Münnerstadt
Treffen

Münnerstadt: Der europäische Gedanke lebt

Rund 70 Münnerstädter feierten zusammen mit den französischen Freunden das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Stenay.
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42 Jahre sind Lina und Franz-Josef Blümlein mit der Familie Loiseau befreundet. Zur Ehrenmedaille gratulierten  Bürgermeister Stéphane Perrin. (links) und Bürgermeister Helmut Blank (2.v.l.). Im Hintergrund 3. Bürgermeister Axel Knauff und Maria Knauff.  Wilhelm Schmitt
42 Jahre sind Lina und Franz-Josef Blümlein mit der Familie Loiseau befreundet. Zur Ehrenmedaille gratulierten Bürgermeister Stéphane Perrin. (links) und Bürgermeister Helmut Blank (2.v.l.). Im Hintergrund 3. Bürgermeister Axel Knauff und Maria Knauff. Wilhelm Schmitt
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Auch wenn die Städtepartnerschaft zwischen Münnerstadt und Stenay nun schon 40 Jahre besteht, zur langweiligen Routine sind die alljährlich im Wechsel stattfindenden Treffen nie geworden. Neuen Schwung haben nun die Jubiläumsfeierlichkeiten in die Städtepartnerschaft gebracht. Denn erstmals nach vielen Jahren fuhr das wiedergegründete Jugendblasorchester der Stadt Münnerstadt mit nach Stenay. Die Auftritte der jungen Musiker begeisterten die Gäste. Und nicht nur das. "Die Jugendlichen hatten wegen der Sprache schon ein wenig Angst, dort in die Familien zu gehen", sagt Maria Knauff, Vorsitzende des Freundeskreises Städtepartnerschaft Stenay. "Danach waren sie völlig begeistert von der Gastfreundschaft in den Familien." Es gebe immer Möglichkeiten, sich zu verständigen.

Es war im Jahr 1975 - vier Jahre vor der offiziellen Gründung der Städtepartnerschaft - als Maria Knauff zum ersten Mal nach Stenay fuhr, damals als Mitglied des Jugendblasorchesters. "Da habe ich schon meine Austauschfreundin kennengelernt." Der Schüleraustausch zwischen dem Münnerstädter und dem Stenayer Gymnasium ist der Städtepartnerschaft vorausgegangen. Es hat auch schon vor der offiziellen Gründung gegenseitige Besuche von Erwachsenen gegeben.

Dazu zählen die Familien Lina und Franz-Josef Blümlein aus Münnerstadt und die Familie Loiseau aus Stenay. Sie erhielten die Stenayer Ehrenmedaille, weil ihre Freundschaft nun schon 42 Jahre hält.

Heuer waren es zwei Busse, die sich am Freitag auf den Weg in die französische Partnerstadt machten." Wir sind ohne Stau und relativ pünktlich angekommen", sagt Maria Knauff. Dann ging es in den Festsaal, wo die Münnerstädter mit Knabbereien und Aperitif willkommen geheißen wurden. Früher folgte an dieser Stelle die Aufteilung auf die Quartiere. Aber das sei nicht mehr nötig. "Die meisten Teilnehmer haben feste Freundschaften, nur die Neuen werden ihren Gastgebern vorgestellt." Den Rest des Abends verbrachten die Münnerstädter bei ihren Gastgeberfamilien.

Traditionell steht am Samstag immer ein Auslug auf dem Programm. Diesmal waren es gleich zwei. Während die Erwachsenen durch das Schloss von Louppy-sur-Loison geführt wurden, das während des Ersten Weltkrieges vom deutschen Kaiser Wilhelm II besucht worden war, fuhren die jungen Leute vom Jugendblasorchester zum Friedhof Meuse-Argonne in Romagne-sous-Montfaucon, auf dem 14 000 amerikanische Soldaten ruhen, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. "Damit sie sehen, wie schrecklich der Krieg und wie wichtig Europa für den Erhalt des Friedens ist", sagt Maria Knauff. Das Durchschnittsalter der gefallenen Soldaten liegt bei 22 Jahren.

Nach einem Besuch im Biermuseum am Nachmittag stand für die jungen Musiker aus Münnerstadt am Abend ihr Höhepunkt der Reise an. Dem Konzert des Straßenorchesters Les Saltimbranks in der Mehrzweckhalle folgte das Konzert des Jugendblasorchesters der Stadt Münnerstadt. "Das ist super gelaufen", freut sich Maria Knauff. "Die Leute waren begeistert und überrascht vom Können der jungen Musiker, vor allem davon, dass sie so ein Programm bieten können, obwohl sie erst seit September zusammen proben." Die Begeisterung sei so groß gewesen, dass Leute, die nicht dabei waren, den Tipp bekamen, sie müssten unbedingt am Sonntag in die Kirche gehen, wo das Jugendblasorchester noch einmal auftrat. Zuvor aber stand ein gemütlicher Abend an, bei dem Mitglieder des Orchesters böhmische Blasmusik spielten. Ein tolles Erlebnis sei für die jungen Leute das Buffet mit Krabben, Austern und anderen Früchten der Meere gewesen. Und weil eine so lange Freundschaft ordentlich gefeiert werden muss, dauerte der Abend bis in die frühen Morgenstunden.

"Um 10 Uhr zum Gottesdienst waren alle wieder fit", betont die Vorsitzende des Freundeskreises. Beim offiziellen Empfang im Rathaus erinnerte Bürgermeister Helmut Blank (CSU), der vom 2. Bürgermeister Andreas Trägner (Freie Wähler) und 3. Bürgermeister Axel Knauff (SPD) begleitet wurde, an Ferdinand Betzer und Robert Gipeaux, die vor 40 Jahren den mutigen Schritt der Städtepartnerschaft gegangen sind. Die Freundschaft sei aber eigentlich schon viel äter. Helmut Blank erinnerte an den französischen Offizier Jean Lois Rambourg aus der Nähe von Stenay, der sich im Jahr 1801 im Münnerstädter Gasthaus zum Löwen in die Wirtstochter Johanna Mahler verliebte und seine Gefühle in poetische Zeilen ausdrückte, die er in eine Fensterscheibe des Wirtshauses ritzte. Er gab seine Karriere auf, heiratete seine Angebetene und wurde Löwenwirt. "Es besteht Hoffnung, dass einem Münnerstädter Ähnliches wiederfährt und wir eine Fortsetzung dieser Wunderbaren Liebesgeschichte hier in Senay erfahren", so Helmut Blank.

Bürgermeister Stéphane Perrin, der seine Rede auf Deutsch hielt, ging auf die Bedeutung der Städtepartneschaft für Europa ein. Er verwies auf die anstehende Europawahl und betonte, wie wichtig es sei, die Stimme abzugeben, erzählt Maria Knauff. Europa sei ein Garant für den Frieden, man solle nicht immer nur die Bürokratie sehen, sondern auch das, was Europa bietet, habe Stéphane Perrin gesagt. .

Nach dem Mittagessen hieß es Abschied nehmen, aber nicht für lange. Denn im nächsten Jahr wird das Jubiläum 40 Jahre Städtepartnerschaft in Münnerstadt gefeiert.

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