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Sanierung

Münnerstadt: Das Fachwerk kommt auf den Prüfstand

Die Schäden am Jörgentor sind offensichtlich nicht so stark wie zunächst angenommen. Die Netze müssen ausgetauscht oder repariert werden.
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Die Netzte am Jörgentor müssen ausgetauscht oder repariert werden. Jetzt wird ein umfassendes Schadensbild erstellt, danach die notwendigen Arbeiten erledigt. Thomas Malz
Die Netzte am Jörgentor müssen ausgetauscht oder repariert werden. Jetzt wird ein umfassendes Schadensbild erstellt, danach die notwendigen Arbeiten erledigt. Thomas Malz

Es ist schlicht ein Problem der Höhe. "Eigentlich ist es ganz normaler Verschleiß", sagt Stefan Schlicht vom Büro der Sanierungsbeauftragten Schlicht Lamprecht Architekten. Bei jedem normalen Fachwerkhaus bröckele nach einer gewissen Zeit der Putz. Dann wird ein Gerüste gestellt, die Trennfugen werden eingebaut und der Putz ausgebessert. Dann hält es wieder etliche Jahre. Beim Jörgentor könne man nicht eben schnell mal ein Gerüst hinstellen und durch die Höhe sei das Fachwerk noch viel mehr dem Wind und Wetter ausgesetzt. "Die letzte große Sanierung war im Jahr 1984", betont Stefan Schlicht.

Es gibt noch einen Unterschied: "Durch die Höhe wird herabfallender Putz auch viel gefährlicher", fügt Helmut Blank hinzu. Weil das so ist und weil sich Putzbrocken gelöst haben, sind die Ost- und Westseite des Fachwerks seit geraumer Zeit mit Netzen abgesichert und die Fußgänger werden zusätzlich durch eine Holzkonstruktion geschützt. Inzwischen hat es einen Besichtigung gegeben, an der auch Vertreter der Federlein Ingenieurgesellschaft teilgenommen haben. Über das Ergebnis hat Bürgermeister Helmut Blank (CSU) in der jüngsten Stadtratssitzung informiert.

Dabei gab es durchaus auch erfreuliche Ergebnisse: "Das Dachtragwerk ist optisch in einem guten Zustand, Holzschädlinge und Feuchtigkeit sind nicht zu erkennen", heißt es in der Aktennotiz der Federlein-Ingenieure. Die im Jahr 2007 stattgefundenen Ausbesserungsarbeiten am Dachstuhl seien zu erkennen und in einem einwandfreien Zustand. Dann aber wird auf Vertikalrisse in einer Giebelseite aufmerksam gemacht, die sich vom Dachtragewerk im Erdgeschoss bis ins nächst tiefere Geschoss ziehen.

Zur Grundlagenermittlung für ein Sanierungskonzept haben die Ingenieure verschiedene Empfehlungen abgegeben. Sie gehen davon aus, dass das vorhandene Innenmauerwerk die Hinterlüftung und Austrocknung des Giebelfachwerks verhindert. Es müsste lokal geprüft werden, ob sich hier bereits Schäden am Fachwerk gebildet haben. Außerdem wird empfohlen, die derzeit angebrachten Sicherungsnetze auszutauschen oder zu reparieren. Es haben sich bereits mehrere Putzteile gelöst und in dem Netz verfangen, manche haben das Netz aber auch beschädigt, informiert der Bürgermeister.

"Der Sanierungsaufwand wird nicht so gravierend, wie wir es am Anfang befürchtet haben", sagt Helmut Blank dazu. Aber die notwendigen Arbeiten müssten umgehend erledigt werden. "Der Turm ist für uns ein wichtiger touristischer Aspekt." Deshalb hält er eine erweiterte Nutzung des Turmes für sehr wünschenswert.

Entsprechend dem Vorschlag der Federlein-Ingenieure wird jetzt das Fachwerk kartiert und ein umfassendes Schadensbild erstellt, sagt Stefan Schlicht. Daraus kann dann ein Sanierungskonzept erstellt werden. Die notwendigen Untersuchungen sollen mit einer Hubbühne erledigt werden, ein Gerüst ist dafür nicht notwendig. Erledigt werden sollen die Arbeiten in den Herbstferien. Während der Untersuchung muss die Jörgentorgasse für den Verkehr gesperrt werden.

Helmut Blank kommt noch einmal auf sein Nachnutzungskonzept zurück. Es gebe ja derzeit verschiedene Ideen, den Tourismus anzukurbeln. Als Beispiele nennt er den geplanten Wohnmobilstellplatz oder die Mountainbike-Strecken. Der Bürgermeister erinnert daran, dass das Jörgentor früher als Jugendherberge gedient hat und auch der Rhönklub-Zweigverein Münnerstadt, der den Turm seit vielen Jahren als Vereinsdomizil nutzt, hat dort Übernachtungen ermöglicht. Dies wurde jedoch vor einigen Jahren aus Gründen des Brandschutzes untersagt. "Die Betten sind noch da", sagt Helmut Blank. Er findet, dass man das Übernachten wieder ermöglichen sollte. Entweder bei Feiern, für die das Jörgentor gebucht werden könnte, oder als Ferienwohnung. Natürlich müsste das mit dem Rhönklub abgesprochen werden.

Das Brandschutz-Problem besteht aber weiterhin und müsste beim Anbieten von Übernachtungen gelöst werden. "Dafür bräuchte es zunächst ein Brandschutz- und Fluchtwegekonzept" sagt Stefan Schlicht. Möglich wäre ein zweiter Fluchtweg über eine Außentreppe, über die schon mehrfach diskutiert wurde. Zu klären wäre dann beispielsweise die notwendige Breite der Treppe (abhängig von der Anzahl der Besucher) und welche Stockwerke des Turms an die Treppe angeschlossen werden.

Jetzt wird aber erst einmal die Sanierung angegangen. Angestrebt wird, dass die Netze zum Jubiläums-Festwochenende im Juli nächsten Jahres verschwunden sind.

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