Münnerstadt
Kreativität

Kunst statt Brennholz

Der Holzbildhauer Herbert Holzheimer macht aus einem Münnerstädter Naturdenkmal einen Meditationsbaum.
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Das Abschleifen der rauen Stellen ist eine staubige Angelegenheit. Foto: Heike Beudert
Das Abschleifen der rauen Stellen ist eine staubige Angelegenheit. Foto: Heike Beudert
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Feinster Holzstaub wirbelt in der Luft, wenn der Künstler Herbert Holzheimer in der hohlen Linde steht und dort mit der Schleifmaschine die raue Oberfläche glättet. Im Hof des Langenleitener Künstlers sieht das einstige Münnerstädter Naturdenkmal seiner künstlerischen Metamorphose entgegen. Aus dem Stamm will Herbert Holzheimer einen Meditationsbaum erschaffen. Als Herbert Holzheimer die in einem Gewittersturm umgefallene hohle Linde des Münnerstädter Hindenburgparks 2014 zu sich auf den Hof holte, hatte er bereits eine Vorstellung davon, was aus dem mächtigen Stamm werden könnte. Seitdem arbeitet Herbert Holzheimer immer wieder an seinem Meditationsbaum. Demnächst wird er dafür mehr Zeit haben. Holzheimer ist als Lehrer der Holzbildhauerschule in Ruhestand gegangen.


Immer noch fasziniert

Auch nach drei Jahren ist Herbert Holzheimer noch fasziniert von der hohlen Linde. Er habe nie einen Baum mit so vielen Windungen und Wucherungen gehabt, sagt der Bildhauer. Er findet, man sehe ihm den Kampf an, den der Baum während seines langen Lebens immer wieder durchstehen musste. Holzheimer zeigt Holzscheiben, die er aus Abfallstücken des Stammes gefertigt hat. Ursprünglich sollten sie lediglich als Brennholz dienen. Doch Holzheimer entdeckte, dass im vermeintlichen Brennholz Lebensspuren mit künstlerischem Potenzial stecken. "Manche wirken wie Röntgenaufnahmen", findet Herbert Holzheimer. Die Maserung zaubert auch Fabelwesen in das Holz. In anderen Scheiben scheint die Natur Gesichter geschnitten zu haben. Herbert Holzheimer hat sie durch seine Bearbeitung zum Leben erweckt. Die Baumscheiben der hohlen Linde waren bereits bei einer Ausstellung im Haus der Schwarzen Berge zu sehen.
Auch wenn der einstige Stamm der hohlen Linde mittlerweile schon einige Meter an Höhe verloren hat, er ist immer noch mächtig. Heuer soll der Meditationsbaum seine endgültige Form erhalten. Herbert Holzheimer will dem Stamm mehr Harmonie verleihen. Wichtig ist dem Künstler aber, dass der meterhohe Baumtorso seine Natürlichkeit behält.
Die weitere künstlerische Gestaltung der Baumhöhle soll 2018 folgen. Teile des Innenraums will Herbert Holzheimer vergolden - eine Technik, die er bei altem Holz gerne anwendet. Neue Öffnungen im Baum, die während der Bearbeitung des Stammes entstanden sind, würde Hebert Holzheimer gerne mit Buntglasfenstern verschließen. Ob dies allerdings bei einem Baum funktioniert, darüber muss er sich erst kundig machen. Mindestens ein Jahr, schätzt der Künstler, wird es noch dauern, bis die hohle Linde endgültig ein Kunstobjekt ist. Die Zeit drängt den Langenleitener nicht, denn die Bearbeitung der Linde ist keine Auftragsarbeit. Wo sie einmal ihren neuen Platz finden wird, ist völlig offen. Holzheimer fände es schön, wenn sie irgendwo im Freien und dennoch geschützt als Meditationsbaum ihren Platz findet.

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