Münnerstadt
Rückblick

Horst Schmidts gute Erinnerungen an Remog

Horst Schmidt war 1956 bis 1970 Mitarbeiter bei der Firma Remog und berichtete im Erzählcafé aus dieser Zeit. Sein Herz hängt immer noch an Münnerstadt.
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Horst Schmidt (links) war 1956 bis 1970 Mitarbeiter bei der Firma Remog und  berichtete im Erzählcafé von Sankt Elisabeth aus dieser Zeit. Baldur Kolb  dankte ihm in flüssiger Form. Foto: Dieter Britz
Horst Schmidt (links) war 1956 bis 1970 Mitarbeiter bei der Firma Remog und berichtete im Erzählcafé von Sankt Elisabeth aus dieser Zeit. Baldur Kolb dankte ihm in flüssiger Form. Foto: Dieter Britz

Wenn Horst Schmidt an seine Zeit bei der Firma Remog in Münnerstadt zurückdenkt, dann gerät er regelrecht ins Schwärmen: "Rudolf Erich Müller war ein sehr guter Chef. Es gab dort Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Geburtstagsgeld. Zwei Mal hat er allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 14 Tage Urlaub am Chiemsee und am Wolfgangsee spendiert." Mit dem inzwischen 78-jährigen früheren Remog-Mitarbeiter, der vor fast 50 Jahren nach Thüngen bei Karlstadt wechselte, startete im Seniorenzentrum Sankt Elisabeth die Erzählcafé-Saison 2019/20. Baldur Kolb begrüßte ihn mit der Bemerkung "wir kennen uns von Kindheit an".

Unter den zahlreichen Besuchern waren aber auch frühere Arbeitskollegen von Horst Schmidt, und der freute sich über "Kollegen, die ich seit fast 50 Jahren nicht mehr gesehen habe". Horst Schmidt, Jahrgang 1941, erzählte, dass er in Liegnitz (heute Polen) geboren wurde. 1946 flüchtete er mit seinen Eltern und Geschwistern über Österreich nach Franken. Zuerst landeten sie in Großwenkheim. Dort hatten sie ein Zimmer mit einer großen Matratze und Strohsäcken. Er erinnerte sich: "Zu Weihnachten brachte uns der Pfarrer ein paar Heiligenbildchen." Später zogen sie nach Münnerstadt in die Bahnhofstraße. In dieser Zeit half der zehnjährige Bub schon in der Landwirtschaft mit. Später konnte die Familie in ein Haus des Landkreises in der Karlsbergstraße ziehen.

Ausbildung zum Mechaniker

Nach der Volksschule brauchte Horst Schmidt er einen Ausbildungsplatz, aber es war schwer einen zu finden. "Das Arbeitsamt hat nur Lehrstellen vermittelt, die keiner wollte, wie Metzger oder Bäcker", erinnerte er sich. In den größeren Firmen bekamen fast nur diejenigen Lehrstellen, deren Vater hier schon beschäftigt war. Horst Schmidt bewarb sich bei Remog "obwohl ich gar nicht wusste, was die machen". Als 15-jähriger begann er dort seine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Mechaniker in der alten Mühle. "Die Maschinen waren alt. Wir hatten im Haus keine Toilette und mussten im Freien auf ein Plumpsklo gehen", erinnerte er sich. Und "wir durften keine Brotzeit liegen lassen, denn die hätten die Ratten von der nahen Lauer geholt". Als Lehrling bekam er sechs Mark pro Woche. Als er ausgelernt hatte, erhielt er zuerst einen Stundenlohn von 90 Pfennig und dann von einer Mark. "Das war viel Geld", rechnete er vor, denn er kam auf 200 Stunden pro Monat. Montags bis freitags wurde zwischen 7 und 18 Uhr gearbeitet, samstags bis 15 Uhr. Die Abzüge waren mit 30 Mark gering, blieben also etwa 170 Mark. Damals kostete ein Bier 50 Pfennig, ein Liter Bier 45 Pfennig. Über seinen damaligen Chef und dessen soziale Ader lässt er nichts kommen: "Herr Müller brachte immer Arbeit bei. Rexrodt zahlte zu wenig. Müller konnte es sich leisten, deshalb halbfertige Teile vor die Türe zu stellen."

Ehrenamtlich beim Roten Kreuz

Schmidt erzählte auch, dass er beim Roten Kreuz ehrenamtlich tätig war und nach Lehrgängen, die er absolviert hatte, viele Leute in Münnerstadt und Nachbargemeinden in Erster Hilfe ausgebildet hat. Kolonnenführer des Roten Kreuzes war damals Bernhard Brust, der es sich nicht nehmen ließ, den Vortrag seines früheren Rotkreuz-Kollegen zu besuchen.

Wechsel nach Thüngen

Da die Aufstiegsmöglichkeiten dort besser waren, wechselte Horst Schmidt im Jahr 1970 nach Thüngen bei Karlstadt und wurde in einem Unternehmen Werkmeister und Abteilungsleiter. Seine Frau gründete ein zuerst kleines Schreibwarengeschäft, das zum größeren Unternehmen für Schreibwaren und Büromaschinen mit 40 Beschäftigten wurde und heute von einem Sohn geführt wird. Dort half er bis zum 74. Lebensjahr mit. "Mein Herz hängt immer noch an Münnerstadt", betonte Schmidt zu seinen vielen Zuhörern, von denen ihn noch viele kennen. Deshalb kommt er öfter zu Klassentreffen, Stammtischen und auch Beerdigungen. Und er informiert sich auch regelmäßig über die Lage bei Remog und klagte: "Ich finde es beschämend, dass eine Firma, die so groß geworden ist, kaputt gemacht worden ist. Ich kann das nicht verstehen. Die Arbeitsplätze werden nach Polen verlagert, weil der Stundenlohn 50 Prozent geringer ist. Ich bin sehr traurig für die Mitarbeiter, die hier arbeiten."

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