Thundorf
Streit

Krach um die Festhalle in Thundorf

Vom Landratsamt und vom Bürgermeister fühlen sich die Mitglieder der Dorfgemeinschaft unfair behandelt.
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Streitobjekt in Thundorf: Die  Vermietung der Festhalle. Philipp Bauernschubert
Streitobjekt in Thundorf: Die Vermietung der Festhalle. Philipp Bauernschubert
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Tief sitzt der Frust im Vorstand der Dorfgemeinschaft (DG) Thundorf, bei den Mitgliedern und auch bei den zehn in der DG integrierten Ortsvereine. Enttäuscht ist man in Thundorf vor allem über das Verhalten des Bürgermeisters, von dem man sich in der Auseinandersetzung mit einigen Nachbarn der Festhalle und gegenüber dem Landratsamt im Stich gelassen fühlt. "Wenn man", so der 2.Vorsitzende Anton Bauernschubert, "auf schriftliche Anträge und Anfragen an die Gemeinde als Eigentümer der Halle und an den Gemeinderat entweder überhaupt keine Rückmeldung oder nach mehrmaliger Nachfrage nur vage Auskünfte bekommt, ist das für die zahlreichen ehrenamtlichen Aktivisten in der DG sehr deprimierend".

Mit dem Schwung des außergewöhnlichen Gemeinschaftsgefühls, das beim Bau der Festhalle in Thundorf entstanden ist, wurde am 7. Dezember 2013 der neue Verein: "Dorfgemeinschaft Thundorf in Unterfranken e.V." gegründet. Der Zweck des Vereins ist die Förderung und zeitgemäße Fortentwicklung heimatlichen Kulturgutes und Brauchtums.

Nachdem die erste vierjährige Legislaturperiode abgelaufen ist, standen nun die Neuwahlen des Vorstandes bei der jüngsten Mitgliederversammlung auf der Tagesordnung. Dabei kam es an der Spitze nach dem Verzicht des Ersten Vorsitzenden Johannes Imhäuser aus privaten und betrieblichen Gründen zum Wechsel an der Spitze. Imhäuser stand in den vier Jahren auch besonders im Brennpunkt des Nachbarschaftsstreites. An seine Stelle wählte die Versammlung bei einer Enthaltung einstimmig die bisherige Schriftführerin Sigrid Hotaling. Ihren Posten erhielt bei der Wahl Stefanie Büchner. Das war damit die einzige Veränderung im Vorstand.

Zuvor ging der bisherige Vorsitzende Johannes Imhäuser in seinem Jahresrückblick auf die vielfältigen Aktivitäten der Dorfgemeinschaft ein, immer unter dem Gesichtspunkt "Kultur, Brauchtum und Kunst". Imhäuser betonte denn auch, dass er sich beim Thema "Festhalle" von der Gemeinde in Stich gelassen fühlt. Seit einigen Jahren schwelt in dieser Angelegenheit ein Nachbarschaftsstreit "wegen angeblicher, bisher nicht nachgewiesener Lärmbelästigung".

"Für das Jahr 2017", so Imhäuser, "hatte das Landratsamt nach vielen Anzeigen und Polizeibesuchen vor allem bei privaten Veranstaltungen mehrere Lärmmessungen angekündigt. Angeblich wurde dann vom Landratsamt eine einzige Messung im Sommer des Vorjahres durchgeführt, wobei eine Einsicht in das Messergebnis nach Aussage des Bürgermeisters auch der Gemeinde vom Landratsamt verweigert wurde", so der Vorsitzende weiter.

Letztendlich veranlasste diese Messung das Landratsamt zu der Maßnahme, private Feiern in der Festhalle in den Nachtstunden von 22 Uhr bis 6 Uhr zu untersagen. Damit steht dieser beliebte Dorfmittelpunkt für diverse Anlässe wie Geburtstage und Hochzeiten nicht mehr zur Verfügung. Der schriftliche Antrag an die Gemeinde, diese Angelegenheit überprüfen zu lassen, wurde im Gemeinderat nicht behandelt.

Die Diskussion um die Nutzung der Festhalle sollte im weiteren Verlauf der Versammlung bei den Mitgliedern noch für Zündstoff sorgen, stellte der Vorstand doch zur Diskussion, ob die Fortsetzung des Mietvertrages mit der Gemeinde und das damit verbundene große ehrenamtliche Engagement noch Sinn mache. Die Überlegung, den Mietvertrag für die Festhalle mit der Gemeinde aufzulösen, wurde allerdings vom Großteil der anwesenden Mitglieder als falsche Reaktion gewertet. Vielmehr meinte die Mehrheit, man solle die Entscheidung des Landratsamtes akzeptieren, so undurchsichtig sie auch sei. Dafür sollte der Schwerpunkt auf andere Veranstaltungen, wie z.B. Firmenfeiern, Seminare und Schulungen gelegt werden. Die Frage: "Scheitert die Sperrfrist zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nur an der Lärmbelästigung?" wurde vom Vorsitzenden so beantwortet: "Es ist für uns nicht verständlich was da abläuft, wir bekommen weder vom Landratsamt noch der Gemeinde aussagekräftige Ergebnisse und Informationen, die einen solchen Schritt rechtfertigen.

Nach mehrmaliger Aufforderung gab der inzwischen eingetroffene Bürgermeister Egon Klöffel seine Antwort auf das strittige Problem. "Wir von der Gemeinde haben ein Schreiben vom Landratsamt erhalten, das wir an den Bayrischen Gemeindetag zur Prüfung weitergeleitet haben. Letztendlich wird die Sperrfrist damit begründet, dass im Gestattungsvertrag zwischen der Gemeinde und dem Verein von einer ausschließlichen Vermietung an Ortsvereine beziehungsweise Privatpersonen aus der Gemeinde und nicht an Fremde vereinbart wurde." Die Vermietung an Gäste von auswärts wurde laut Bürgermeister und Landratsamt übertrieben.

Dem widersprachen die Vorstandsmitglieder jedoch vehement . Man habe sich sogar freiwillig auf nur sieben private Veranstaltungen pro Jahr festgelegt und die restlichen Anfragen abgelehnt. "Wir können doch nicht", so abschließend der 2.Vorsitzende Anton Bauernschubert, " bei unseren beliebten Festen uns freuen über besonders viele Gäste aus nah und fern und dann unsere schöne Halle für Mieter von auswärts sperren. Entscheidend ist, ob die Feier zu Lärmbelästigung führt, egal ob ein Thundorfer feiert oder jemand von auswärts. Im Übrigen wurde die Polizei in den zurückliegenden Jahren zu jeder Feier gerufen, egal ob ein Thundorfer Hochzeit feierte oder ein Mieter von auswärts".

Der Vorstand der Dorfgemeinschaft Thundorf
Sigrid Hotaling (1. Vorsitzende), Anton Bauernschubert (2. Vorsitzender), Stefanie Büchner (Schriftführerin), Marcus Stürmer (Schatzmeister), John Hotaling (stellvertretende Schatzmeister), Kilian Schneider und Gerhard Heilmann (Kassenprüfer)
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