Münnerstadt
Netzwerk-Treffen

In Münnerstadt: Demenzkranke aktivieren und einbinden

Menschen mit Demenz möglichst gut in die Abläufe zuhause oder einer stationären Einrichtung einzubinden, darum ging es den Akteuren und Teilnehmern beim zehnten Treffen des KompetenzNetzwerks Demenz im BBZ Münnerstadt am Donnerstag.
Artikel drucken Artikel einbetten
Beim Treffen des KompetenzNetzwerks Demenz im BBZ Münnerstadt probierten die Teilnehmer einzelne Bewegungs- und Kräftigungsübungen selbst aus, um sie später leichter weitergeben zu können. Foto: Antje Rink
Beim Treffen des KompetenzNetzwerks Demenz im BBZ Münnerstadt probierten die Teilnehmer einzelne Bewegungs- und Kräftigungsübungen selbst aus, um sie später leichter weitergeben zu können. Foto: Antje Rink
+6 Bilder

Eine weitere Intension ist, Menschen mit Demenz zu aktivieren und die Verschlechterung der Symptome zu lindern oder sogar zu verhindern, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes.

Verletzungen vorbeugen

Über 30 Teilnehmer aus der stationären und ambulanten Pflege waren ebenso dabei wie verschiedene Beratungsstellen, Seniorenbeauftragte und Vertreter der Krankenkassen. Im ersten Teil bot Physiotherapeutin Nicole Müller aus Wildflecken, die auch Seniorenbeauftragte des Marktes Wildflecken ist, einen Workshop an. Zunächst informierte sie unter anderem darüber, dass Menschen mit Demenz doppelt so häufig stürzen wie nicht erkrankte ältere Menschen. Deshalb ist es wichtig, so Müller, neben der geistigen Anregung auch körperliche Aktivierung anzubieten. So kann man Stürzen und damit verbundenen Verletzungen vorbeugen.

Außerdem wird durch die Bewegung auch die Durchblutung verbessert. Und das wirkt sich wiederum heilsam auf das Gehirn aus - indem z.B. die gesteigerte Durchblutung die Regeneration von Nervenzellen ermöglicht. "Bei leichter bis mittelschwerer Demenz kann man dadurch eine Verbesserung der Symptomatik erzielen bzw. eine Verschlechterung aufhalten", führte die Therapeutin aus. Anschließend probierten die Teilnehmer einzelne Bewegungs- und Kräftigungsübungen selbst aus, um sie später leichter weitergeben zu können. Eine besondere Herausforderung stellten dabei die Koordinationsübungen zur Verbesserung des Gleichgewichtssinns dar. "Es fällt den meisten schwer, Dinge gleichzeitig zu tun", begründete Nicole Müller die Notwendigkeit der Übung. Denn Menschen mit Demenz möchten häufig Dinge gleichzeitig tun - zum Beispiel etwas tragen und dabei laufen. Das führt jedoch gerade bei Menschen mit Demenz häufiger zu Stürzen. Schult man den Gleichgewichtssinn, kann man dem vorbeugen.

Digitales Demenzregister

Das zweite wichtige Thema des Netzwerktreffens in Münnerstadt war die Vorstellung des neuen digitalen Demenzregisters Bayern (digiDEM) als Teil der Bayerischen Demenzstrategie. Davon könnten vor allem zwei ambulante Dienste, Beratungsstellen und Tagespflegeeinrichtungen finanziell profitieren. Vorgestellt wurde das digiDEM von Prof. Dr. med. Elmar Gräßel von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, der von der Leitung des Regionalmanagements des Landkreises zu dem Netzwerktreffen eingeladen wurde. Er sucht zurzeit noch Kooperationspartner vor Ort, die helfen, die Situation von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen zu erfassen.

Damit soll wissenschaftlich untersucht werden, was Menschen mit Demenz vor Ort benötigen, was sie nutzen und wofür noch Angebote fehlen. Herauskommen soll am Ende eine digitale Plattform, die es

ermöglicht, schnell Hilfen und Unterstützungsangebote vor Ort zu finden und auch die Gefährdung von pflegenden Angehörigen für Depressionen erkennen zu können. "Außerdem können sinnvoll erst mit dieser Ausgangsarbeit umfangreichere Förderprogramme aufgelegt werden, die den Ausbau von Angeboten vor allem im ländlichen Raum vorantreiben", erläuterte der Professor seinen Zuhörern. Diese stellten kritische Fragen und zeigten sich sehr interessiert. Am Ende konnte das Team von der Uni bereits erste Interessensbekundungen der Teilnehmer mit nach Hause nehmen.

Für den Austausch und die Vernetzung in der Pause, hatten die Schüler des BBZ eine kleine Ausstellung über die Möglichkeiten der Aktivierung von Menschen mit Demenz aufgebaut. Eine große Rolle spielten dabei Ansätze zur Biografie-Arbeit, die bei Menschen mit Demenz einen wichtigen Schlüssel für den Beziehungsaufbau darstellen, wie auch die stellvertretende Schulleiterin Sonja Scholz erklärte.

Nächstes Treffen

"Ich bin immer wieder begeistert von dem Angebot des Demenznetzwerkes", stellte Gabriele Rüttiger, Seniorenbeauftragte vom Markt Wildflecken, fest, "Ich finde toll, welche Tipps in den Veranstaltungen an die Hand gegeben werden und kann nur jedem empfehlen, das wahrzunehmen." Das KompetenzNetzwerk Demenz bietet seinen nächsten Themenabend "In Liebe und Wut - Demenz annehmen und verstehen" am 13. November, 18.30 Uhr, im Pfarrheim Rannungen an. Der Eintritt ist kostenfrei. Fragen zur Netzwerkarbeit und zum letzten Treffen können an Antje Rink, Projektmanagement "Generation V-Z", Landratsamt Bad Kissingen, Tel.: 0971/8015 201, gerichtet werden.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren