Münnerstadt
Bildung

Kinder sind voller Ressourcen

Rund 100 Erzieherinnen und Erzieher kamen zum 15. Weiterbildungstag der Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld am Münnerstädter BBZ.
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Eine Rose bekam Professor Marcel Romanos (rechts) von Isabelle Bühner (links) und Maria Reichert-Härder (Mitte) als Dank für sein Referat vor über 100 Erzieherinnen und Erziehern. Die beiden Damen organisierten zusammen mit Rainer Müller einen Weiterbildungstag  im BBZ Münnerstadt zum Thema "Kinder sind voller Ressourcen ... für ein gesundes Leben." Dieter Britz
Eine Rose bekam Professor Marcel Romanos (rechts) von Isabelle Bühner (links) und Maria Reichert-Härder (Mitte) als Dank für sein Referat vor über 100 Erzieherinnen und Erziehern. Die beiden Damen organisierten zusammen mit Rainer Müller einen Weiterbildungstag im BBZ Münnerstadt zum Thema "Kinder sind voller Ressourcen ... für ein gesundes Leben." Dieter Britz
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"Sie sind die Heldinnen des Alltags" - dieses Lob aus dem Mund von Peter Suckfüll, dem stellvertretenden Landrat des Rhön-Grabfeld-Kreises, hörten die über 100 Erzieherinnen und Erzieher sowie Studierenden in der Aula des BBZ (Berufliches Bildungszentrum) gerne. Sie trafen sich hier zum 15. gemeinsamen Weiterbildungstag der Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld mit dem Thema "Kinder sind voller Ressourcen ... für ein gesundes Leben." Oberstudiendirektor Harry Koch, der Leiter des BBZ, konnte unter den Gästen auch die Leiter der Gesundheitsämter in Bad Kissingen und Bad Neustadt, Dr. Ingo Baumgart und Dr. Matthias Hahn begrüßen. Über die beruflichen Schulen rede kaum jemand, kritisierte er. Dabei würden die Klassen immer heterogener. Dort sei in manchen Fällen vom Förderschüler über den Mittelschüler bis zum Abiturienten und zum Schüler mit Master-Abschluss alles vertreten, dies gelte es im Unterricht zu meistern. Der stellvertretende Bad Kissinger Landrat Emil Müller betonte, es sei wichtig, beste Bedingungen für die jungen Menschen zu schaffen. Die Erzieherinnen und Erzieher seien die ersten, die mit ihnen zu tun hätten und sollten ihre Ressourcen erkennen und fördern. Ein hoher Aufwand müsse getrieben werden, um fehlgeleitete Entwicklung wieder gerade zu richten. Peter Suckfüll lobte die bedeutende Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher für die Gesellschaft. Die Arbeit im Kindergarten werde immer komplexer und vielfältiger. Auch die gestiegenen Ansprüche der Eltern machten sie nicht immer einfach.
Die Organisatoren Isabelle Bühner und Maria Reichert-Härder (beide Gesundheitsamt Bad Neustadt) sowie Rainer Müller (Gesundheitsamt Bad Kissingen) hatten für das einleitende Impulsreferat den Würzburger Professor Dr. Marcel Romanos verpflichtet. Er ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg. Er betonte, dass nach weltweiten Untersuchungen fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) haben, rund zehn Prozent
eine Angst-Erkrankung. Der Professor hob hervor "Angst beherrscht die Menschen und die Gesellschaft, aber auch wir brauchen Ängste, um in gefährlichen Situationen adäquat einschätzen zu können ob wir fliehen oder kämpfen sollen." Er kennt Angst in der eigenen Familie: "Meine Frau findet
es gar nicht witzig, wenn eine Spinne durchs Haus krabbelt. Aber meine Kinder tragen sie mit der Hand aus dem Haus." Es sei auch ganz normal, wenn Kinder Angst in der Dunkelheit hätten. Romanos erzählte, dass er am Anfang seiner Tätigkeit als Arzt oft mit Fällen von Schulangst wegen strenger
Lehrer und Erzieher konfrontiert worden sei, lobte aber "die heutigen Erzieherinnen und Lehrer machen das ganz fantastisch." Romanov ging auch auf die sogenannte Trennungsangst ein, die auftritt wenn Kinder zum Beispiel nicht in d den Kindergarten oder die Schule gehen wollten, weil sie dadurch ihre Eltern,, vor allem ihre Mutter, nicht mehr um sich hätten. Nicht behandelte Trennungsstörungen könnten später zu Panikstörungen führen.
Ausführlich ging der Professor auf ADHS ein. Die Kinder könnten sich nicht konzentrieren, sie seien zappelig und impulsiv, dadurch würden sie überall scheitern und ins Abseits geraten. Er wies darauf hin, dass ADHS auch genetische Ursachen haben könne, denn wenn ein eineiiger Zwilling ADHS
habe, liege die Wahrscheinlichkeit, dass der andere es auch hat bei 80 Prozent. Bei zweieiigen Zwillingen liege die Rate nur bei 25 bis 30 Prozent. "Ziemlicher Quatsch" nannte er Behauptungen, dass Fernsehkonsum zu ADHS führe. Eher sei es umgekehrt. Durch ADHS nehme schon in der Jugend Adipositas (Fettleibigkeit) stark zu, Erwachsene würden viel öfter Diabetes II bekommen. Kinder mit ADHS seien mehr durch Unfälle gefährdet. Bei Erwachsenen mit unbehandeltem ADHS steige die Suchtgefahr um den Faktor fünf. Was tun gegen ADHS? Es gebe keine Belege, dass die Kernsymptome durch Verhaltenstherapie nachhaltig gebessert würden, aber durch Medikamente, hob er ausdrücklich hervor.

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