Großwenkheim
Problemlösung

Kompromiss beim neuen Baugebiet

Die Arbeiten am neuen Baugebiet in Großwenkheim liegen voll im Zeitplan. Eine zusätzliche Ausgleichsfläche soll den Bekassinen Platz zum Brüten bieten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bürgermeister Helmut Blank (links) und Planer Matthias Kirchner sehen sich im neuen Baugebiet in Großwenkheim um. Aufgetretene Probleme sind aus der Welt geschafft. Thomas Malz
Bürgermeister Helmut Blank (links) und Planer Matthias Kirchner sehen sich im neuen Baugebiet in Großwenkheim um. Aufgetretene Probleme sind aus der Welt geschafft. Thomas Malz
Wenn derzeit auch die Bagger auf der Baustelle ruhen, die Erschließung der elf neuen Bauplätze geht planmäßig voran. Nicht etwa ein Baustopp ist für die Ruhe verantwortlich. "Die Baufirma macht zwei Wochen Urlaub", sagt Bürgermeister Helmut Blank (CSU). Er und Planer Matthias Kirchner vom Planungsbüro Bautechnik Kirchner (Oerlenbach) sind froh, dass bei einem Treffen mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Bad Kissingen und des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen ein Konsens bezüglich des Regenrückhaltebeckens gefunden werden konnte.

Denn kürzlich hatte sich herausgestellt, dass dort, wo das Regenrückhaltebecken entstehen soll, die Bekassine, ein seltener Wiesenbrüter, lebt. "Wir haben nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, um den Baufortschritt nicht zu gefährden, aber auch das berechtigte Interesse der Naturschützer zu berücksichtigen", sagt der Bürgermeister. "Dafür bin ich sehr dankbar." Wie der Kompromiss im Detail aussieht, erläutert Matthias Kirchner. Durch das Anlegen des Rückhaltebeckens geht dem Wiesenbrüter eine Fläche verloren. Das sei zwar ein technisches Bauwerk, trotzdem könne die Bekassine dort nicht mehr brüten, weil sich das Becken immer wieder mit Wasser füllt. Um diese verlorengegangene Brutfläche auszugleichen, wird eine Ersatzfläche in Großwenkheim ausgewiesen.

Dies bestätigt auch Melanie Hofmann, Pressesprecherin im Landratsamt Bad Kissingen. "Es wurde eine einvernehmliche Lösung gefunden. Demnach wird so Wiesenbrüter-freundlich wie möglich gebaut." Das bedeute unter anderem, dass der befestigte Befahrungsweg nach Abschluss der Baumaßnahme wieder zurück gebaut werde und das Becken so wenig Fläche wie möglich beansprucht. "Die Stadt kümmert sich außerdem um entsprechende Ausgleichsflächen", teilte Melanie Hofmann mit. Damit ist dieses Problem aus der Welt.

Nicht ganz unproblematisch ist auch die Anbindung des neuen Baugebiets. Weil die Zufahrt unmittelbar neben dem Friedhof erfolgt, muss wegen der Einsehbarkeit die Friedhofsmauer versetzt werden. Helmut Blank hebt die große Unterstützung seitens der Kirchenverwaltung hervor. "Vor allem bei Burkard Ziegler möchte ich mich bedanken", sagt er. Wichtig sei bei der Versetzung, dass die Natursteinmauer wieder fachgerecht aufgebaut wird, erläutert Matthias Kirchner. "Das können nur noch ganz wenige Arbeiter." Das Glück für die Stadt Münnerstadt: Bei den Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt Wermerichshausen ist die Firma Wassermann als Subunternehmer für Ullrich-Bau tätig. Diese Firma verfügt über entsprechende Kräfte und konnte für die Friedhofsmauer gewonnen werden.

Ein leicht zu erschließendes Baugebiet ist das neue Areal in Großwenkheim ganz sicher nicht. Ein halber Kilometer Abwasserrohre ist bereits verlegt worden. Nach der Pause kommen die Wasserrohre und sämtliche Kabel an die Reihe. "Wir haben viel Glück mit dem Wetter gehabt", meint Matthias Kirchner. Denn der Boden ist sehr lehmig, bei Regen wäre es sehr schlammig. Normalerweise würde der für den Straßenbau ungeeignete Boden abgefahren und alles aufgeschottert, erläutert der Planer. Das würde aber zusätzliche Kosten für den Erdaushub und den Schotter bedeuten. Deshalb werden in die oberen 30 bis 40 Zentimeter Boden hydraulische Bindemittel eingefräst. Dann ist er für den Straßenbau geeignet.

Matthias Kirchner geht davon aus, dass das Baugebiet im Herbst fertig ist. Bis tatsächlich auf den neun städtischen und zwei privaten Bauplätzen die ersten Häuser entstehen, wird es aber wohl noch ein wenig länger dauern. "Ich weiß, dass bei manchen Stadträten eine gewisse Ungeduld herrscht", sagt Helmut Blank. Aber das liege nicht im Ermessen der Stadt. Verschiedene Ämter müssen noch tätig werden, bestätigt auch Matthias Kirchner, der einen Fachkräftemangel beklagt. "Und die Formalitäten werden immer größer."

Von den neun städtischen Bauplätzen sind sieben bereits reserviert, zwei sind noch frei, informiert der Bürgermeister. Die Kosten des Baugebiets belaufen sich auf rund einer Million Euro.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren