Großwenkheim
Feldversuche

Großwenkheim: Ein Gewinn für Mensch und Natur

Wildpflanzenmischungen haben einen zweifachen Nutzen: Sie können in Biogasanlagen genutzt werden und bieten Tieren attraktive Lebensräume.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kornelia Marzini (von links) von der LWG und Karl Schwarz vom BN an den Blühflächen in Großwenkheim. Foto: Elisabeth Assmann
Kornelia Marzini (von links) von der LWG und Karl Schwarz vom BN an den Blühflächen in Großwenkheim. Foto: Elisabeth Assmann

Bei einer Exkursion mit dem Bund Naturschutz im Rahmen des vom bayerischen Umweltministeriums geförderten BN-Umweltbildungsprojektes "Unser Essen unser Klima" berichtete Versuchsleiterin Kornelia Marzini von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim (LWG) vor Ort in Großwenkheim über die Forschung und die Ergebnisse der Feldversuche zu Wildpflanzenmischungen statt Maismonokulturen für Biogasanlagen. Dieses Leuchtturmprojekt startete auf der Fläche der Landwirtin Margit Ziegler und wurde mitinitiiert vom Bund Naturschutz ,dem deutschen Imkerbund und der Agrokraft GmbH.

Die Vermaisung der Landschaft führte zu einer Abnahme der Strukturvielfalt in der Feldflur. Darunter leiden die Wildtiere der Agrarlandschaft wie Feldhase und Rebhuhn ebenso wie zahlreiche andere Vogelarten und Insekten. Ein besonderes Problem für die Honigbiene ist der Mangel an Blütentracht im Sommer.

Seit 2008 entwickelt die LWG zusammen mit Projektpartnern artenreiche mehrjährige Wildpflanzenmischungen für die Biogasproduktion. Die Saatmischungen aus 15 b is 25 Pflanzenarten werden in verschiedenen Standortvarianten erprobt, zum einen nur mit heimischen Wildpflanzenarten, zum anderen auch mit fremdländischen Arten. Diese Wildpflanzenmischungen stellen eine sinnvolle Kompromisslösung dar, die einerseits eine ökonomische Biogasproduktion ermöglicht, andererseits den Tieren der Agrarlandschaft noch attraktive Lebensräume bietet und außerdem zu einem positiven Image des Energiewirts beiträgt. "Unser Forschungsziel ist, Masse für die Biogasanlage zu produzieren und gleichzeitig die Biodiversität auf den Blühflächen zu erhöhen," erläutert Marzini. An einzelnen Pflanzen erklärte sie, dass es gar nicht so einfach ist, eine über mehrere Jahre gleichzeitig ertragreiche und übers Jahr verteilt blühende Saatmischung zu erzeugen. So gibt es stark wuchernde Pflanzen wie Rainfarn und Beifuß, die andere verdrängen. Da die Bodenverhältnisse in den Regionen unterschiedlich sind, wird an verschiedenen Mischungen geforscht. Wichtig sei auch die Bodenvorbereitung, denn aufkommende Gräser verdrängen die Blühpflanzenmischungen. Für das Klima sind nachhaltige Blühmischungen zur Energieerzeugung sehr positiv zu betrachten.

Als weiterhin positiv ergab sich bei den Untersuchungen der LWG, dass Blühflächen auch als Nitratfilter rund um Wasserbrunnen wirksam sein können. "Dieser aktive Trinkwasserschutz wird immer wichtiger", erläutert Marzini. Auf den Flächen wird nur organisch gedüngt. Es ist auch kein Pflanzenschutz notwendig.

Die Nachblüte nach der Ernte auf diesen Blühflächen ist für Insekten sehr attraktiv. Hauptvorteil dieser Blühflächen ist, dass die jährliche Aussaat wegfällt. Der Boden wird für mindestens fünf Jahre nicht umgebrochen. "Das ist für Kleinsäuger wichtig", erläutert Karl Schwarz vom Bund Naturschutz. "Diese Flächen bieten nicht nur im Sommer, auch im Winter Schutz für Wildtiere."

Karl Schwarz erfasst die Entwicklung der Fauna auf diesen fünf Blühflächen alle drei Wochen je zwei Vormittage und ist begeistert. Der Versuch steht im dritten Jahr. Hier brüten Dorngrasmücke, Sumpfrohrsänger, Feldlerchen, Goldammern und die seltenen Blaukehlchen. "Wir erzeugen hier auf Dauer erneuerbare Energien und schaffen hier gleichzeitig großflächige Biotope. Das ist zu verstärken", unterstützt Schwarz das Engagement der teilnehmenden Landwirte und der Versuchsleiterin Marzini.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren