurden 240 davon zugeordnet.

Einen Anteil an dem Erfolg hatte beispielsweise das Studiengenossenfest im Jahr 1995. Unter dem Titel "Who is Who?" wurden damals Fotos ausgehängt und die zahlreich erschienen Studiengenossen gaben wertvolle Hinweise auf die abgebildeten Personen.

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