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In Rannungen: Üben, um ein Leben zu retten

In Rannungen wurde ein Defibrillator auf Initiative des Arbeitskreises Innenentwicklung in der Filiale der Raiffeisenbank Maßbach platziert. Bei einem Infoabend gab es eine praktische Unterweisung.
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Ein Defibrillator, der Stromschläge verteilt, kann das Leben von  herzkranken Menschen retten. Jürgen Müller vom ZTM (Zentrum für Telemedizin  Bad Kissingen, links) führte in Rannungen ein Gerät vor. Zwei Mitglieder  der Feuerwehr und ein Dummy halfen ihm dabei. Foto: Dieter Britz
Ein Defibrillator, der Stromschläge verteilt, kann das Leben von herzkranken Menschen retten. Jürgen Müller vom ZTM (Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen, links) führte in Rannungen ein Gerät vor. Zwei Mitglieder der Feuerwehr und ein Dummy halfen ihm dabei. Foto: Dieter Britz
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"Ich habe das im Fernsehen schon gesehen, wusste aber trotzdem nicht Bescheid. Jetzt weiß ich, wie das geht, das bleibt schon hängen" , freute sich eine Zuhörerin. Eine gute Stunde lang gab Jürgen Müller, Mitarbeiter beim ZTM (Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen) und hauptberuflich beim Roten Kreuz im Rettungsdienst tätig, im Rannunger Pfarrsaal Informationen über den Einsatz von Defibrillatoren, die beim plötzlichen Herztod beziehungsweise Herzkammer-Flimmern Leben retten können. Die zahlreichen Teilnehmer an dem Informationsabend bekamen auch eine praktische Unterweisung.

Bank hat Gerät finanziert

In Rannungen wurde ein solches Gerät auf Initiative des Arbeitskreises Innenentwicklung in der Filiale der Raiffeisenbank Maßbach platziert und ist dort rund um die Uhr zugänglich. Die Bank hat den Defibrillator auch finanziert. Erkennbar ist das lebensrettende Gerät an dem weißen Herz auf grünem Grund mit einem Blitz in der Mitte. Eine DIN-Norm für Defibrillatoren gibt es nicht, bemängelte Jürgen Müller, aber immerhin haben sich die Hersteller auf dieses einheitliche Symbol geeinigt.

Müller erklärte den Teilnehmern, "wenn man einen Defibrillator kennt, dann kennt man alle". Am meisten interessierte beim Informationsabend sicher die praktische Vorführung eines Defibrillators, der aussieht wie ein kleiner handlicher Werkzeugkoffer. Sobald das Gerät geöffnet wird, spricht es nach einem kurzen Selbsttest zum Benutzer und gibt ihm erste Anweisungen. Was vielleicht noch wichtiger ist: Automatisch wird eine telefonische Verbindung zur Rettungsleitstelle in Schweinfurt hergestellt. Dann kann ein Disponent aus Fleisch und Blut weitere Hilfestellungen geben und zum Beispiel den Rettungswagen alarmieren, wenn das nicht schon erledigt ist. Nachdem auf der Brust des Herzkranken die Elektroden angebracht sind, erkennt das Gerät sogar, ob der Defibrillator überhaupt eingesetzt werden muss und schaltet die lebensrettenden Stromschläge nur, wenn der Patient sie braucht. Dieses Gerät gibt per Sprachausgabe außerdem Anleitungen über die ebenfalls notwendige Herzdruck-Massage und die Mund-zu Mund-Beatmung (für alle, die sich trauen).

Einziger Fehler ist, den Defibrillator nicht einzusetzen

Kurz zusammengefasst: Der einzige grobe Fehler, der gemacht werden kann, ist, den Defibrillator nicht einzusetzen. Müller betonte mehrfach, dass Herzdruck-Massage und Defibrillator-Einsatz zusammen erfolgen müssen. Im Notfall, wenn nur zwei Menschen allein zu Hause sind, müsse sofort der Rettungswagen alarmiert werden und mit der Herzdruck- Massage begonnen werden. Dann dürfe keine Zeit damit verloren werden, den Defibrillator aus der Raiffeisenbank-Filiale zu holen und den Herzkranken in dieser Zeit allein zu lassen.

"Volle Räume habe ich gerne, das zeigt, dass das Thema die Leute interessiert", betonte Jürgen Müller zu Beginn, als er in die Runde schaute. Auch viele Mitglieder der Rannunger Feuerwehr waren gekommen, um näheres über den Einsatz von Defibrillatoren zu erfahren. Die Zeit sei beim plötzlichen Herztod ein sehr wichtiger Faktor, betonte Jürgen Müller. In Deutschland sterben pro Jahr 120.000 Menschen außerhalb der Klinik am plötzlichen Herztod, alle 30 Minuten werde in Bayern ein Mensch reanimiert. Wenn bei Herzkammer-Flimmern keine Maßnahmen getroffen werden, liege die Überlebenschance bei vier bis sieben Prozent. Mit jeder Minute sinkt die Überlebenschance um sieben bis zehn Prozent, so Müller. Bei Defibrillation innerhalb von drei Minuten beträgt die Überlebenschance 70 bis 100 Prozent und sinkt nach fünf bis zehn Minuten auf unter 50 Prozent. Die reine Fahrzeit des Rettungswagens ab Maßbach beträgt jedoch sieben Minuten, dazu kommt die Zeit zur Alarmierung, "aber wir sind nicht immer in Maßbach verfügbar, da muss der Rettungswagen aus Bad Kissingen oder Schweinfurt kommen, dann ist die Anfahrtszeit noch länger".

120.000 sterben jährlich am Herztod

Es gebe jedes Jahr 500 Tote durch Brände, deshalb seien Rauchmelder verpflichtend eingeführt worden. Außerdem kämen 3700 Menschen pro Jahr ums Leben. Das Problem der 120.000 Frauen und Männer, die in Deutschland am plötzlichen Herztod sterben, sei zahlenmäßig also viel größer. Doch werde bisher wenig unternommen. Das Zentrum für Telemedizin in Bad Kissingen sei hier aktiv geworden und biete ein "Rundum-sorglos-Paket" für die Wartung der Geräte an. Wie viele es im Landkreis insgesamt gibt, wusste Jürgen Müller nicht zu sagen: Das ZTM betreut im Landkreis Bad Kissingen 43 und im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld weitere drei. Müller geht davon aus, dass auch in Kurkliniken, Firmen und Betrieben Geräte installiert sind.

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