Bad Kissingen
Besuch

Eine Kuh für die Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt am Freitag zum Wahlkampf nach Bad Kissingen. Eins ist sicher: Mit leeren Händen geht sie nicht.
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Foto: Imago
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Bad Kissingen steht schon ein bisschen Kopf an diesem Spätsommer-Freitag im August. Kein Wunder, bereits zum zweiten Mal binnen acht Jahren besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wahlkampf die Kreisstadt. Dass die Kanzlerin erneut in Bad Kissingen auftritt, überrascht sogar Politprofis wie die Wahlkreisabgeordnete und Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Dorothee Bär. Dabei war es Bär selbst, die die Kanzlerin im Januar 2017 eingeladen hatte, wieder in den Wahlkreis und in die Kurstadt an der Saale zu kommen. Als vor einigen Wochen die Zusage aus Berlin kam, war Dorothee Bär nach eigenen Angaben hocherfreut. "Ehrlich gesagt, habe ich das nicht erwartet", erklärt Politikerin.

Doch Dorothee Bär ist überzeugt, dass es gute Gründe gibt, weshalb die Wahlkampfzentrale in Berlin Bad Kissingen wieder ausgewählt hat. "Wir haben vor acht Jahren eine gute Visitenkarte abgegeben." Im September 2009 musste der Wahlkampfauftritt sogar doppelt organisiert werden, erinnert sich Dorothee Bär zurück. Denn ein Gewitter verhinderte im letzen Moment Merkels Kommen. Der Hubschrauber konnte nicht abheben. Die schon in Bad Kissingen versammelten Gäste und Zuschauer warteten vergeblich und wurden pitschnass. Beim zweiten Termin war dann das Wetter gut und auch die Kanzlerin da.


Kurgarten ist ideal

Dorothee Bär glaubt, dass auch Angela Merkel ein gutes Wort für einen Auftritt in Bad Kissingen eingelegt hat. Die beiden Unions-Politikerinnen stehen sich beruflich nahe. "Wir haben ein sehr gutes professionelles und partnerschaftliches Verhältnis", bestätigt Dorothee Bär auf Nachfrage.

Nach Bad Kissingen eingeladen hatte Dorothee Bär die Kanzlerin, weil es die größte Stadt des Wahlkreises ist. Außerdem sei Bad Kissingen Deutschlands bekanntestes Kurbad, auch ein Grund, hierherzukommen, meint die Staatssekretärin. Den Kurgarten findet sie ideal für die Veranstaltung.

Dem kann Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) sicherlich zustimmen. Auch wenn Blankenburg betont, dass er nach den Bundestagswahlen im September natürlich lieber Martin Schulz als Kanzler hätte, so fühlt er sich doch nach eigenen Angaben geehrt, dass Angela Merkel Station in seiner Stadt macht. Er sieht darin eine Wertschätzung für die Stadt, zumal es Merkels einziger Auftritt in Unterfranken sei. Kay Blankenburg wird deshalb auch die Wahlkampfveranstaltung im Kurgarten besuchen. Das habe etwas mit Respekt zu tun, egal welcher Partei ein demokratisch gewählter Politiker angehört, meint Kay Blankenburg.


Kein Eintrag ins Goldene Buch

Einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Bad Kissingen wird es wie schon vor acht Jahren nicht geben. Dazu müsste es ein offizieller Besuch der Kanzlerin in der Stadt selbst sein, erklärt der Pressesprecher der Stadt Bad Kissingen, Thomas Hack. Das ist aber bei einer Wahlkampfveranstaltung nicht der Fall. Deshalb gibt es von Seiten der Stadt auch kein Geschenk an die Kanzlerin. Ins Goldene Buch des Landkreises hatte sich Angela Merkel schon bei ihrem letzten Besuch eingetragen.

Die Chancen, dass Angela Merkel vielleicht schon im nächsten Jahr wieder nach Bad Kissingen kommt, stehen gar nicht so schlecht. Ob dies wieder als Kanzlerin sein wird, darüber werden die Wähler am 24. September 2017 entscheiden. Staatssekretärin Dorothee Bär möchte der Kanzlerin auf jeden Fall als Dankeschön für ihren Besuch Ehren-Karten für den Bad Kissinger Sommer schenken. Bär weiß, dass Angela Merkel nicht nur Wagner, sondern klassische Musik allgemein sehr schätzt. Sie hofft, dass Merkel einen Konzertbesuch zeitlich eintakten kann. Vielleicht ist dann auch genug Zeit für den Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.


Wein ja, Heilwasser eher nicht

Angela Merkel wird noch weitere Geschenke in Empfang nehmen. Was genau, war zu Redaktionsschluss noch nicht genau bekannt. Die Bundeskanzlerin trinkt gerne ein Glas Wein, verrät Dorothee Bär. Da bietet Unterfranken Geschenkmöglichkeiten. "Es muss ja nicht immer Südtiroler Wein sein", betont Bär im Bezug auf Angela Merkels Urlaubsdomizil im nördlichen Italien.
Eher weniger in Frage kommt wohl eine typische Bad Kissinger Spezialität, eine Flasche Heilwasser, meint der Geschäftsführer des Bundestagswahlkreises, Detlef Heim, auf Anfrage dieser Zeitung. So gesund das Heilwasser sein mag, weiß Heim nicht, ob es den Geschmack treffen würde.

Merkels Kommen nennt Detlef Heim einen Leuchtturm für Bad Kissingen."Am Freitag sind wir alle Bad Kissinger", erklärt der Hammelburger voller Euphorie.


Geschenk der Landwirte

Auch die Landwirte, die eine Protestaktion in der Kreisstadt planen, haben ein Geschenk für Angela Merkel. Sie wissen jedoch nicht, ob sie ihr Präsent überhaupt an die Frau bringen. Zur Erinnerung gibt es die schwarz-rot-goldene Kunststoffkuh "Faironika", die symbolisch für eine faire Milchpolitik muhen soll. Haben die Bauern die Möglichkeit, mit der Kanzlerin zu reden, wird sie ihr direkt überreicht. Ansonsten will der Elfershausener Landwirt Alfred Greubel versuchen, dass "Faironika" über Umwege zur Kanzlerin findet.


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