Konzert

Ein Bahnticket fürs Cello

Anastasia Kobekina spielte nicht nur vor Schülern, sie beantwortete auch viele Fragen
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Anastasia Kobekina beim Konzert im Orgelsaal der Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen. Sie war sichtlich mit den Klängen ihres Musikstücks eins. Foto: Friedrich
Anastasia Kobekina beim Konzert im Orgelsaal der Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen. Sie war sichtlich mit den Klängen ihres Musikstücks eins. Foto: Friedrich
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Nicht nur ein Konzert mit einer hervorragenden Cellistin erlebten Chor-Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums und der Realschule Bad Königshofen, sondern auch eine interessante Fragestunde. Die Cellistin Anastasia Kobekina erzählte unter anderem, dass das Cello vor 273 Jahren gebaut wurde und sie bei einer Bahnfahrt immer ein zweites Ticket für ihr Cello buchen muss, "denn das benötigt ja genau soviel Platz wie eine erwachsene Person". Das schon etwas ungewöhnliche Konzert wurde von Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen organisiert. Mit dabei Sebastian Roth, zuständig für Flyer und den Kartenverkauf, sowie Ariadne Weigert, als Koordinatorin und engagierte Klavierlehrerin. Sie wurde direkt vom Bad Kissinger Sommer angeschrieben. Das Konzert war eine Initiative des Tonali-Projekts und des Kissinger Sommers.

Andreas Pickel und Daniela Guimares von der Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen denn auch künstlerischen Leiter Tilman Schlömp des Kissinger Sommers. Das Ziel der Außenveranstaltung ist, junges, involviertes Publikum frühzeitig in schulischen und außerschulischen Kontext Kultur zu verantworten, zu organisieren und aktiv mitzugestalten. Dazu wurde in diesem Jahr ein Wettbewerb ausgeschrieben. Drei Schulen organisieren in einem Schülerteam eigenständig das Konzert an ihrer Schule mit einem Patenmusiker. Im Fall der Berufsfachschule für Musik war dies die Cellistin Anastasia Kobekina. Am 9. November wird es ein gemeinsames öffentliches Konzert geben, welches alle Teams organisieren. Mit dabei ist dann eben auch die Cellistin Anastasia Kobekina.

Sie erzählte, dass sie im Alter von vier Jahren mit dem Cellounterricht begonnen hat, Sie war am Moskauer Konservatorium, studiert seit 2012 als Junge Solistin, gefördert durch das Steigenberger/Rath-Stipendium, an der Kronberg Academy. Die junge Künstlerin macht durch regelmäßige Zusammenarbeit mit international renommierten Künstlern unter anderem mit Lars Vogt, Guy Braunstein, Isabelle Faust, Denis Matzuev, Fazil Say und Vladimir Spivakov, auf sich und ihre Musik aufmerksam. Sie ist Preisträgerin beim renommierten Tonali-Musikwettbewerb im Jahre 2015, wo sie im Finale mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in der Laeiszhalle konzertierte. Ebenfalls wurde ihr im Rahmen des Tonali-Preises ein Leihcello von Giovanni Gudagnini aus dem Jahre 1740 verliehen. "Und das habe ich heute bei diesem Konzert für Euch mit dabei."

Anastasia Kobekina eröffnete das Konzert mit dem Präludium, einer Cello-Suite von Johann Sebastian Bach. Ein Solowerk für Streichinstrumente. Dem folgte zeitgenössische Musik, die, wie sie ihrem Publikum sagte, bei Konzerten nicht sehr häufig gespielt wird. Die Schülerinnen und Schüler hörten das "Narrenschiff", das ihr Vater für sie geschrieben hat. Es folgte von Mendelssohn "Lied ohne Worte", sowie "Libertango" von Astor Piazzolla. Faszinierende Musik, die die Schülerinnen und Schüler in ihren Bann schlug. Dazu gehörte vor allem "Der Schwan" aus dem Karneval der Tiere. Die Cellistin faszinierte mit ihrem Spiel ebenso wie mit ihrer Mimik und man konnte es ihrem Gesichtsausdruck ansehen, wie sie die gespielte Musik verinnerlichte.

Kein Wunder, dass die Schülerinnen und Schüler von der sympathischen Musikerin begeistert waren, großen Applaus spendeten und sie anschließend mit vielen Fragen "eindeckten". Eigentlich habe sie Geige spielen wollen, dann hätte sie ihre Eltern aber für Cello begeistern können. "Ich glaube, das gefiel meinen Eltern besser als die hohen Töne der Geige", lachte Anastasia Kobekina. Seit sechs Jahren ist sie in Deutschland und zur Zeit in Frankfurt am Main. Das Cello bezeichnet sie als ihr Lieblingsinstrument. Wenn sei einmal länger Urlaub macht, dann würde ihr nach wenigen Tagen schon ihr Cello und die Musik fehlen.

Wie lange sie benötigt, um einen Konzertabend zu spielen? Das komme auf den Musiktitel an. "Für schwere Stücke benötige ich da schon mal mehrere Wochen." Seit 20 Jahren spielt sie Cello und übt jeden Tag bis zu fünf Stunden. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass der Bogen aus zusammen gedrehten Tierhaaren besteht und auch, dass so ein Instrument selten gestohlen wird, weil es schwer zu verkaufen ist. Anastasia Kobekina war bereits weltweit unterwegs. So in China, Japan, Amerika und natürlich in Europa und sie fügte abschließend an, dass ihr der Auftritt in Bad Königshofen sehr gut gefallen habe. "Wir sehen uns am 9. November im Rossini Saal in Bad Kissingen", rief sie den Schülerinnen und Schülern im Orgelsaal der Berufsfachschule für Musik zu.



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