Maßbach
Abschied

Er machte seine Schule attraktiv

Der langjährige Rektor der Mittelschule Maßbach, Wolfgang Wittmann, hat stets für seine Schule, Schüler und Kollegen gekämpft. Jetzt geht er in Ruhestand.
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Wolfgang Wittmann im "Club" Trikot spielt an seiner neuen Gitarre zusammen mit der Lehrer-Allstar-Band. Foto: Hartmut Hessel
Wolfgang Wittmann im "Club" Trikot spielt an seiner neuen Gitarre zusammen mit der Lehrer-Allstar-Band. Foto: Hartmut Hessel
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Bei der Verabschiedung des langjährigen Rektors der Mittelschule Maßbach, Wolfgang Wittmann wurde klar, hier verlässt eine wahre Persönlichkeit die Schule. In seinem Statement zum Ende seiner Dienstzeit, blieb sich der scheidende Schulleiter, Lehrerverbandsfunktionär und Personalratsvorsitzender treu und gab seinen bekannten und unbekannten Nachfolgern seiner verschiedenen beruflichen Aufgaben große Fußstapfen vor.
Doch vorher meisterten die Redner ein Pensum an Lobeshymnen und Dankbarkeitsarien, dass dem Jubilar eigentlich schwindlig werden musste, würde er nicht Wolfgang Wittmann heißen. Am einfachsten konnte Schulrat Harald Bötsch als erster Redner die Person und das bisherige Lebenswerk des leidenschaftlichen Pädagogen beschreiben. Der kam 1953 im Mittelfränkischen Pappenheim zu Welt. Später, in Erlangen war Vaters Leidenschaft als Volksschulrektor wohl Auslöser dafür, dass Sohn Wolfgang ebenso die Laufbahn eines Lehrers einschlug. Seine Frau Barbara, die er während des Studiums kennenlernte und dann heiratete, wurde nach Rannungen zum Vorbereitungsdienst versetzt. Somit war letzten Endes der Weg des jungen Lehrerpaares vorgezeichnet, denn Wolfgang Wittmann blieb beruflich in der Gegend um den neuen Lebensmittelpunkt. Er war als Lehrer in Dittelbrunn, Oberlauringen und Poppenlauer eingesetzt und fand sein Ziel als Schulleiter 1991 an der Hauptschule Maßbach. Als damals jüngster Schulleiter im Landkreis Bad Kissingen begann er Zeichen zu setzen, die in ihrer Nachhaltigkeit, die Schüler- und Lehrergeneration der Neunziger- und Zweitausenderjahre geprägt haben. Der Schulrat erinnerte an die Kooperation mit der Helene-Lange Schule in Friedrichroda/Thüringen, an das "Maßbacher Fördermodell" eine besondere, individuelle Förderung partiell schwächerer Schüler und die Sportwochenprojekte und Abendsportfeste der Schulfamilie.
Im Kampf um den Erhalt der Hauptschule und die Schaffung neuer Werte durch eine Regionalschule zu Beginn des Jahrtausends zitierte Harald Bötsch die damalige Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag: "Die Überlegungen der Regionalschule können überzeugen, jedoch ist die Zeit politisch in Bayern nicht reif dafür!" Wolfgang Wittmann erntete die Früchte seiner Arbeit dann woanders. Als Mitglied im Personalrat seit 1986 und als Vorsitzender seit 2001 spürten die Kolleginnen und Kollegen den streitbaren Geist, der sich nicht nur einmal mit dem jeweiligen Schulrat anlegte, wenn es um berechtigte Interessen seiner Klientel ging.
"Rektor Wittmann ... hat sich um die Schullandschaft im Landkreis Bad Kissingen sehr verdient gemacht!" fasste Schulrat Bötsch die umfassende Biografie zum Abschied zusammen.
Und wie sich die Verdienste zusammensetzen, lassen dann die folgenden Redner und Rednerinnen mit launigen, persönlichen und vor allem sehr treffenden Worten vom Stapel. Wolfgang Wittmanns berufliches Wirken hinterlässt eine große Lücke, das sagten übereinstimmend der Elternbeiratsvorsitzende Rainer Schuler, der Rektor des pädagogischen Förderzentrums Norbert Paul, die Leiterin der Grundschule Simone Heinz, sowie der Vorsitzende des Unterfränkischen Lehrerverbandes, Gerhard Bless übereinstimmend. Sie gaben aber auch deutlich zu erkennen, welche große Lehrerpersönlichkeit jetzt die Mittelschule Maßbach verlässt. Hier griff besonders Bürgermeister Matthias Klement ein, indem er Wolfgang Wittmann als "...eine außergewöhnliche Lehrerpersönlichkeit" hervorhob. "Sie haben unsere Schule maßgeblich geprägt und für die jungen Menschen vor Ort attraktiv gemacht!" Die Schule in Maßbach nimmt heute im Gemeinderat und in der Bevölkerung eine starke Stellung ein. "Der Chef gibt dabei die Richtung vor und deswegen ist es ihr Verdienst", stellte der Bürgermeister fest. Diese Anerkennung spürt der scheidende Rektor auch bei Pfarrer Stefan Bonawitz, der die musikalische Wertschätzung bei den Schülergottesdiensten als besonders beeindruckend empfand. Karl-Heinz Deublein ist der Nachfolger als Vorsitzender im örtlichen Personalrat auf Kreisebene. Der hatte mit seinem Team eine ganz besondere Ehrung für seinen langjährigen Vorgänger parat. Wolfgang Wittmann wurde nach einer kurzen "Eignungsprüfung" zum Ehrenpersonalratsvorsitzenden ernannt.
Überhaupt ist das musische Engagement an der Mittelschule ein Aushängeschild, dessen Bedeutung in den Reden durchwegs mit Wittmann in Verbindung gebracht wurde. Obwohl schon entlassen, brachte die Schulband nochmals zwei Stücke in die Feier ein. Eine Allstar-Band, zusammengestellt von Konrektor Georg Göbel, bestand aus Lehrerkollegen und einer Kollegin der umliegenden Schulen gefiel vor allem beim letzten Stück "Es geht mir gut", welches Wittmann als Mitakteur völlig unvorbereitet traf. Kurz vorher hatte er vom Schulteam eine elektrische Gitarre, samt Verstärker zum Abschied bekommen. Man spürte, er fühlt sich wohl, wenn er mit einem Instrument mitmischen kann.
Die Leidenschaft mit der Wolfgang Wittmann sich für "seine" Schüler und ebenso für "seine" Lehrer einsetzte und das in einer Weise, die Kollegialität und Kompetenz in idealer Weise verband, gilt in Maßbach heute schon als legendär. Genau das brachte der Schulleiter-Stellvertreter zum Ausdruck. Der fand zu Kinder- und Jugendbildern des "Schulabgängers" launige Worte und sprach dabei etwas Zeitgeschichte an.
Was wird an Wolfgang Wittmanns letzten Worten "berühmt" für die Zukunft werden? Mit der ihm eigenen Gelassenheit sprach er von seiner Schule in der Zukunft, als einem Ort, der sich trotz vieler theoretischer Vorgaben von Oben positiv als aktive Schulfamilie weiter entwickeln wird. "Er" will noch ein Jahr den Kaffee spendieren, sein Lebenswerk bleibt viel länger.


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