Münnerstadt
Wald

Kiefer und Fichte ohne Chance

Beim Waldbegang des Stadtrates berichtete Stadtförster Jörg Mäckler, welche Baumarten künftig favorisiert werden sollen, um den Wald zu erhalten.
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Der städtische Wald ist angesichts des Klimawandels in einem sehr schlechten Zustand. Das machte bei der Waldbegehung, zu der der Stadtrat und Bürger eingeladen waren. Dieter Britz
Der städtische Wald ist angesichts des Klimawandels in einem sehr schlechten Zustand. Das machte bei der Waldbegehung, zu der der Stadtrat und Bürger eingeladen waren. Dieter Britz
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Der ideale Baum der Zukunft für die heimischen Wälder sollte vor allem folgende Eigenschaften haben, sagt der städtische Förster Jörg Mäckler: Er sollte starke Trockenheit und wenig Wasser verkraften, sowohl hohe Temperaturen als auch Frostnächte überstehen und schließlich wenig empfindlich gegen den Mäusefraß sein. Solche Bäume werden angesichts des Klimawandels dringend gebraucht, denn die heimischen Wälder sind an sehr vielen Stellen in einem "stark frustrierenden bis besorgniserregenden Zustand", betonte der Förster bei der alljährlichen Waldbegehung des Stadtrates.

In dem Bus, den die Stadt dafür extra gechartert hatte, blieben viele Plätze leer, denn nur drei der 20 Stadträte nahmen an der Waldbegehung teil. Auch das fand der städtische Förster "frustrierend und bedenklich". Insgesamt besitzt die Stadt 996 Hektar Wald, dessen Zustand sich seit der letzten Waldbegehung im Oktober 2018 "nochmals deutlich verschlechtert hat", so Mäckler.

Bürgermeister Helmut Blank kündigte zu Beginn der Waldbegehung an, dass er dem Stadtrat vorschlagen will, in den Haushalt 2020 verstärkt Mittel für Aufforstungen einzustellen.

Förster Mäckler nannte als Zukunftsbäume in erster Linie Walnuss, Eichen, Speierling und Elsbeere, aber auch Ahorn, Spitzahorn, Bergahorn, Kirsche und Ulme. Fremde Arten wie die ungarische Eiche, die Hopfenbuche vom Balkan oder Zedern aus Nordafrika könnten ebenso Verwendung finden. Angesichts der vielen Hitzetage und Trockenheit seien Fichten und Kiefern nicht zu halten, kündigte der Förster an. Bei Douglasien und Weißtannen sieht es besser aus, zum Teil auch bei den Lärchen.

Starkregen bei trockenem Boden nütze wenig, wichtig sei langsamer Regen, der in den Boden eindringen kann.

"Erschreckend dramatisch" fanden Teilnehmer an der Waldbegehung den Zustand einiger Parzellen des Waldes auf dem Michelsberg. Viele Bäume sind durch Hitze und Trockenheit einfach verdorrt. Hier wurden sie auch mit der Rußrindenkrankheit konfrontiert. Sie befällt Ahornbäume und ist hochansteckend. Deshalb müssen alle befallenen Bäume sofort entfernt und vernichtet werden. Verkauft werden dürfen sie nicht. Die Pilzsporen können bei Menschen schwere Lungenerkrankungen auslösen. "Diese Krankheit kommt aus Bad Kissingen zu uns rüber" sagte Bürgermeister Blank.

Eigentlich sei man davon ausgegangen, dass der Spitzahorn bei Trockenheit und Hitze ein unempfindlicher Baum sei. "Man muss Glück haben, wenn die Rußrindenkrankheit nicht in den Spitzahorn geht", ergänzte Förster Mäckler. In einem Waldstück an der Staatsstraße 2445 konnte der Förster zeigen, dass Eichen mit den klimatischen Bedingungen gut zurechtkommen. "Die Baumart Eiche ist zukunftsfähig und muss gepflegt werden" erklärte er im Spitalwald. Wenig später, im städtischen Wald, zeigte er aber auch Eichen, die leider vertrocknen - "und der Weißdorn nebendran ist grün, da könnte man verrückt werden". Hier ist der Untergrund steinig und felsig.

Auch Eichen leiden unter Schädlingen, gefräßigen Raupen der Eichenprozessionsspinner, Eichenschwammspinner oder Eichenwickler. Jörg Mäckler, der nicht nur städtischere Förster in Münnerstadt ist, sondern auch Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön und Grabfeld in Bad Neustadt an der Saale, wartete bei der Waldbegehung auch mit einigen Zahlen auf. Der Anteil der Fichten im 996 Hektar großen Stadtwald habe sich in kurzer Zeit von sieben auf jetzt vier Prozent reduziert.

Letztes Jahr sei 40 Prozent des verkauften Holzes Fichte gewesen. Der Forstbetriebsplan habe für 2018 einen Einschlag von 3000 Festmeter Holz vorgesehen, wegen des vielen Schadholzes seien 1000 Festmeter mehr eingeschlagen worden. Für 2019 sei ein ähnliches Ergebnis zu erwarten. 2800 Festmeter seien bereits eingeschlagen.

Kommentar In kleineren Gemeinden gehört es zum guten Ton, dass bei Waldbegehungen so gut wie alle Gemeinderäte anwesend sind, um sich persönlich einen Überblick über den Zustand des gemeindeeigenen Waldes zu machen. In Münnerstadt ist das nicht der Fall.

Gerade einmal drei Mitglieder des Stadtrates aus zwei Fraktionen hatten am Samstagmorgen Zeit dafür. Dabei ist bekannt, dass der Klimawandel auch bei uns schlimme Folgen zeigt und hohe Schäden in den Wäldern verursacht.

Selbstverständlich gibt es gute und wichtige Gründe, dass nicht alle Stadträte teilnehmen konnten.

Und mancher hat sich auf andere wichtige Themen spezialisiert und überlässt das Thema Wald Kollegen, die sich da besser auskennen und eingearbeitet haben. Das ist in anderen Parlamenten vom Kreis- bis zum Bundestag auch nicht anders. Auch da kann nicht jeder alles machen.

Aber es wäre dem wichtigen Thema Wald angemessen gewesen, wenn zumindest aus jeder Fraktion des Münnerstädter Stadtrates ein Mitglied anwesend gewesen wäre und dann den Kolleginnen und Kollegen hätte vom Verlauf des Begangs Bericht erstatten können.

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