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Maria Bildhausen
Erzählcafé

Maria Bildhausens bewegte Geschichte

Eugen Albert lud mit Karlheinz Mangold und Rainer Waldvogel zwei Kloster-Spezialisten zum Erzählen ein
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Über Maria Bildhausen erzählten Karlheinz Mangold (links) und Rainer  Waldvogel, seit 14 Jahren Gesamtleiter der Einrichtung (rechts). In der  Mitte Eugen Albert, der das Erzählcafé im Juliusspital organisiert. Foto:  Dieter Britz
Über Maria Bildhausen erzählten Karlheinz Mangold (links) und Rainer Waldvogel, seit 14 Jahren Gesamtleiter der Einrichtung (rechts). In der Mitte Eugen Albert, der das Erzählcafé im Juliusspital organisiert. Foto: Dieter Britz

Über die weitläufige Klosteranlage Maria Bildhausen gibt es fast unendlich viel zu erzählen. Eugen Albert hatte zum Erzählcafé im Juliusspital Rainer Waldvogel, den heutigen Gesamtleiter des Dominikus-Ringeisenwerks in Münnerstadt, und Karlheinz Mangold, dessen Vater die Landwirtschaft zuerst auf dem Rindhof und danach im Kloster leitete, eingeladen. Sie boten interessante Ausschnitte aus der jüngeren Geschichte dieses ehemaligen Zisterzienserklosters, in dem seit fast 1927 behinderte Menschen eine Heimat und auch Arbeit finden.

Karlheinz Mangold, der 1944 geboren wurde, präsentierte eine große Anzahl von alten Fotos, die zeigten, wie es damals auf dem Rindhof oberhalb des Klosters und in der Klosterökonomie zuging. Sein Vater hatte die Landwirtschaft auf dem Rindhof schon vor dem Krieg geleitet. Als er eineinhalb Jahre alt war, kam er aus der Kriegsgefangenschaft zurück und nahm seine Arbeit wieder auf. 1949 wechselte er in die Landwirtschaft des Klosters. In jener Zeit hatte das Kloster 114 Schwestern, ein sehr beeindruckendes Foto zeigte einen großen Teil von ihnen. Dazu kamen sieben Angestellte, von denen einer sein Vater war.

Bomben aufs Kloster

Bilder bewiesen, dass der Bombenkrieg an Maria Bildhausen nicht spurlos vorüberging. Warum die Bomben abgeworfen wurden, sei allerdings nicht klar. Maria Bildhausen sei vielleicht mit der Muna (dem Luftwaffe-Munitionsdepot in Rottershausen) verwechselt worden. Mangold erinnerte sich auch an den Traktor mit Holzvergaser im Rindhof. Er durfte als dreijähriger Bub Gas geben, wenn der Vater das Gerät reparierte.

Ans Stromnetz sei das Kloster erst 1956 angeschlossen worden. Bis dahin wurde es mit einem Gleichstromgenerator versorgt. Maria Bildhausen war praktisch autark. Neben der umfangreichen Landwirtschaft gab es eine Schlosserei, eine Brauerei, eine Schreinerei, eine Bäckerei, eine Metzgerei, eine Schäferei mit eigenem Schafstall. Überall arbeiteten die Schwestern zusammen mit den Behinderten. Nur die Ziegelei war nicht mehr in Betrieb.

Besuch von Bundespräsident Heuss

Das der heiligen Bilhildis geweihte Kloster der Zisterzienser wurde 1156 durch Hermann von Stahleck, Pfalzgraf bei Rhein gestiftet. Das wurde 800 Jahre später, also 1956, mit einem Freilichtspiel gefeiert. Hohen Besuch hatte Maria Bildhausen im Jahr 1955 (oder 1956, so genau wusste Karlheinz Mangold das nicht mehr): der damalige Bundespräsident Theodor Heuss stattete dem Kloster eine Visite ab.

Bis 1954 hieß das Kloster bzw. der Ortsteil von Kleinwenkheim nur Bildhausen. In diesem Jahr wurde mit Genehmigung der bayerischen Staatsregierung der Name in Maria Bildhausen geändert. In jenen Zeiten war das Kloster nicht über geteerte Straßen, sondern nur über Schotterwege erreichbar. Karlheinz Mangold blieb bei seinen Eltern, bis er im Jahr 1967 heiratete. Genau in diesem Jahr wurde im Städtchen Wehr am Südrand des Schwarzwaldes Rainer Waldvogel geboren. Er machte sein Abitur in Bad Säckingen an der Schweizer Grenze, studierte zuerst in Konstanz Maschinenbau und dann in der katholischen Universität Eichstätt Religionspädagogik sowie Heil- und Sonderpädagogik, wurde Diplom-Religionspädagoge. Dort lernte er auch seine Frau kennen, mit der er zwei Kinder hat. Sie stammt aus Ballingshausen bei Schweinfurt. Nach dem Studium war er zehn Jahre bei der St. Josefskongregation in Ursberg stellvertretender Heimleiter.

"Niebereut"

Die letzten zweieinhalb Jahre vor seinem Wechsel nach Maria Bildhausen leitete er die Einrichtung des Dominikus-Ringeisen-Werkes in Günzburg. Eigentlich hatte er in Ursberg ein Haus gebaut, "um hier zu bleiben und alt zu werden". Doch im Jahr 2006 wurde ihm die Gesamtleitung von Maria Bildhausen angetragen. Ein Jahr zuvor hatten zwei Professoren und Studenten der Fachhochschule Konstanz ein Gesamtkonzept erarbeitet, um für die künftige Entwicklung Bildhausens die Weichen zu stellen. Ein Ergebnis war, dass die Vielfalt der Filiale eine Veränderung in der Führungsstruktur erfordert. Hinzu kam, dass die bisherige Filialleiterin Schwester Hedwig aufgrund einer schweren Erkrankung ihre verantwortungsvolle Tätigkeit nicht mehr ausüben konnte. Rainer Waldvogel bekam einen Tag Bedenkzeit, sagte zu und war damit der erste Mann, der seit dem Erwerb von Maria Bildhausen durch Dominikus Ringeisen im Jahr 1897 für den gesamten Betrieb verantwortlich zeichnet. "Wir wohnen jetzt in Großwenkheim. Wir wurden herzlich aufgenommen. Ich habe es nie bereut, Maria Bildhausen zu übernehmen" sagte er.

Keine Schwestern im Kloster

In den fast 14 Jahren, in denen er nun die Anlage leitet, hat sich viel geändert. Die letzten Schwestern der Sankt Josefs-Kongregation haben Maria Bildhausen verlassen und gingen zurück ins Mutterhaus nach Ursberg. Die landwirtschaftlichen Flächen des Klosters wurden verpachtet. Der Golfplatz, der ursprünglich an den Golfclub Maria Bildhausen verpachtet war, wurde verkauft. "Sie werden alles schaffen, aber den Gasthof werden sie nicht retten können", war ihm gesagt worden. In der Tat, er wurde 2012 geschlossen, später aber in neuer Form wiedereröffnet. "Heute floriert er gut, die Behinderten machen ihren Job wunderbar" sagte Rainer Waldvogel. In Maria Bildhausen arbeiten 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Voll- oder Teilzeit für 200 behinderte Menschen, die hier leben und etwa 200 weitere, die täglich in die Werkstätten zahlreichen Werkstätten zur Arbeit kommen.

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