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Münnerstadt: Herrleins Werk ist nicht vergessen

Viele Straßen in Münnerstadt tragen die Namen einstiger örtlicher Persönlichkeiten. Eine Serie verrät, welche Person hinter dem Straßennamen steckt.
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Die Peter-Herrlein-Straße nördlich des Hindenburg-Parks erinnert an den  Kirchenmaler, der im Jahr 1722 in Münnerstadt geboren wurde.   Dieter Britz
Die Peter-Herrlein-Straße nördlich des Hindenburg-Parks erinnert an den Kirchenmaler, der im Jahr 1722 in Münnerstadt geboren wurde. Dieter Britz
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Nicht weniger als 210 Straßen, Wege, Gassen und Plätze, die einen Namen tragen, gibt es in Münnerstadt einschließlich der Stadtteile. Mal heißen sie schlicht Bahnhofstraße, An der Tränke oder Bauerngasse, mal sind sie nach berühmten und bekannten Persönlichkeiten wie Pfarrer Adolf Kolping oder dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuß benannt. Aber vor allem weniger bekannte Leute und Lokalgrößen wie August Neumann, Kilian Pfennig oder Johann Peter Herrlein standen für die Namensgebung Pate. Sie möchten wir in nächster Zeit im Rahmen einer kleinen Serie vorstellen.

Die Peter-Herrlein-Straße nördlich des Hindenburg-Parks ist eine nur 210 Meter lange Wohnstraße, die als Sackgasse den Bewohnern in den Häusern links und rechts der Straße Ruhe garantiert. Auch in Bad Kissingen, Großbardorf, Schweinfurt und Saal an der Saale sind nach dem am 24. August 1722 in Münnerstadt geborenen Maler Straßen benannt.

Herrleins Vater kam aus Hammelburg, der Nachname ist dort noch heute weit verbreitet. Dieser arbeitete zunächst in Münnerstadt und ab 1732 in Kleinbardorf als Bäcker und Fassmaler (das ist eine alte Bezeichnung für Handwerker, die Holzplastiken bemalen und vergolden). Seine Mutter Justina, eine geborene Apel, war eine Münnerstädter Bäckerstochter. Der Vater bildete nicht nur seinen Sohn Johann Peter, sondern auch zwei weitere Söhne als Maler aus.

Spätestens ab 1732 lebte die Familie in Kleinbardorf. Ob Johann Peter zeitweise als Malergehilfe in Wien gearbeitet hat, ist umstritten. Sicher ist aber, dass er ab 1749 in Kleineibstadt lebte, wo er seine Werkstatt hatte und von wo aus er seine vielfältige künstlerische Tätigkeit in ganz Unterfranken und darüber hinaus entfaltete.

In diesem Jahr heiratete er auch die Müllerstochter Katharina Först, die 1772 starb. 1781 heiratete er erneut. 1757 scheiterte sein Versuch, eine Anstellung am Hof in Fulda zu bekommen. Kurz vor seinem Tod am 25. Februar 1799 zog er zu seinem Sohn Andreas nach Saal an der Saale.

Johann Peter Herrlein war einer der führenden unterfränkischen Künstler des 18. Jahrhunderts. Von ihm stammen zahlreiche Decken- und Altarbilder in Kirchen im nördlichen Unterfranken, ebenso Kreuzwege und Heilige Gräber. Obwohl er bereits 220 Jahre tot ist, sind noch viele seiner Kunstwerke erhalten geblieben. Sehr bekannt ist das Heilige Grab, das er für seine Heimatstadt Kleineibstadt schuf. Es steht heute als Leihgabe im Diözesanmuseum in Würzburg.

Kunstwerke von Johann Peter Herrlein findet man auch in der näheren und weiteren Nachbarschaft, zum Beispiel in Nüdlingen (Martyrium des heiligen Kilian und seine Gefährten), Leutershausen (Heiliger Wendelin) oder in Großwenkheim, Althausen, Stadtlauringen oder Sontheim vor der Rhön. Vor allem arbeitete er im katholischen Kirchen, aber auch Kunstwerke in evangelischen Gotteshäusern stammen von ihm. Und in seiner Geburtsstadt Münnerstadt? Im Henneberg-Museum hängt als Leihgabe aus Privatbesitz ein als "Pythagoras" bezeichnetes Idealporträt des gleichnamigen griechischen Philosophen, heißt es in einer älteren Ausgabe der Zeitschrift "Frankenland". Das Gemälde befindet sich noch immer dort, bestätigte Museumsleiter Nicolas Zenzen.

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