Münnerstadt
Astronomie

Münnerstadt blickt in weit entfernte Galaxien

Mit einer "Mords-Kanone", die Werner Krauß zum Astronomie-Tag mitgebracht hatte, blickten die Münnerstädter am bundesweiten Astronomie-Tag in die Sterne. Die Bedingungen waren bestens.
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Wenn Hobbyastronom Werner Krauß aus Rödelmaier (rechts) sein Teleskop auf  dem Kleinfeldlein-Parkplatz aufstellt, dann kommen die Besucher gerne, um  einen Blick durch das Gerät zu tun.  Auch anlässlich des Tages der  Astronomie am Samstag war er präsent. Foto: Dieter Britz
Wenn Hobbyastronom Werner Krauß aus Rödelmaier (rechts) sein Teleskop auf dem Kleinfeldlein-Parkplatz aufstellt, dann kommen die Besucher gerne, um einen Blick durch das Gerät zu tun. Auch anlässlich des Tages der Astronomie am Samstag war er präsent. Foto: Dieter Britz

Wenn auf dem Parkplatz vor der Mehrzweckhalle am Kleinfeldlein Teleskope stehen, weil der "Tag der Astronomie" ist, weil wieder einmal eine Sonnenfinsternis stattfindet, oder wie im Jahr 2016 der Planet Merkur als winziges Pünktchen vor der Sonne entlang zieht, dann kann der 71-jährige Werner Krauß nicht weit sein. Die Vereinigung der Sternfreunde, der bundesweite Dachverband der Hobby-Astronomen, hatte den vergangenen Samstag zum Astronomie-Tag unter dem Motto "möge die Nacht mit uns sein - Licht aus, Sterne an!" proklamiert.

Und natürlich ging das nicht ohne besagten Werner Krauß aus Rödelmaier. Er ermöglichte wieder zahlreichen Interessenten jeden Alters einen Blick an den Sternenhimmel durch sein Teleskop - "eine Mords-Kanone", wie ein Bub ungeheuer beeindruckt kommentierte. Und Werner Krauß erwies sich einmal mehr als wandelndes Astronomie-Lexikon, denn keine Frage blieb offen.

Solche Veranstaltungen stehen und fallen mit dem Wetter, und das war am Samstagabend einfach ideal. Die Sterne funkelten hell am wolkenlosen dunklen Himmel, denn der Mond war zum Glück schon am Vormittag um 11.12 Uhr untergegangen. Die "Mords-Kanone", die Werner Krauß zum Astronomie-Tag mitgebracht hatte, ist ein Schmitt-Cassegrain-Spiegelteleskop. Der Hauptspiegel, der als Objektiv dient, hat einen Durchmesser von 23 Zentimetern und eine Brennweite von 2,35 Metern. Ein Linsenfernrohr hätte ein wenig mehr als diese Länge, wäre also schwer zu handhaben und zu transportieren. Im Schmitt-Cassegrain-Teleskop jedoch werden die Lichtstrahlen hin und her reflektiert, wodurch die Baulänge ganz wesentlich verkürzt wird. Dieses Teleskop kann noch auf einem Pkw-Anhänger transportiert werden. Für sein Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 40 Zentimeter, das in seinem Heimatdorf Rödelmaier stehen hat, gibt das nicht.

Druck auf ein paar Knöpfe

Wenn Werner Krauß einen bestimmten Stern zeigen will, dann reicht der Druck auf ein paar Knöpfe, und die automatische Steuerung fährt das Teleskop genau an die richtige Stelle. Das funktioniert mit dem Satelliten-Navigationssystem GPS, das auch für die Navigationsgeräte in unseren Autos benötigt wird. Seinen Zuhörern erzählte Werner Krauß Wissenswertes über die Milchstraße, die sich ein helles Band am Himmel über dem Kleinfeldlein zog. Sie zählt rund 250 bis 400 Milliarden Sterne, so genau weiß man das nicht. Die Milchstraße ist eine spiralförmige Scheibe mit einem Durchmesser von 170.000 bis 200.000 Lichtjahren (ein Lichtjahr ist die Strecke, die ein Lichtstrahl in einem Jahr zurückgelegt, das sind rund 9,5 Billionen Kilometer) und einer Dicke von bis zu 16.000 Lichtjahren. Die Sonne umkreist das Zentrum der Milchstraße in einem Abstand von 25.000 bis 27.000 Lichtjahren und benötigt für einen Umlauf 220 bis 240 Millionen Jahre. Die Milchstraße trotz ihrer unfassbaren Größe ist nur eine von hunderten Milliarden Galaxien im sichtbaren Teil des Universums.

Reste einer uralten Supernova

Vor knapp 1000 Jahren, im Jahr 1054, explodierte am Himmel eine Sonne, heute bekannt als Krebsnebel oder Supernova M1. Chinesische und arabische Wissenschaftler, aber auch europäische Mönche berichteten darüber. Reste dieses explodierten Sterns sind noch heute auch in Amateur-Fernrohren am Himmel zu sehen. Werner Krauß zeigte sie den Besuchern.

Er hatte auch manche Frage zu beantworten, zum Beispiel die, warum Sterne flackern. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: Die Bewegung der Luft durch Wind und Wärme führt dazu, dass ein Lichtstrahl ständig ein wenig abgelenkt wird, wenn er durch die Atmosphäre läuft. Das sieht dann so aus, als ob die Sterne flackern würden.

Warum zieht es Werner Krauß bei solchen Anlässen ausgerechnet nach Münnerstadt und aufs Kleinfeldlein? Das hat zwei Gründe: Der hintere Teil des hochgelegenen Parkplatzes ist immer leer und bietet vor allem auch gute Sichtverhältnisse. Die Stadt mit ihren störenden Lichtern, sozusagen der Todfeind der Astronomen, liegt tiefer als der Platz im Nordwesten, während der Blick der Sterngucker eher in Richtung Süden geht. Andererseits ist der Platz nahe genug an der Stadt, so dass die Interessenten keine langen Wege haben. Und nicht zu vergessen: "Die Kneipe ist in der Nähe, so dass wir mal schnell ein Bier trinken können." Der zweite wichtige Grund, dass Werner Krauß immer wieder nach Münnerstadt kommt: Er ist hier geboren und hat auch am Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium vor etlichen Jahrzehnten sein Abitur gemacht.

Physiklehrer weckt Liebe zur Astronomie

Die Liebe zur Astronomie hat sein damaliger Physiklehrer Alfons Zirkelbach in ihm geweckt. Dieser schaffte damals ein Schulfernrohr an und bot Wahl-Kurse in Astronomie an. Vom Michelsberg aus beobachteten Schüler damals den Sternenhimmel. Das faszinierte ihn so, dass er eigentlich Astronomie studieren und Profi-Astronom werden wollte. Doch dann studierte er Germanistik, Geschichte und Sozialkunde, ging in die Wirtschaft und wurde in München Verlagsleiter. Doch die Astronomie hat ihn nie losgelassen, und so studierte er nebenbei acht Semester Astronomie ohne Abschluss. Er arbeitete auch an der Sternwarte in Würzburg mit, zu der er immer noch Kontakt hat. Auch die Vermittlung der Astronomie war ihm immer ein Herzensanliegen. So bot er an der Volkssternwarte in München Führungen an und bis heute Kurse an verschiedenen Volkshochschulen. Gerne besucht er Teleskoptreffen, bei denen man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Zudem ist er im "Forum Stellarum" einer Vereinigung fränkischer Hobbyastronomen aktiv. "Für mich war die Astronomie auch immer ein Ausgleich zur Arbeit", sagt er.

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