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Großwenkheim
Ehrenamt

Großwenkheimer Einsatz für die Völkerverständigung

Reservistenkameradschaft kümmert sich um die Denkmäler des Krieges von 1870/71 in Frankreich
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Eine Herausforderung für das "Aufräumteam" aus Großwenkheim war dieser riesige Ast, selbst ein halber Baum. Richard Schleier (von rechts), Martin Ziegler und Günther Behr mussten in Ermangelung einer Motorsäge dem dicken Ast mit einer Handsäge zu Leibe rücken. Links im Bild: Benno Trost, der das hohe Gras schnitt. Foto: Paul Ziegler
Eine Herausforderung für das "Aufräumteam" aus Großwenkheim war dieser riesige Ast, selbst ein halber Baum. Richard Schleier (von rechts), Martin Ziegler und Günther Behr mussten in Ermangelung einer Motorsäge dem dicken Ast mit einer Handsäge zu Leibe rücken. Links im Bild: Benno Trost, der das hohe Gras schnitt. Foto: Paul Ziegler
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Es ist ein geschichtlich bedeutsames Gelände, auf dem sich die Reservisten aus Großwenkheim in diesem Jahr bewegen. Gravelotte, St. Privat, Mars la Tour ... hier im Osten Frankreichs, in Lothringen und an der Mosel, in der unmittelbarer Umgebung der Regionalhauptstadt Metz, findet man die größte Dichte militärischer Denkmäler in Europa. Verständlich, dass in dieser Region die Hilfe bei der

Pflege und Instandhaltung dieser Anlagen durch eine Reservistenkameradschaft gerne

angenommen wird. Die Verantwortlichen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK) haben vor diesem Hintergrund die Reservisten aus Großwenkheim wegen ihrer Erfahrungen und der

vorhandenen Ortskenntnis aus dem vergangenen Jahr erneut gebeten, in dieser Region

tätig zu werden. Zwei Gruppen zu je acht Mann fuhren vom 1. bis 12. April nach Metz, um

sich um die Denkmäler des Krieges 1870/71 zu kümmern.

"Mehr als 80 davon gibt es in meinem Zuständigkeitsbereich", so der Verantwortliche und Mitarbeiter des VDK vor Ort, Eric Schuster. Davon haben die Reservisten in zwei Wochen nicht weniger als 39

"bearbeitet": Die Anlagen wurden gesäubert, von herabgefallenen Ästen befreit, Gras

geschnitten, Metallzäune gereinigt, Inschriften erneuert, Bäume zurückgeschnitten.

Der effiziente Einsatz der Reservisten war in diesem Jahr einer besonders guten

Vorbereitung geschuldet: Die Erinnerungs-Denkmäler sind weit über die Landschaft

verstreut. Dank guten Kartenmaterials und einer ebenso guten Beschreibung der Anlagen

konnte man jeden Tageseinsatz so planen, dass die Fahrzeiten zwischen den

Einsatzstellen deutlich minimiert wurden.

So blieb mehr Zeit für die Arbeit an den

Denkmälern. "Das war heuer sehr effektiv", so Richard Schleier, der Chef der zweiten Gruppe.

Die beiden Gruppen der Reservistenkameradschaft Großwenkheim sind inzwischen

eingespielte Teams, sie arbeiten seit mehreren Jahren zusammen, "es ist ein blindes

Verständnis", so Martin Ziegler. Uns so blieb ein wenig Zeit, die Geschichte der

Denkmäler ein wenig zu verinnerlichen.

Wie beim Denkmal 33 bei Gravelotte. Auf einer Anhöhe steht ein großer Stein, in den folgendes eingemeißelt wurde: "Von dieser Stelle aus leitete König Wilhelm die Schlacht am 18. August 1970". Zur Erinnerung: Auslöser des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 war der Streit zwischen Frankreich und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens um die spanische Thronfolge. Es kam zum Krieg. Preußens König Wilhelm I. zog höchstpersönlich in die Schlacht. Um

Gravelotte herum standen sich 1870 insgesamt 400 000 Soldaten gegenüber, der König an der Spitze. Mehrere Tage lang wurde erbittert gekämpft, die Deutschen waren am

Ende siegreich, unter hohen eigenen Verlusten. Sowohl die überlebenden Soldaten, wie

auch die Familien vieler adeliger Kriegsteilnehmer ließen nach dem Krieg Denkmäler zu

Erinnerung an die Gefallenen und der besonderen Ereignisse errichten. Wie das Denkmal

33. Nachdem die Großwenkheimer Reservisten hier waren, erstrahlt es wieder in neuem

Glanz.

Die meisten dieser Denkmäler liegen verstreut in den Flur, allerdings immer an den

historischen Schauplätzen. Ein imposantes Monument, um das sich die Großwenkheimer auch

kümmerten, war das Mausoleum des 8. Jägerbataillons Rheinland-Pfalz. Hintergrund:

Am 18. August 1870 fanden im Tal der Mance, wo das Denkmal steht, sehr heftige,

blutige und verlustreiche Kämpfe statt. Die Überlebenden des 8. Jägerbataillons ließen

hier ein Mausoleum errichten, das 1897 eingeweiht wurde (Lothringen gehörte damals

noch zu Deutschland). In dem Mausoleum liegen die Überreste der in jenem Kampf

gefallenen Soldaten begraben.

Als die Reservisten aus Deutschland jetzt vor Ort waren, lag hier das Laub der letzten Jahre, das Mauerwerk war stark vermoost. Mit Bürsten und Rechen wurde die Anlage gesäubert.

"Wir können diese Denkmäler nicht mehr pflegen", so Eric Schuster bei der Abschlussbesprechung im VDK-Stützpunkt in Fresnes-en-Woëvre. "Wir haben nicht genug Personal dafür, deshalb sind wir auf die Unterstützung der Reservisten angewiesen." Die Gruppen leisteten gute Arbeit, "da bin ich sehr zufrieden", bestätigte er.

Zufrieden mit diesem Lob traten die Großwenkheimer Reservisten Erich Fries, Alfred Veeth, Alfred Schodorf, Gerhard Freibott, Edgar Schlembach, Helmut Hesselbach, Heribert Gessner, Christoph Schlembach, Richard Schleier, Herbert Schleier, Günther Behr, Benno Trost, Martin Ziegler,

Norbert Ziegler, Paul Ziegler und Alfred Veeth die Heimreise an. Unterstützt wurden sie von Tobias Pauli und Gabriel Kleinvon der Bundeswehrkaserne Volkach - sie waren als Fahrer eingesetzt und packten auch zu.

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