Münnerstadt
Waldbegang

Im Stadtwald sieh es düster aus

Die lang anhaltende Trockenheit hat sich verheerend auf den Stadt- und Stiftungswald ausgewirkt. Der Borkenkäfer hat leichtes Spiel.
Artikel drucken Artikel einbetten
Beim Waldbegang der Stadt Münnerstadt und der Juliusspital-Stiftung  erfuhren die Teilnehmer, dass Hitze und Trockenheit im Sommer, der Sturm  "Friederike" im Januar und der Borkenkäferbefall große Schäden angerichtet  haben. 3. Von links im Vordergrund Stadtförster Jörg Mäckler. Hinter ihm  Bürgermeister Helmut Blank. Dieter Britz
Beim Waldbegang der Stadt Münnerstadt und der Juliusspital-Stiftung erfuhren die Teilnehmer, dass Hitze und Trockenheit im Sommer, der Sturm "Friederike" im Januar und der Borkenkäferbefall große Schäden angerichtet haben. 3. Von links im Vordergrund Stadtförster Jörg Mäckler. Hinter ihm Bürgermeister Helmut Blank. Dieter Britz
+1 Bild

Heißt es sehr bald "Fichte ade, Scheiden tut weh"? Beim gemeinsamen Waldbegang der Stadt Münnerstadt und der Juliussppital-Stiftung zeichnete Stadtförster Jörg Mäckler ein düsteres Bild vom Zustand des Waldes. Die Teilnehmer erfuhren, dass die lange extreme Trockenheit und die Hitze in diesem Sommer, der Käferbefall und das Orkantief "Friederike" am 18. Januar 2018, das stärkste seit "Kyrill" exakt elf Jahre zuvor, an vielen Stellen sehr großen Schaden angerichtet haben. Gelitten haben vor allem die Fichten-Bestände in den 992 Hektar Stadt- und 52 Hektar Spitalwald, hieß es immer wieder, aber natürlich machen diese Probleme auch vor dem Privatwald nicht halt.

Zum Schluss des Waldbegangs übergab Forstdirektor Bernhard Zürner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), Außenstelle Bad Kissingen den neuen Forstbetriebsplan, mit dem nun die nächsten 20 Jahre gewirtschaftet werden soll.

Eingeladen zu diesem Waldbegang am Samstagmorgen waren alle Stadträte. Im Bus war allerdings noch viel Platz, denn Zeit dazu hatten nur vier (einschließlich Ortssprecher). Der Stiftungsrat, dem Bürgermeister Helmut Blank, Pater Markus Reis und Staatssekretär a.D. Eduard Lintner angehören, war hingegen komplett vertreten. Die Fahrt führte zunächst in die Wälder südwestlich der Schindbergstraße, auf beiden Seiten der B287. Westlich der Bundesstraße befindet sich auch der Spitalwald mit zwei Windrädern im Gebiet "Katzenberg". Danach ging es in den Wald nach Wermerichshausen in der Nähe des Tierheims Wannigsmühle. Stadtförster Jörg Mäckler betonte bei der Begrüßung, dass 2018 ein extremes Trockenjahr gewesen sei, denn von April bis September fielen weniger als 100 Liter Wasser auf den Quadratmeter. "Darunter leiden vor allem die Fichten-Bestände. Fichten leiden kolossal unter Wasser-Stress, aber auch die anderen Bäume sind vom Wassermangel betroffen" hob er hervor. Durch den Wassermangel seien die Fichten geschädigt worden, wodurch wiederum Borkenkäfer leichtes Spiel gehabt hätten.

Vor kurzer Zeit noch betrug der Fichtenbestand in den Wäldern sieben bis acht Prozent, aktuell sind es vier Prozent. Er rechnet damit, dass diese Zahl schon im kommenden Jahr weiter auf ein bis zwei Prozent absinkt. Dort wo es nennenswerte Fichtenbestände gebe, sei auch ein starker Borkenkäferbefall zu verzeichnen. Der Einschlag an Fichtenholz bringe bisher über 40 Prozent der Einnahmen, "die sind Zukunft nicht mehr da". Durch das angefallene Borkenkäfer- und Sturmholz seien seit Monaten die Sägewerke überlastet und der Holzmarkt wegen der großen Holzmengen komplett zusammengebrochen. "Der Käfer macht vor nichts Halt, befallene Bäume müssen auch im Privatwald schnell raus, um weitere Verbreitung zu verhindern" hob er hervor. Das Kronen-Material dürfe nicht im Wald liegen bleiben.

Auch Laubbäume sind durch Schädlinge gefährdet, besonders wenn sie durch Trockenheit geschädigt sind. Mäckler zählte Frostspanner, Eichenwickler, Eichenprozessionsspinner oder Eichenschwammspinner auf, deren Raupen die Blätter abfressen und die Bäume dadurch schädigen oder gar zerstören. Jörg Mäckler konnte aber auch berichten, dass nun Laubholz wie Eiche oder Buche sehr begehrt und deshalb teuer ist. "Die Eiche steigt preislich seit sieben Jahren an, denn die Nachfrage für Parkett oder Möbel aus Eiche zieht wieder an. Es gibt eine richtige Renaissance. Die Eiche ist die Baumart, die richtig Geld bringt" betonte er.

"Wir arbeiten voll in der Natur, aber trotzdem mit Plänen" hob Forstdirektor Bernhard Zürner hervor, als er ganz zum Schluss des Waldbegangs beim Bienenhaus die Forstbetriebspläne für den Stadt- und den Spitalwald an Bürgermeister Helmut Blank und Stadtförster Jörg Mäckler übergab. Beide Pläne waren 2016/2017 zusammen erarbeitet worden, Stadt und Spital teilten sich die Kosten. Sie enthalten einerseits eine Inventur über die letzten 20 Jahre, andererseits soll nach den darin enthaltenen Vorgaben in den nächsten 20 Jahren gearbeitet werden.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren