Münnerstadt
Jubiläum

Münnerstadt: Das Schmuckatelier wird 100

Ursula Glückert stand schon mit vier Jahren im Laden ihrer Oma. Heute führt sie mit Thomas Pfarr "Uhren und Schmuck Dieterich." Den Grundstein hatte Fritz Dieterich vor 100 Jahren gelegt.
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Ursula Glückert und Thomas Pfarr vor dem Geschäft in der Veit-Stoß-Straße 3 in Münnerstadt. An gleicher Stelle hatte sich Ursula Glückerts Opa, Fritz Dieterich, vor etwa 70 Jahren abbilden lassen. Gegründet wurde das Geschäft vor 100 Jahren in Nürnberg. Thomas Malz
Ursula Glückert und Thomas Pfarr vor dem Geschäft in der Veit-Stoß-Straße 3 in Münnerstadt. An gleicher Stelle hatte sich Ursula Glückerts Opa, Fritz Dieterich, vor etwa 70 Jahren abbilden lassen. Gegründet wurde das Geschäft vor 100 Jahren in Nürnberg. Thomas Malz
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"Von Kindesbeinen an mit Schmuck gelebt." Dieser Satz auf der Homepage des Münnerstädter Schmuckateliers ist bezeichnend. "Schon als Vierjährige durfte ich die Kunden beraten, das habe ich leidenschaftlich gern gemacht", sagt Ursula Glückert. "Ich bin eigentlich in dem Laden aufgewachsen." Oma Elisabeth Dieterich passte damals auf sie auf. Kein Wunder, dass Ursula Glückert später eine kaufmännische Ausbildung absolvierte und im Geschäft blieb, das ihr ihre Oma schließlich überschrieb. Den Grundstein gelegt hatte ihr Opa Fritz Dieterich im Jahr 1919 in Nürnberg. Das 100-jährige Jubiläum wird am Wochenende in der Galerie Thomas Pfarr im Heimatspielhaus gefeiert. Zu Gast ist Günter Wermekes mit "Design-Schmuck & Objekte".

Uhrmacher Fritz Dieterich war gerade einmal 19 Jahre alt, als er das Uhrengeschäft in Nürnberg eröffnete. Im Zweiten Weltkrieg fiel das Haus samt Geschäft dem Bombenhagel zum Opfer. Fritz Dieterich zog mit der Familie nach Poppenlauer, woher sein Vater stammte. Im Wohnhaus wurde ein kleines Geschäft eröffnet und fortan tourte der Uhrmachermeister mit dem Motorrad über die Dörfer, bot Reparaturen an und verkaufte Uhren.

Schon 1948 eröffnete er dann in Münnerstadt sein Geschäft in der Veit-Stoß-Straße 3, unmittelbar neben der Marienanstalt. Ein paar Jahre später zog das Geschäft an den Marktplatz um (heute Metzgerei Klöffel) und dann in die Riemenschneiderstraße neben den Bayerischen Hof (abgerissen und neu aufgebaut). "Meine Oma war immer mit dabei", erzählt Ursula Glückert. Sie kümmerte sich um den Laden, während Opa Fritz Dieterich weiter über die Dörfer fuhr, jetzt allerdings mit einem Messerschmitt Kabinenroller, der zu seinem Markenzeichen wurde.

1968, ein Jahr nach Fritz Dieterichs Tod, zog Elisabeth Dieterich ein letztes Mal mit ihrem Geschäft um und zwar zurück in die Veit-Stoß-Straße 3. "Und da sind wir bis heute", sagt Ursula Glückert. Sie begann 1976 ihre Ausbildung im Geschäft ihrer Oma, die sich später allmählich zurückzog und "Uhren und Schmuck Dieterich" im Jahr 1987 ganz an sie übergab. "Dann habe ich alles modernisiert nach meinen Vorstellungen", erinnert sie sich. "Mein Traum war immer, individuell gestalteten und handwerklich gefertigten Schmuck zu verkaufen. Das war mein Ziel." Der Schritt hat sich gelohnt. "Zu meiner Freude sind unsere Kunden den Weg mitgegangen und wir sind über die Grenzen Münnerstadts hinaus bekannt geworden."

Eigene Kreationen

1992 kam Thomas Pfarr als kreativer Partner hinzu. "Gemeinsam gestalten und arbeiten wir mit großer Leidenschaft für unsere Kunden", sagt Ursula Glückert. Und dazu gehört eben auch, dass sie Schmuck selbst kreieren. Es sei für sie eine Herausforderung, in allen Preislagen individuell zu gestalten. Über die Jahre haben sich viele Kontakte entwickelt. "Wir arbeiten mit namhaften Künstlern zusammen, wie Günter Wermekes, André Ribeiro, Carl Dau und anderen", sagt Thomas Pfarr. Er hat 2006 seine erste Ausstellung organisiert mit Werken von Günter Wermekes. Der Künstler hatte 1985 bei einem außergewöhnlichen Ausstellungskonzept in Köln eine prägende Begegnung mit Bauhaus, der vor 100 Jahren gegründeten weltbekannten Schule für Gestaltung. Auch der Schmuck Günter Wermekes ist eine Konzentration auf das Wesentliche. "Minimalismus bedeutet, Dinge immer weiter einzugrenzen auf ihr eigentliches Wesen und es dadurch sichtbar und erlebbar zu machen", hat er einmal gesagt.

Party in der Galerie

Seit 2006 hat Thomas Pfarr jährlich zwei bis drei Ausstellungen mit überregional bekannten Künstlern organisiert. 2013 erfüllte er sich seinen Traum und eröffnete die "Galerie Thomas Pfarr im Heimatspielhaus mit zeitgenössischer Kunst." Seither ergänzen sich die beiden Geschäftsbereiche. In der Galerie wird am Samstag, 6. Juli, ab 18.30 Uhr und am Sonntag, 7. Juli, von 11 bis 18 Uhr Geburtstag gefeiert. Freunde und Kunden sind dazu willkommen. Als besonderen Gast haben Ursula Glückert und Thomas Pfarr Günter Wermekes geladen, der wie sie den Minimalismus der Bauhauszeit vertritt. Und so haben sie auch die Überschrift auf ihrer Einladung gewählt: "Kinder wie die Zeit vergeht... 100 Jahre Bauhaus - 100 Jahre Uhren und Schmuck Dieterich".

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