Münnerstadt
Kundgebung

Marsch in Rot für die Arbeitsplätze in Münnerstadt

Münnerstadts Öffentlichkeit soll durch eine Demonstration auf den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen im Unternehmen REMOG aufmerksam gemacht werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Protestzug der REMOG-Mitarbeiter führte am Unternehmen (Hintergrund) vorbei über die Bundesstraße und die Veit-Stoß-Straße bis zum Marktplatz. Foto: Dieter Britz
Der Protestzug der REMOG-Mitarbeiter führte am Unternehmen (Hintergrund) vorbei über die Bundesstraße und die Veit-Stoß-Straße bis zum Marktplatz. Foto: Dieter Britz
+3 Bilder

Der Himmel über den Marktplatz färbte sich gestern plötzlich rot. Ursache waren aber nicht die Wolken über der Stadt, sondern Hunderte von roten Ballons, die Teilnehmer einer Demonstration steigen ließen. Der Betriebsrat der Rudolf-Erich Müller GmbH & Co KG (REMOG) und die IG Metall

Schweinfurt hatten zu dieser Kundgebung aufgerufen, um damit die Öffentlichkeit auf den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen in dem Unternehmen aufmerksam zu machen.

Solidarität bekundet

Die Mitarbeiter der Firma marschierten, fast alle mit roten T-Shirts mit Aufschrift REMOG, IG-Metall-Mützen auf dem Kopf, roten Ballons in der Hand und mit Trillerpfeifen ausgerüstet, vom Betriebsgelände über die Bundesstraße und die Veit-Stoß-Straße bis zum Marktplatz vor dem Rathaus. Dort wurden sie von Delegationen zahlreicher Betriebe aus Schweinfurt, Bad Neustadt und anderen Orten schon erwartet. Unter anderen waren Abordnungen von SKF, Siemens, Preh und ZF Sachs gekommen, um ihre Solidarität zu bekunden. Auch die IG-Metall-Jugend war präsent.

"Wir sind REMOG, wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze", betonte der Betriebsratsvorsitzende Edgar Schneider. Buh-Rufe hallten über den Marktplatz, als er feststellte, dass Bürgermeister Helmut Blank fehlte. Er erinnerte daran, dass das Unternehmen früher einmal 400 Arbeitsplätze hatte, jetzt gerade noch 81. "Wir tragen durch unseren Verdienst zum Wohl der Bevölkerung bei. Jeder Arbeitsplatzverlust reißt auch ein Loch in den Stadtsäckel". Es könne nicht sein, dass in der jetzigen guten Zeit in der Metall- und Elektrobranche Arbeitsplätze abgebaut werden. "Wir sind REMOG und der Firma treu verbunden", hob er hervor. Und "wir sind ein Spitzenunternehmen". Heute werde 70 Prozent des Umsatzes mit Luftfahrttechnik gemacht, "aber ein Hauptkunde zieht immer mehr ab und lässt bei anderen fertigen".

Personalpolitik sei total verfehlt

Der Betriebsratsvorsitzende zeigte auf, dass in den letzten Jahren Kurzarbeit und Lohnverzicht sowie ein rasanter Arbeitsplatzabbau die Mitarbeiter stark belastet und verunsichert hätten, während die Metallindustrie einen Boom erlebe. Die Personalpolitik des Unternehmens sei total verfehlt gewesen, zum Beispiel seien nur 25 der 81 Mitarbeiter unter 50 Jahre alt. Ein weiterer Personalabbau gefährde das Unternehmen. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Arbeit klaut", rief er den Demonstranten zu. Und "wir haben das Vertrauen in unsere Geschäftsführung verloren, trotzdem kämpfen wir für unseren Betrieb." Vor zehn Jahren habe der Bürgermeister bei einem Besuch im Rathaus Unterstützung zugesagt - "diese Unterstützung fordere ich heute für uns ein. Wirken Sie auf die Geschäftsführung ein und bewegen Sie sie zur Umkehr."

Buh-Rufe gegen fehlenden Bürgermeister

Harsche Kritik übte auch der Erste Bevollmächtigte der IG-Metall, Edgar Kippes, am REMOG-Firmenchef. Er sei ein "ein Unternehmer, der nichts unternimmt, aber dem alles gehört". Er tue so, als ob es eine Lust-Frage sei, ob er weitermache. Es könne nicht sein, dass ein einzelner Mensch bei Laune gehalten werden müsse, damit es weitergeht. An der Unzufriedenheit im

Land seien Menschen wie Wilfried Müller mit Schuld - "wenn man 2018 überAufträge klagen muss, ist man kein Unternehmer, sondern nur noch ein Nehmer." Jeder Arbeitsplatz bei REMOG in Münnerstadt sei auch wichtig "für die Bäckerei gegenüber oder für die Handwerker in der Stadt". Sonst gehe es hier so wie in anderen Gegenden, wo die Jungen wegziehen müssen, weil die Industrie-Arbeitsplätze fehlen und nur noch die Älteren blieben. Er versprach "diese Aktion ist kein Schlusspunkt, sondern ein Signal für die Zukunft."

Forderung: Unternehmen verkaufen

Jens Öser, der als Gewerkschaftssekretär das Unternehmen REMOG betreut, nannte Wilfried Müller "einen Arbeitgeber, wie ich ihn in den letzten 30 Jahren nicht kennengelernt habe". Die Geschäftsführung habe das Vertrauen der Belegschaft vollständig verloren. Er forderte den Eigentümer auf, sein Unternehmen zu verkaufen, wenn er es nicht mehr führen wolle.

Arbeitnehmer aus mehreren anderen Großbetrieben waren nach Münnerstadt gekommen, um ihre Solidarität mit den REMOG-Kollegen zu bekunden. Ein Sprecher meinte in Anspielung auf das Heimatsspiel "Münnerstadt hat 1641 den Angriff der Schweden überlebt. Münnerstadt wird auch Herrn Müller überleben."



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren