Münnerstadt
Interview

Mister Heimatspiel sagt ade

Bruno Eckert hat in den vergangenen Jahrzehnten für das Heimatspiel gelebt. Jetzt legt der 70-jährige seine Ämter nieder.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bruno Eckert stellt sein Heimatspielkostüm zur Verfügung. Er zieht sich als Spieler und als Vorsitzender zurück.Heike Beudert
Bruno Eckert stellt sein Heimatspielkostüm zur Verfügung. Er zieht sich als Spieler und als Vorsitzender zurück.Heike Beudert
55 Jahre war Bruno Eckert im Heimatspiel aktiv. 45 Jahre ist er Vorsitzender der Heimatspielgemeinde. Jetzt zieht er sich zurück. Überraschend kommt das nicht. Er hatte diesen Schritt lange vorher angekündigt. In einem Gespräch blickt er auf für ihn prägende Jahrzehnte zurück.

Herr Eckert, Sie standen in diesem Jahr das letzte mal als Balzer Dittmar auf der Bühne. Wie war das für Sie?
Bruno Eckert: Nicht anders als sonst. Ich spiele die Rolle jetzt seit 1994. Im Laufe der Zeit bekommt man eine gewisse Routine und die Rolle wird Bestandteil von einem . Für mich war der letzte Spieltag ein Spieltag wie jeder andere. Es ist gut gelaufen.

Sie haben seit 55 Jahren im Heimatspiel mitgewirkt. Welche Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
0h, da gibt es viele. Da ist die Geschichte, als der Schwedenobrist bei einem Festzug des Roten Kreuzes mit samt Pferd umgefallen ist und sich zwei Stunden vor dem Spiel das Bein gebrochen hat. Wir haben dann dringend einen Ersatz gebraucht. Hans Kirmeier ist kurzfristig eingesprungen mit Textbuch auf dem Pferd und Franz Beck daneben, der souffliert hat. Das ist eine Geschichte, die ich nie vergesse. Als Schnitter habe ich miterlebt, wie Anna Gehring das, was die Kuh hinterlassen hat, schnell weggekehrt hat, damit Bundespräsident Lübke nicht rein tritt.

Warum haben sie im Heimatspiel mitgespielt?
Das ist eine gute Frage. Ich bin mehr dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Die Stadt hat damals im Auftrag der Interessengemeinschaft Heimatspiel Listen geführt, wer irgendetwas machen könnte. Auf einer dieser Listen bin ich Anfang der 1960er Jahre als möglicher Schnitter aufgetaucht. Der damalige Amtsbote kam ins Haus und hat zu meiner Oma gesagt: "Euer Junger macht da auch mit". Die Oma hat unterschrieben und ich bin aufs Rathaus, weil damals die Proben noch im Rathaus waren. Es hat mir Spaß gemacht, es war lustig. Wir haben schöne Stunden erlebt. Bei einem Ausflug hat mich dann Markus Halboth angesprochen, ich könnte doch den Michel Stapf spielen. Ich habe "Nein" gesagt. Am Ende der Fahrt habe ich zugesagt, dass ich mit dem damaligen Spielleiter Betzer sprechen werde. Ich habe die Rolle gelernt und war Michel Stapf. Im Laufe der Zeit hat mir das unheimlich Spaß gemacht.

Was war weiter Ihre Motivation?
1972, 1973 habe ich ein Papier geschrieben, was man alles anders machen kann. Dann kommt so das alte Prinzip: Wenn du schon die Klappe aufreißt, mach´s!. Damit war man plötzlich vorne dran. Das war mit Johannes Bloching, mit Franz Wüst und anderen. Dann waren wir plötzlich Spieler und gleichzeitig jemand, der mit verantwortlich war. Dann ist man dabei und steht in der Verantwortung. Wenn ich eine Aufgabe übernehme - das ist für mich etwas Grundlegendes - dann mache ich sie richtig. Dafür will ich auch keine Anerkennung. Ich habe eine Aufgabe, die erfülle ich. Dann wird es zu einer Selbstverständlichkeit.

Dann hat das Heimatspiel auch einen wesentlichen Teil ihres Lebens bestimmt?
Einen Entscheidenden. Für mich ist da ein absolutes Band entstanden, das für mich wesentlich mitprägend war und eigentlich immer noch ist.

Sie haben ja gesagt, es ist nach dieser Saison Schluss. Bleibt es dabei?
Logisch. Ich bin über siebzig. Und mir ist klar, dass es auf Dauer immer schwieriger wird für mich. Es sollen andere nachkommen, die es hoffentlich besser machen und vor allem, die jünger sind. Es ist rein aus Vernunftgründen nötig, jetzt Schluss zu machen. Jetzt müssen Jüngere in die Fußstapfen treten.

Fällt der Abschied schwer?
Ja und Nein. Nein, weil ich klar erkannt habe: Es muss sein. Ja, weil´s mir natürlich Spaß macht. Ich habe die ganzen letzten Jahre gerne gespielt.Es macht schon Spaß, sich auf die Bühne zu stellen. Es macht mich auch nicht nervös. Ich gehe einfach raus und spiele. Fertig. Es fällt schon schwer.Das muss ich sagen.

Wie ist denn die Nachfolge nach der Ära Eckert geregelt?
Ich selber mache keine Vorgaben, weil ich das für falsch halte. Ich habe das Gefühl, es gibt Leute, die weitermachen.Was die Rolle des Balzer Dittmar betrifft, da habe ich schon Gespräche geführt. Es gibt zwei Leute, die ich mir vorstellen könnte und die wahrscheinlich bereit sind, die Rolle zu spielen.

Sie sind optimistisch", dass es einen Vorsitzenden gibt?
Ja. Wenn ich nicht optimistisch wäre, hätte ich nicht aufgehört.

Wann wird über die neuen Vorstandsämter entschieden?
Wir werden im Oktober oder November eine Mitgliederversammlung abhalten und da wird ein neuer Vorsitzender gewählt.

Ist ihr Abschied ein kompletter Rückzug?
Ich gehe mal davon aus, dass ich bei Fragen gerne einen Rat gebe. Aber ich möchte in der Heimatspielgemeinde keine führende Position mehr einnehmen. Es gibt einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende. Wenn dann immer noch der alte Vorsitzende mit herum rennt, ist das nicht gut. Es ist ein Lebensabschnitt zu Ende. Ich werde nicht in Tränen ausbrechen, wenn ich am Heimatspielsonntag daheim sitze und die Kanonen schießen.

Was wünschen Sie dem Heimatspiel für die Zukunft?
Ich hoffe darauf, dass das Heimatspiel so bleibt, wie es ist, und dass es keinen modernen Trends angepasst wird. Ich glaube, unser Kern ist dieses eigentlich altmodische, auf alten Dingen aufbauende Spiel und nicht etwas völlig Modernes, was dazu eigentlich gar nicht passt. Man kann den Rahmen gestalten. Aber das ist alles nur um das Heimatspiel herum, um den Tag zu beleben. Kernpunkt ist das Spiel. Ich höre ständig von Leuten, die im Spiel waren, dass es wirklich gut ist. Man kann darüber streiten, ob manche Formulierungen gut sind, aber es ist aus einem Guss geschrieben. Änderungen bringen Schwierigkeiten in das Spiel. Deshalb hoffe ich, dass die Tradition des Spiels bewahrt wird.

Wäre mehr städtisches Engagement wünschenswert?
Es ist extrem wichtig für mich, dass es das Engagement der Bürger von Münnerstadt ist. Sie müssen das Heimatspiel als ihre Sache ansehen. Das Engagement der einzelnen ist wichtig. Wenn sie sehen, dass die Stadt dabei ist, weiß ich nicht, ob das so bleibt. Natürlich wäre schön, wenn das eine oder andere vielleicht käme, obwohl die Stadt schon sehr hilft. Mit dem Bautrupp ist das überhaupt kein Problem.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren