Münnerstadt
Veränderung

Friedhöfe im Wandel zum Ort der Trauerverarbeitung

Zum Tag des Friedhofs 2019 unter dem Motto "Leben Lachen Freude" gab es für die Bürger einen Rundgang im Münnerstädter Friedhof mit vielen Infos und der Frage, wie sieht der Gottesacker 2030 aus.
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Eine Gruppe von Bürgern ließ sich im Rahmen des "Tag des Friedhofs 2019"  von Bürgermeister Helmut Blank (4. von links) Friedhofsreferent Klaus  Schebler (rechts daneben) und Bernd Hochrein (rechts), der bei der Stadt  für das Bestattungswesen zuständig ist, über den Münnerstädter Friedhof  informieren. Foto: Dieter Britz
Eine Gruppe von Bürgern ließ sich im Rahmen des "Tag des Friedhofs 2019" von Bürgermeister Helmut Blank (4. von links) Friedhofsreferent Klaus Schebler (rechts daneben) und Bernd Hochrein (rechts), der bei der Stadt für das Bestattungswesen zuständig ist, über den Münnerstädter Friedhof informieren. Foto: Dieter Britz

Wie sieht die Zukunft der deutschen Friedhöfe aus? Eingerichtet wurden sie, als Erdbestattung in Särgen der Normalfall war. Heute werden 70 Prozent der Toten verbrannt, das gilt auch für Münnerstadt. Diese Verstorbenen bekommen ihre letzte Ruhe in Urnengräbern, Urnenwänden, unter einem Baum. Friedwälder weit außerhalb der Gemeinden sind eine zusätzliche Konkurrenz für die normale Erdbestattung.

Dazu kommt die demografische Entwicklung. Die Folgen sieht jeder bei einem Gang über einen beliebigen Friedhof: Es gibt sehr viele ungenutzte Flächen, dort wo Gräber aufgelassen wurden. Sie müssen dann vom Friedhofsbetreiber, also meist der Stadt oder Gemeinde gepflegt werden. Münnerstadt macht da keine Ausnahme. Zum Tag des Friedhofs 2019 unter dem Motto "Leben Lachen Freude" lud die Stadt interessierte Bürger zu einem Rundgang ein.

Der Friedhof muss sich wandeln

Zur Eröffnung dieses Tages hatten die Stadt und das federführende Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Kitzingen (Abteilung Gartenbau) zu einem Informationsnachmittag in die Alte Aula eingeladen. Die Redner betonten, dass der Friedhof Zukunft hat, dass er sich aber wandeln muss zum ruhigen Park, mit Erholungsfunktion für alle. Münnerstadt ist da schon einen wichtigen Schritt gegangen, so Bürgermeister Helmut Blank: Ein Teil des Friedhofs ist als Park ausgewiesen und wird damit nicht mehr über die Friedhofsgebühren, sondern über den allgemeinen Stadthaushalt finanziert. "Münnerstadt hat, was Friedhof und Gestaltung angeht, eine besondere Situation in Deutschland, denn hier befindet sich das Bundesausbildungszentrum der Bestatter mit einem Lehrfriedhof", betonte Landwirtschaftsrätin Christine Bender.

Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Bestatter, Christian Streidt, hob die Bedeutung des Friedhofs für die Gesellschaft hervor. Sie sollten nicht nur ein schmuckloser Ort des Gedenkens an Menschen sein, die nach langer Krankheit, nach einem Unfall, nach einem langen Leben, als Opfer von Kriegen gestorben seien - "Viele Menschen brauchen einen Ort, wo sie wissen, hier liegt mein verstorbener Freund oder Angehöriger". Trotz digitaler Friedhöfe seien mediale Friedhöfe nach wie vor notwendig. Er forderte, "der Friedhof muss wieder ins Blickfeld zurück. Der Tod braucht seinen Platz". Wenn ein Friedhof nicht nur die Grabfelder und Anlagen biete, sondern auch so gestaltet sei, dass Menschen sich durch besondere gestalterische Elemente anziehen lassen, könne er ein Ort für die Bewältigung der Trauer werden.

Wo sich die Menschen noch am meisten treffen

Otto Hünnerkopf, der Vorsitzende des Bezirksverbandes Unterfranken für Gartenbau und Landespflege, hob hervor: "Die Friedhöfe sind unserem Verband schon immer ein besonderes Anliegen." Der Friedhof im Dorf sei der Ort, wo sich die Menschen noch am meisten treffen würden. Im weit entfernten Friedwald seien die Toten bald vergessen. Er forderte deshalb die Gemeinden auf, die Friedhöfe im Dorf oder in der Stadt zu halten, damit die Toten in Erinnerung bleiben. Er hofft auf "neue Impulse für die Friedhöfe".

"Friedhof 2030 - warum der Friedhof Zukunft hat", war das Thema von Jutta von Zitzewitz (Bund deutscher Bestatter). Sie gab einen Abriss der Bestattungskultur von Karl dem Großen, der vor über 1200 Jahren die Feuerbestattung bei Todesstrafe verbot, bis zur heutigen Zeit, in der in Deutschland rund 70 Prozent der Toten verbrannt werden. Die heutige Vielfalt der Bestattungsformen wie anonyme Bestattung im Friedwald, See- oder Flugzeugbestattung sei nur möglich durch die Feuerbestattung. Es gebe heute zahlreiche Trends wie zum Beispiel die Mensch-Tier-Bestattung zusammen mit einem geliebten Haustier.

Ort der Trauerverarbeitung

Bürgermeister Helmut Blank überschrieb seinen Beitrag mit "der Friedhof - Park und Erholungsanlage für Dorf und Stadt". Auch kleinere Friedhöfe vor der eigenen Tür seien Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen und hätten große Bedeutung für Ökologie und Naturschutz. Davon konnten sich die Teilnehmer an den Rundgängen überzeugen, die neben Vögeln auch Eichhörnchen und Blindschleichen zu Gesicht bekamen. Der Bürgermeister erinnere daran, dass die Stadt für ihren Friedhof bei einem Wettbewerb auf Kreisebene einen zweiten Platz errang. Damit werde bestätigt, dass der Friedhof auch Park- und Erholungsanlage sei. Er sei nicht mehr zeitgemäß als reiner Beerdigungsort, sondern heute ein Ort der Trauerverarbeitung. Durch die in Münnerstadt mögliche naturnahe Bestattung könnten die Angehörigen ihre Verstorbenen zu jeder Jahreszeit besuchen, was in einem Friedwald bei Eis und Schnee nicht immer möglich sei.

Anlässlich des "Tag des Friedhofes" gab es in Unterfranken Führungen. Interessierte Bürger ließen sich auf dem Münnerstädter Friedhof bei Rundgängen von Bürgermeister Helmut Blank, Friedhofsreferent Klaus Schebler und von Bernd Hochrhein (Stadtverwaltung) informieren. Klaus Schebler erzählte, dass er ein allgemeines Aschengrab für Urnen, deren Ruhezeit abgelaufen ist, einrichten lassen will, "denn die Trauer endet nicht mit Ablauf der Ruhefrist". Probleme habe es früher mit den Bäumen gegeben - die einen schätzten sie als Schattenspender bei Beerdigungen, die anderen störten sich am Laub, das im Herbst auf die Gräber fiel. Doch jetzt gebe es kaum noch Beschwerden. Eine kurze Frage sei, ob die Hecken als störend entfernt oder für die Vögel zum Brüten erhalten werden sollten. Schebler betonte "die Vielfalt der Grabmale macht den Friedhof aus. Ich habe noch kein einziges abgelehnt". Dass in Münnerstadt die Freiflächen eher größer als kleiner werden, bestätigte Bernd Hochrein, denn "der Trend geht weg von großen Gräbern".

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