Münnerstadt
Beschluss

Münnerstadt: Das Hallenbad wird abgerissen

Mit elf zu acht Stimmen hat der Münnerstädter Stadtrat das endgültige Ende des städtischen Gebäudes eingeleitet. Gegen den Beschluss regt sich Widerstand.
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Ein Bild aus besseren Tagen: Das Münnerstädter Hallenbad wurde gerne von älteren Menschen genutzt, aber auch für das Schulschwimmen. Mit dem Stadtratsbeschluss vom Mittwoch ist die Ära endgültig vorbei. Jetzt wird es abgerissen. Archiv/ Hubert Breitenbach
Ein Bild aus besseren Tagen: Das Münnerstädter Hallenbad wurde gerne von älteren Menschen genutzt, aber auch für das Schulschwimmen. Mit dem Stadtratsbeschluss vom Mittwoch ist die Ära endgültig vorbei. Jetzt wird es abgerissen. Archiv/ Hubert Breitenbach
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Es ist vorbei. Am Ende hat alles nichts genutzt. Ein kurz vor der Sitzung verteilter Zettel mit Neuigkeiten aus Nürnberg, eindringliche Statements der Hallenbadbefürworter im Stadtrat und letztendlich der Versuch von Zweitem Bürgermeister Andreas Trägner (Freie Wähler), das Thema zu vertagen, bis klar ist, wie das von der Staatsregierung neu aufgelegte Förderprogramm für kommunale Hallenbäder genau aussieht: Alles umsonst. Die elf Stadträte von CSU und Neue Wege stimmten für den Abriss und das reichte aus. Michael Kastl (CSU) begründete die Entscheidung damit, dass Münnerstadt kein Hallenbad brauche. Zuvor hatte Professor Ludwig Rongen seinen Vergleich der Kosten einer Sanierung gegenüber einem Abriss erläutert (siehe unten). Weil der Beschluss, den Bürgermeister Helmut Blank (CSU) erst am Ende der Sitzung verlas, weit mehr beinhaltet als den eigentlichen Abriss, kündigte Leo Pfennig (fraktionslos) an, dagegen vorzugehen. "Ich finde das zum Kotzen", kommentierte Dritter Bürgermeister Axel Knauff (SPD) die Vorgehensweise des Bürgermeisters.

Die reichlich im Foyer des Rathauses aufgestellten Stühle blieben leer, der Sitzungssaal reichte aus, die Besucher aufzunehmen. Gleich zu Beginn kündigte Andreas Trägner an, dass einige Stadträte den Sitzungssaal verlassen werden, falls Dag Schröder Rederecht bekomme. Der Bürgermeister hatte denn Architekten, der die Kosten für den Abriss des Bades ermittelt hatte, zur Sitzung eingeladen. Nach der Vorstellung der Studie warf Rita Schmitt (Forum aktiv) dem Bürgermeister vor, er habe in den Jahren das Bad schlecht geredet, beispielsweise was das Dach und Giftstoffe angehe. Helmut Blank berief sich auf ein Gutachten. Doch Leo Pfennig legte nach. Er solle das nicht herunterspielen, Helmut Blank habe ja sogar gesagt, dass ein Betreten des Bades lebensgefährlich sei. Doch Blank blieb dabei: Die Statik des Daches sei exakt die gleiche, wie beim eingestürzten Dach in Bad Reichenhall.

Dann holte Axel Knauff aus: "Das Gutachten liegt nun vor. Wir können feststellen, dass das Hallenbad weder einsturzgefährdet noch giftverseucht ist." Vielmehr sei es ein altes Bad, das durch die acht Jahre ohne Nutzung nicht besser geworden sei. Das Gutachten zeige auch, welche immensen Einsparungen sich bei den Verbrauchskosten ergeben. Einen Löwenanteil der Betriebskosten bilden die Personalkosten. Hier könne man unter Einbeziehung des privaten Engagements erheblich sparen. Er kam zu dem Schluss, dass sich ein saniertes Bad langfristig betreiben lasse. So ließe sich die Attraktivität Münnerstadt steigern. Dann dankte Axel Knauff dem Bürgermeister: "Besonders deshalb, weil ich ihm eben nicht dafür danken möchte, dass er von Beginn an versucht hat, die Arbeit des Arbeitskreises massiv zu torpedieren. Ich möchte ihm auch nicht dafür danken, dass er Anfragen des Arbeitskreises nicht beantwortet hat", so Axel Knauff. "Und ganz besonders möchte ich ihm nicht dafür danken, dass er versucht hat, mir als Vorsitzender des Arbeitskreises jegliche Kommunikation mit dem Büro Rongen zu verbieten." Ohne diese besondere Unterstützung des Bürgermeisters wäre es nicht möglich gewesen, für diese Arbeit so viel Zeit zu benötigen. So etwas läuft über den Bürgermeister, sagte Helmut Blank dazu.

Leo Pfennig stellte fest, es sei richtig, dass die Fördermittel Ende 2019 für den Abriss auslaufen. Aber nur für dieses Programm, dann gebe es wieder ein neues. Außerdem sei die Förderung des Abrisses beschränkt, die Mehrkosten gehen zu Last der Kommune. Er führte auch das neue Förderprogramm der Staatsregierung auf, nachdem 20 Millionen Euro pro Jahr für kommunale Hallenbäder zur Verfügung gestellt werden. Er könne nicht nachvollziehen, weshalb nun auf die Schnelle das Bad abgerissen werden soll. Man sollte doch die Förderrichtlinien der Staatsregierung abwarten. Dem Bürgermeister warf es vor, Halbwahrheiten zu verbreiten. "Halbwahrheiten sind schlimmer als Unwahrheiten", betont er.

Rund zwei Stunden lang diskutierten die Stadträte über Für und Wider eines Abrisses bzw. einer Sanierung. Michael Kastl führte dabei ein Argument der Abrissbefürworter ins Feld: "Münnerstadt braucht kein Hallenbad." Auch Georg Heymann und Jürgen Eckert sprachen sich immer wieder Argumente für einen Abriss aus. Und der Bürgermeister betonte, dass das Schulschwimmen gesichert sei. Das sah Matthias Kleren (Freie Wähler) anders. Leo Pfennig, Dieter Petsch, Andreas Trägner, Britta Bildhauer (SPD), Axel Knauff und Rita Schmitt brachten immer wieder Argumente vor, das Bad jetzt nicht abzureißen. Mit acht zu elf Stimmen lehnten die Stadträte den Antrag ab, das Thema zu vertagen. Dann folgte in namentlicher Abstimmung der Abrissbeschluss. Weil der Beschlussvorschlag den Räten nicht vorlag und erst von Helmut Blank verlesen wurde, machte Axel Knauff seinem Ärger Luft. Bei jedem Kleintierzuchtverein, der einen Zuschuss von fünf Euro wolle, gebe es eine Beschlussvorschlag. Das sei eine von seinen hinterhältigen Aktionen, meinte er zu Helmut Blank. Dagegen wollen einige Stadträte vorgehen. Helmut Blank kündigte gegenüber unserer Zeitung an, gegen einige Stadträte wegen ihrer Äußerungen vorzugehen.

Experte stellt Kostenvergleich zwischen Sanierung und Abriss vor

Viel Beifall bekam bei der Stadtratssitzung Professor Ludwig Rongen für die Vorstellung des Gutachtens zum Hallenbad. Er verdeutlichte, dass nur solche Schäden aufgenommen wurden, die tatsächlich festgestellt wurden. "Ein: Da könnte ein Problem sein, gibt es nicht", betonte er. Außerdem seien nur Kosten der Sanierung aufgenommen worden, die für einen Betrieb notwendig sind. So sei beispielsweise der Neuanstrich der Fassade nicht mit drin. Und: "Wir haben uns immer an den Minimalkosten orientiert."

"Empfehlenswert wäre ein Blockheizkraftwerk", sagte er zu der Erneuerung der technischen Anlagen. Die Kostenauflistung unterscheidet nach der Minimalvariante der Sanierung und einer nach energetischen Gesichtspunkten.

Die Förderstellen sind bei beim Erstellen der Studie ebenfalls abgefragt worden. Für eine Sanierung des Hallenbades gibt es 80 Prozent, höchstens jedoch bei 4,535 Millionen Euro. Nicht eingerechnet sind Kosten für die Beseitigung von Schäden, die zwar wahrscheinlich, aber im Moment nicht belegbar sind. Diese würden sich noch einmal auf 353 000 Euro belaufen. Insgesamt liegen die Kosten für die Sanierung zwischen 5,2 Millionen und 5,6 Millionen Euro.

Ludwig Rongen ging auch auf die Kosten für den Abriss ein, die Architekt Dag Schröder ermittelt hatte. "Wir haben das komplett übernommen, es gab daran nichts auszusetzen", betonte er. Lediglich ein paar zusätzliche Stützen für die Straße, seien eingerechnet worden. Die Gesamtkosten für den Abriss belaufen sich auf knapp über eine Million Euro.

Alle genannten Zahlen seien aber mit einem Risiko verbunden. Wegen der guten Konjunktur in der Baubranche müsse mit Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent gerechnet werden.

Einige Nachfragen von Axel Knauff und Leo Pfennig beispielsweise bezüglich des Fundaments und Vorgaben des Wasserwirtschaftsamtes beantwortete der Gutachter. "Wir haben dann nur ein Schwimmbad, in dem man Schwimmen kann", stellte Klaus Schebler (Neue Wege) bezüglich einer Sanierung fest, was Ludwig Rongen bestätigte. Und Bürgermeister Helmut Blank bekräftigte, dass nur das repariert werde, was kaputt sei. "Tünchen und neu Fliesen kostet mehr." Klaus Schebler hob die "ganz tolle Arbeit aller Beteiligten" hervor und Ludwig Rongen bestätigte: "Was Dag Schröder gemacht hat, war perfekt, ich habe selten so etwas gesehen."

Dieter Petsch (Forum aktiv) wollte noch wissen, ob sich ein Verein beim Betrieb oder auch schon bei der Sanierung in Form von Eigenleistungen mit einbringen könne. Das hänge davon ab, wie qualifiziert die Mitglieder sind und wie engagiert, antwortete der Professor.

Weil es keine Fragen mehr an den Experten gab, dankte Bürgermeister Helmut Blank dem Professor für seine Ausführungen. Doch die Diskussion um den Abriss oder die Sanierung des Hallenbades ging nun erst richtig los.

Wortlaut des Beschlusses:

Der Stadtrat der Stadt Münnerstadt beschließt, das städtische Hallenbad auf dem Grundstück Schützenstraße 9, Flurnummer 1400, Gemarkung Münnerstadt, abzubrechen.

Herr Erster Bürgermeister Blank wird in Ergänzung der Geschäftsordnung des Stadtrates der Stadt Münnerstadt vom 28.04.2017 ermächtigt, alle für den Abbruch des städtischen Hallenbades sowie der Wiederherstellung des Geländes erforderlichen Arbeiten nach erfolgter Einholung und Wertung der Angebote, an den wirtschaftlichen Anbieter vergeben zu dürfen. Der Stadtrat der Stadt Münnerstadt ist in der darauffolgenden Sitzung über die entsprechende Auftragsvergabe zu informieren.

Die entsprechende Haushaltsmittel sind verbindlich in den Haushalt für das Haushaltsjahr 2019 einzustellen.



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