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Ernte rund um Münnerstadt: Von sehr gut bis miserabel

Sehr unterschiedlich scheinen die Ernte-Erträge in diesem Jahr auszufallen. Bei einer Umfrage unter einigen Landwirten ergibt sich dieses Bild.
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Die meisten Getreidefelder sind abgeerntet. In diesem Jahr war für die Qualität sehr entscheidend, welche Äcker von den wenigen, sehr lokalen Regenfällen profitieren konnten.Heike Beudert
Die meisten Getreidefelder sind abgeerntet. In diesem Jahr war für die Qualität sehr entscheidend, welche Äcker von den wenigen, sehr lokalen Regenfällen profitieren konnten.Heike Beudert
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Trockenheit und Hitze waren auch in diesem Jahr das Thema in der Landwirtschaft. Dort, wo Gewitterregen die Felder zwischendurch erreicht haben, sind nach Aussagen befragter Landwirte die Ergebnisse im östlichen Landkreis zufriedenstellend. Problem sind die Äcker, die weniger oder kaum Regen abbekommen haben. Hier hat die Kombination aus Hitze und Trockenheit die Erträge deutlich verringert.

"Sehr unterschiedlich" nennt der Münnerstädter Landwirt Roland Dömling seine Ernte, unter anderem beim Getreide. Die früh gesäte Gerste habe noch von der Frühjahrsfeuchtigkeit profitiert und sei als Braugerste vermarktbar. Schwieriger war es bei Dömling mit den späten Aussaaten. Hier werde es wohl Einbußen geben, weil die Witterung ein gutes Wachstum verhindert habe. Der Raps sei ebenfalls nicht ideal, meint Dömling. Im Frühjahr hätten Schädlinge wie der Rapsglanzkäfer oder Stängelrüssler die Pflanzen geschädigt. Außerdem hätte ein kurzer Frost im späten Frühjahr dem Raps zugesetzt. Und die Preise würden nicht für den nötigen Ausgleich sorgen, stellt der Landwirt fest. Bei den Zuckerrüben heißt es abwarten und auf Regen hoffen. "Die müssen noch wachsen". Problem war nach Aussage des Münnerstädters die oft ungleichmäßig verteilten Regenfälle im Juli. Er nennt Gewittergüsse in Nüdlingen und Rannungen, die dort für reichlich Niederschläge gesorgt hätten, während es in Münnerstadt mehr als bescheiden blieb.

Auch Dieter Petsch, Bio-Landwirt aus Münnerstadt, spricht von einer sehr unterschiedlichen Erntebilanz. Dort, wo schwache Böden sind, seien die Einbußen massiv, hat Petsch festgestellt. Insgesamt sei von miserabel bis sehr gut ist alles dabei, sagt er; auch Kollegen hätten ihm das bestätigt. Ein Glücksfall seien die Regenfälle im Mai und Juni gewesen, doch für manche Flächen hätten diese nicht ausgereicht.

Sorge bereiten Dieter Petsch vor allem die steinigen Böden, von denen es rund um Münnerstadt zahlreiche gibt. Die sind speziell für ihn als Bio-Landwirt ein Problem, weil er durch bestimmte Fruchtfolgen dafür sorgt, dass die Böden die nötigen Nährstoffe halten. Rotklee ist so eine Frucht. Doch Hitze und Trockenheit verhinderten erneut auf diesen schlechten Böden, dass dieser ausreichend wächst und damit der Erde die nötigen Nährstoffe wie Stickstoff liefert. Dieter Petsch fragt sich bereits, ob sich auf den ganz schwachen Standorten die Landwirtschaft dauerhaft überhaupt noch aufrecht erhalten lässt. Nicht umsonst sei in früheren Jahrhunderten rund um Münnerstadt viel Wacholderheiden entstanden. Weil dort kaum etwas gewachsen sei, wurden diese als Schafweiden benutzt.

Mittlerweile versuchen Landwirte Saaten auszubringen, die Trockenheit besser vertragen, erklärt Roland Dömling. Erste Kurse hat es zur Anzucht für Hirse gegeben, weiß Dieter Petsch. Auch über den Quinoa-Anbau werde diskutiert. Wichtig sei für ihn als Bio-Landwirt aber, sich angesichts der sich veränderten Witterungsbedingungen, breit aufzustellen. Er selbst baue mehr als zehn unterschiedliche Früchte an, erklärt Petsch.

"Es war zu trocken", erklärt der Rannunger Landwirt Wilfried Bretscher. Trotzdem ist er einigermaßen zufrieden. Denn die Ernte war in diesem Jahr besser als im Hitzesommer 2018. Problem in diesem Jahr sei gewesen, dass nahezu alle Saaten zeitgleich ausgereift waren. "Die Mähdrescher waren überlastet", erklärt Bretscher. Man sei mit der Ernte nicht nachgekommen. Jetzt stehen noch Reste auf den Feldern und es regnet. Das sei fast genauso nervig, weil man nicht fertig werde, meint der Rannunger.

In die Jörgenmühle in Brünn liefern viele Landwirte aus der Region ihre Ernte ab. Edith Halbig bestätigt, dass die Lieferungen heuer sehr geballt eintrafen. Während der Hitzewoche Ende Juli habe man von früh um 8 bis nachts um 3 Uhr fast rund um die Uhr gearbeitet. Trotzdem sei es zu Engpässen gekommen, weil die Silos voll waren und die Lastwagen, die die Getreideladungen abtransportieren sollten, alle überlastet waren. Mittlerweile habe sich der Haupt-Ansturm gelegt. Edith Halbig hat die vergangenen Wochen weitgehend im kleinen Labor des Agrarhandels verbracht. Dort werden die Qualitäten der angelieferten Ware gemessen. Die sei in Ordnung gewesen, hat Edith Halbig festgestellt. Feuchtigkeit in den Anlieferungen der Landwirte sei heuer überhaupt kein Thema gewesen.

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