Thundorf
Tradition

Frühmorgens ist ein ganzes Dorf auf Knien

Eine Demonstration gelebten Glaubens erleben Besucher bei der Fronleichnamsprozession am Donnerstag, 20. Juni in Thundorf.
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Vollen Einsatz beweist die Thundorfer Dorfbevölkerung an Fronleichnam frühmorgens, um die Blumenteppiche bis zur Prozession rechtzeitig fertig zu stellen.Philipp Bauernschubert
Vollen Einsatz beweist die Thundorfer Dorfbevölkerung an Fronleichnam frühmorgens, um die Blumenteppiche bis zur Prozession rechtzeitig fertig zu stellen.Philipp Bauernschubert
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Bereits am frühen Morgen, teilweise schon ab 4.30 Uhr ist ein ganzes Dorf auf den Beinen, bzw. auf den Knieen, um rund um das Dorf einen achtzig Zentimeter breiten Blumenteppich auf etwa zwei Kilometer zu legen. Dass es so etwas noch gibt, bei immer leerer werdenden Kirchen und viele mit dem Fronleichnamsfest nichts mehr anfangen können, ist bewundernswert. Hauptsache ein Feiertag, denken viele, wo ich frei habe und nicht zur Arbeit muss. Dabei ist Fronleichnam mehr, als nur Tradition, es ist eine Verehrung des Allerheiligsten.

Schon Tage vorher werden Blumen und Blüten gesammelt und das nicht nur in der näheren Umgebung und den heimischen Gärten. Auf Initiative der Dorfgemeinschaft Thundorf fahren einige sogar in die Hochrhön, um dort mit Genehmigung des Landschaftspflegeverbandes Lupinen zu pflücken, um genügend Blumen für den Blumenteppich zu haben. Dieser wird in der Straßenmitte ausgelegt und das seit 1948. Laut Bürgermeister Egon Klöffel fiel die Prozession seither dreimal aus.

Der Blumenteppich wird in zwei verschiedenen Varianten gelegt. Während rund um den Ort Gras genommen wird, wird in der Esther-von-Rosenbach-Straße gefärbtes Sägemehl verwendet. Bei dieser Variante benötigt man ganze Wagenladungen an Sägemehl und einen Betonmischer für das einfärben.

Für das Auslegen des Streifens sind die Männer und Jungen zuständig. Mit extra angefertigten Schablonen legen sie ein Feld nach dem anderen und füllen es mit Gras bzw. Sägemehl, sodass ein gleichmäßiger Streifen entsteht. Anschließend kommen die Frauen und Mädchen, die für die Feinarbeiten zuständig sind. Mit viel Fantasie zaubern sie Motive und Ornamente in den Teppich und lassen das Werk in einem einzigen Blütenmeer erstrahlen. Besonders aufwendig werden die Motive vor den vier Fronleichnamskapellchen mit Blumen und Kerzen gestaltet. Es geht alles Hand in Hand, jeder weiß was er zu tun hat.

Ruhig und gelassen gehen alle ihrer Arbeit nach. Hinkt mal ein Straßenabschnitt zeitlich hinterher oder hat zu wenig Helfer oder Blumen, sind andere bereit um einzuspringen. Jetzt werden noch die Fahnen aufgestellt und aufgehängt, dann heißt es fertig machen zum Prozessionsgang, der um 8 Uhr startet. Auch hier haben viele eine Aufgabe, als Ministranten, Vorbeter, Musikanten. Den sogenannten Himmel und die dazu gehörigen Laternen werden von Mitgliedern des Gemeinderates getragen, so war es schon von je her.

Passend zum aktuellen Thema "Mehr Frauen in der Kirche", beteiligen sich auch die beiden Gemeinderätinnen Judith Dekant (2. Bürgermeisterin) und Sigrid Hotaling. Im Mittelpunkt steht jedoch die Monstranz, die mit der Hostie von Pfarrer Gerhard Stöger durch die Straßen getragen wird. Auf Initiative von Gustav Braun kommen in den letzten Jahren auch Priester aus Thüringen, denn dort gibt es keinen Feiertag. Gerhard Stöger stammt aus Bad Langensalza und war bereits 2017 schon einmal in Thundorf als Gastpfarrer bei der Fronleichnamsprozession dabei.

Seit vergangenem Jahr wird der komplette Blumenteppich nach dem Gottesdienst nicht vollständig weggeräumt, sondern es bleiben Teilstrecken für Besucher noch eine Zeit lang erhalten. Ebenfalls neu ist seit letztem Jahr, dass die Dorfgemeinschaft Thundorf in der Festhalle nach dem Umgang und des Gottesdienstes ein Weißwurstessen anbietet.

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