Maria Bildhausen
Ausstellung

Maria Bildhausen: Der Kreis erobert den Raum

Stefanie Brehm und Jaime Gajardo stellen in der ehemaligen Bibliothek in Maria Bildhausen ihre zeitgenössischen Kunstwerke unter dem Titel "Dem Himmel nahe" aus.
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Kleine Pause beim Aufbau der Ausstellung: Stefanie Brehm unterhält sich mit Thomas Pfarr über die Entstehung ihrer Kunstwerke. Thomas Malz
Kleine Pause beim Aufbau der Ausstellung: Stefanie Brehm unterhält sich mit Thomas Pfarr über die Entstehung ihrer Kunstwerke. Thomas Malz

Am Anfang war der Kreis. "Er hat bei mir immer eine Rolle gespielt", sagt Stefanie Brehm. Das tut er noch immer, denn genau genommen sind die Stelen in den Raum gezogene Kreise. Der Kreis wird dreidimensional. Jede Stele hat ihren eigenen Charakter, hat etwas menschenhaftes. Es sind Kinder darunter, Frauen und Männer. In ihren prachtvollen Farben strecken sie sich der kunstvoll bemalten Decke entgegen. Dem Himmel nahe. In der früheren Bibliothek der Zisterzienser in Maria Bildhausen stellen Stefanie Brehm und Jaime Gajardo vom 22. September bis 27. Oktober ihre Kunstwerke aus. Die Vernissage ist am Sonntag, 22. September, um 14 Uhr. Dazu sind alle Interessierten willkommen.

Der ideale Raum

Die alte Mühle, der romanische Saal oder der Gartenpavillon: Thomas Pfarr von der Galerie Pfarr im Heimatspielhaus hat schon mehrere viel beachtete Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst in besondere Räume des Klosters gebracht. Er betreut den künstlerischen Teil der Klosterakademie in Maria Bildhausen und hat zusammen mit dem stellvertretenden Gesamtleiter der Einrichtung für Menschen mit Betreuungsbedarf, Michael Nowotny, die ehemalige Bibliothek als Ausstellungsraum gewählt. Ein zweistöckiger Raum mit einem prachtvollen Deckengemälde. Er bietet viel Raum für Kunst, auch durch die riesigen Wände. Genau richtig für die großformatigen Gemälde von Jaime Gajardo und die Bilder aus eingefärbten Kunststoff von Stefanie Brehm.

"Bis vor einem halben Jahr war das eine Kapelle", sagt Michael Nowotny, der bei der Vernissage auch die Laudatio halten wird. Eine Kapelle, die schon seit 2011 nicht mehr genutzt wurde. Die frühere Bibliothek der Zisterzienser sei aber zum wesentlichen Teil bereits im 16. und 17. Jahrhundert entfernt worden. "Jetzt wollen wir den Weg umgekehrt gehen - mit der Kunst den Weg nach oben - dem Himmel nahe." Mehr verrät er erst bei seiner Laudatio.

Es braucht schon ein paar Männer, um die Stelen aus den Kisten zu befreien, in denen sie nach Maria Bildhausen gekommen sind. Stefanie Brehm hat sich voll und ganz der Keramik verschrieben. Sie möchte das Material herausheben, weg von der Gebrauchsware, hin zur Kunst. Dabei erkennt man gar nicht auf den ersten Blick, dass es Keramik ist. "Keramik ist im Kommen, das freut mich natürlich", sagt die Stefanie Brehm. Das Material wird inzwischen nicht nur von der Industrien geschätzt.

Dabei hat sich die Künstlerin ein ganz und gar nicht leicht zu händelndes Lieblingsmaterial herausgesucht. Bis eine solche Säule zum ersten Mal gebrannt wird, vergehen zwei bis drei Wochen. Die modernen Kunstwerke entstehen auf einem Urwerkzeug der Zivilisation: auf einer Töpferscheibe. Zugute kommt ihr, dass die Künstlerin vor ihrem Studium eine Ausbildung zur Keramikerin absolviert hat. Nur ein bis 1,5 Zentimeter ist der Ton dick, maximal 15 Zentimeter pro Tag wächst die Säule nach oben. Der Ton muss austrocknen, bis sie die nächste Schicht aufbringen kann. Ist die gewünschte Höhe erreicht, bekommt die Stele einen leicht gewölbten Deckel. Dann trocknet sie wieder, bis zum ersten Brand.

Dabei gibt es allerdings ein kleines Problem. In einen normalen Ofen passen diese Stelen nicht hinein. Es war ihr Glück, dass die Akademie der Bildenden Künste in München sich einen großen Keramikofen angeschafft hat. Die Temperatur entscheidet, wie dicht die Keramik wird. Einige sind bei 1050 Grad gebrannt, andere bei 1240. Grad. "Je höher die Temperatur ist, um so höher ist die Gefahr, dass der Ton reißt", sagt sie. Der Vorteil: Bei 1240 Grad gebrannte Stelen können auch im Freien aufgestellt werden.

Nach dem ersten Brand folgt der zweite Akt: die farbige Glasur. Stefanie Brehm schaut sich die Stele an: "Was verlangst Du, was Willst Du?" Dann werden die Farben gesprüht. Ein aufwändiger Akt, der sie vor allem vor eine Herausforderung stellt: "Die Farbe, die man sprüht, ist ganz anders, als das, was am Ende herauskommt." Nach dem zweiten Brand gibt es immer einen gewissen Überraschungseffekt.

Keramik ist zwar ihr Lieblingswerkstoff, aber sie hat auch noch ein zweites künstlerisches Feld: großflächige, reliefartige Bilder aus Kunststoff. "Sie kommen ohne Rahmen aus, tragen sich selbst. "Malerei und Bildhauerei verschmelzen in meiner Arbeit." So wie die verschiedenfarbigen Kunststoffe es tun.

Gewaltige Ölgemälde

Zusammen mit ihr stellt Jaime Gajardo seine gewaltigen Ölgemälde auf Leinwand aus. Es sind abstrakte Landschaften, oft chilenische. Für die gigantischen Bilder, bis zu drei mal fünf Meter groß, gibt es keine Rahmen "von der Stange". "Die baut er selbst", sagt Stefanie Brehm über ihren Ehemann. Er konnte nicht beim Aufbau der Ausstellung dabei sein, denn schließlich muss ja einer auf die gemeinsamen drei Kinder aufpassen. Mit seinen farbenfrohen Landschaften schließ sich der Kreis: Der Himmel auf ihnen berührt fast schon das Deckengemälde der ehemaligen Bibliothek - dem Himmel nah.

Thomas Pfarr hat Stefanie Brehm und Jaime Gajardo durch eine befreundete Künstlerin kennengelernt, die auch schon in Maria Bildhausen ausgestellt hat: Margit Aumüller. "Ich war von den Arbeiten und ihrer Ausstrahlung so fasziniert, dass ich sie unbedingt für eine Ausstellung in Maria Bildhausen haben wollte", sagt Thomas Pfarr. Aber nicht irgendwo. "Sie sind ideal für die Bibliothek."

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