Maßbach
Gemeinderat

Maßbach: "Die Dramatik ist da"

Der Gemeindewald hat unter Hitze, Trockenheit und Borkenkäfern gelitten. Doch die Försterinnen Ute Kernschaum und Hannah Severin zeigten bei der Begehung auch Erfolge.
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Der Marktgemeinderat Maßbach unternahm einen zweistündigen Marsch durch  Teile des Gemeindewaldes. Der Blick nach oben zeigte sehr oft Schäden durch  Trockenheit, Hitze oder Schädlinge.  Foto: Dieter Britz
Der Marktgemeinderat Maßbach unternahm einen zweistündigen Marsch durch Teile des Gemeindewaldes. Der Blick nach oben zeigte sehr oft Schäden durch Trockenheit, Hitze oder Schädlinge. Foto: Dieter Britz

In diesen Wochen vertauschen, wie jedes Jahr einmal, Gemeinderäte landauf und landab ihren gewohnten Sitzungssaal mit dem gemeindeeigenen Wald. Und was sie da von den Fachleuten erfahren, ist meist wenig positiv. Trockenheit, Hitze und Schädlinge beschädigen oder vernichten viele Bäume. Auch Maßbach macht da keine Ausnahme. Zwei Stunden lang marschierten Mitglieder des Marktgemeinderates mit den Försterinnen Ute Kernschaum und Hannah Severin (Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön und Grabfeld) durch den Wald und ließen sich informieren.

Die Marktgemeinde besitzt etwa 480 Hektar Wald, vor allem im Ortsteil Poppenlauer. Der Marktgemeinderat machte sich beispielhaft ein Bild von der Entwicklung des Waldes in mehreren Gebieten. In der Abteilung Pfingstaspe konnten die beiden Försterinnen von Anwuchserfolgen mit Elsbeeren und Buchen, die trotz extremer Trockenheit gut angewachsen und durch einen Zaun geschützt sind, berichten. Hier wird eine vorausschauende Wiederbepflanzung betrieben, sodass einmal ein stabiler Mischbestand entstehen soll. In der Abteilung Stöckig bekam die Marktgemeinderäte einen Fichtenbestand zu Gesicht, der komplett vom Borkenkäfer vernichtet wurde. Letzte Reste der befallenen Fichten werden durch Harvester aufgearbeitet. Im vergangenen Betriebsjahr machte Käferholz rund drei Viertel des geschlagenen Holzes aus. Wie sich die weitere Ausbreitung der Käfer entwickelt, ist vom Wetter abhängig. Sie wird aber noch weitergehen, betonten Ute Kernschaum und Hannah Severin während des Rückganges. Sie zeigten in der Abteilung Stöckig auch ein positives Waldbild. Eichenmast aus dem vergangenen Herbst ist stellenweise gut aufgegangen. Um diese kostenlose, klimaangepasste Verjüngung zu nutzen, sei aber Nachlichtung und teilweise Zaunbau erforderlich.

In der anschließenden Sitzung im Feuerwehrhaus in Maßbach betonte Bürgermeister Matthias Klement (CSU) "die Dramatik ist da. Jetzt müssen wir Geld mitbringen, um unseren Wald wieder fit zu machen. Was wir hier planen, werden wir nicht ernten". Er dankte den beiden Försterinnen und den Waldarbeitern für die geleistete Arbeit. Ute Kerschbaum erwähnte in ihrem Rückblick auf das Forstjahr 2019, das am 30. September endete, dass die an den Eichen entstandenen Trockenschäden vermutlich erst im Frühjahr sichtbar werden. Die Aufarbeitung der Borkenkäfer-Schäden läuft. Bisher wurden 1410 Festmeter Käferholz geschlagen. Die Arbeitskräfte waren mit Borkenkäfer-Aufarbeitung ganzjährig gebunden. Erfreulich ist, dass der Markt Maßbach einen eigenen Waldarbeiter beziehungsweise eine Waldarbeiter-Gemeinschaft mit Thundorf hat. Diese Arbeiter seien für die Holz-Aufarbeitung verfügbar, kennen sich im Gemeindewald aus und schauen mit.

Wegen des hohen Anfalls von Schadholz ist dessen Preis gesunken. Gesundes Holz jedoch wird weiter nachgefragt und erzielt gute Preise. Die Brennholzpreise bleiben unverändert: Abraumholz (Hartholz) kostet 15 Euro pro Ster, Abraumholz (Weichholz) zehn Euro pro Ster. Bestellungen sind ab 6. November bei der Gemeindeverwaltung möglich. Wenn nicht alles verkauft wird, kommen auch Auswärtige zum Zug.

Der Forstbetriebsplan für das Jahr 2020, der am 1. Oktober begann, wurde schließlich einstimmig verabschiedet. Er sieht unter anderem eine Endnutzung von 310 Festmeter Holz vor. Marktgemeinderat Wolfgang Dünisch schlug vor, die Bevölkerung einmal einen Tag lang einzuladen, den Wald zu pflegen, "und dazu gibt es dann Bratwürste". Die beiden Försterinnen und der Bürgermeister fanden, das sei eine gute Idee. Matthias Klement denkt dabei an einen "Samstag for Future". Försterin Ute Severin schlug den Zeitraum Mai/Juni 2020 dafür vor.

Forstbetriebsgemeinschaft

Die FBG Fränkische Rhön und Grabfeld w.V. mit Sitz in Bad Neustadt an der Saale betreut auch den Wald der Marktgemeinde Maßbach. Mit einer Fläche von über 19.000 Hektar ist sie eine der größten Forstbetriebsgemeinschaften in Unterfranken. Zur FBG gehören die Städte Bad Kissingen, Münnerstadt, Bad Neustadt, Bischofsheim a. d. Rhön, Bad Königshofen sowie weitere 29 Gemeinden im Bereich der Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen. Daneben sind noch 54 Waldkörperschaften und ca. 700 Privatwaldbesitzer mit ihren Waldflächen Mitglied in der FBG. Zu ihren Dienstleistungen gehören unter anderem die Holzvermarktung, Waldpflege, forstliche Dienstleistungen und Beratung.

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