Laden...
Münnerstadt
Hallenbad

Die Zeit wird eng fürs Hallenbad

Der Architekt Andreas Halboth gibt überraschend seinen Auftrag für eine Vergleichsberechnung zum Hallenbad an die Stadt Münnerstadt zurück.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Hallenbad verfällt mehr und mehr.Heike Beudert
Das Hallenbad verfällt mehr und mehr.Heike Beudert
Nach fast vierstündiger Sitzung kam in der jüngsten Sitzung des Stadtrates die überraschende Meldung, dass Andreas Halboth Mitte September seinen Auftrag zurückgegeben hat, für die Stadt Münnerstadt eine Vergleichsberechnung zwischen Abriss und Sanierung des Hallenbades vorzunehmen. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) verlas in der Sitzung das Schreiben, in dem Halboth seinen Rückzug mit den veränderten Vertragsbedingungen begründet. Der Kostenvergleich zwischen Sanierung und Abriss war Forderung eines positiven Bürgerentscheids 2016. Der Entscheid hat zudem den Abrissbeschluss für das Bad bis Ende 2017 gestoppt.
Bürgermeister Helmut Blank verneinte hierzu die von 3. Bürgermeister Axel Knauff (SPD) mit Nachdruck gestellten Fragen, ob Blank im Vorfeld dieser Absage mit dem Architekten gesprochen habe und ob sich Blank in die Arbeit des Arbeitskreises eingemischt habe. Seine Fragen an den Bürgermeister und das darauf folgende Nein des Bürgermeisters ließ Axel Knauff in das Protokoll der Sitzung aufnehmen.
Auf die Frage, wie es jetzt weitergeht, betonte Bürgermeister Helmut Blank, dass es zu zwei Büros Kontakt gebe. Blank betonte, dass eine Entscheidung bereits in dieser Woche fallen soll. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte das Planungsbüro Baur Consult, dass es sich in der nächsten Woche entscheiden werde. Baur-Consult war bei der vorausgegangenen Ausschreibung laut Blank zweitgünstigster Anbieter. Zu allen weiteren Fragen müsse er sich erst wieder einarbeiten, meinte Blank.
Noch bis 18. Dezember ist das Gremium an den Bürgerentscheid gebunden. Für Axel Knauff war in diesem Zusammenhang interessant, was der Stadtrat macht, wenn am 18. Dezember kein Ergebnis vorliegt."Wir können abreißen", war die Meinung von Stadtrat Klaus Schebler (Neue Wege), der seit langem für den Abbriss des Bades plädiert. "Wir können sagen, wir arbeiten das sauber auf", konterte Axel Knauff, der dafür plädierte, die Sache wie geplant fortzuführen. Mit dem damaligen 2. Bürgermeister Michael Kastel (CSU) sei eine Aufarbeitung abgesprochen gewesen, so Knauff. Kastl wundert sich wiederum über den Zeitpunkt von Halboths Absage. Andreas Halboth, der sich zur Zeit in Urlaub befindet, hatte diese in seiner schriftlichen Stellungnahme damit begründet, dass die ursprünglichen Vorgaben des Angebotes wesentlich weniger umfassend waren als die, die im Juli bei endgültiger Auftragsvergabe gewünscht waren. Die neue Aufgabenstellung hätte zudem zwingend vorausgesetzt, nach der Honorarverordnung für Architekten abzurechnen, was bei Angebotsabgabe im März seiner Meinung noch nicht erforderlich war. Zudem sei ihm der zeitliche Rahmen bis Dezember für diesen erweiterten Umfang zu eng gefasst.

Gute Zusammenarbeit
Der Arbeitskreis "Hallenbad" hat seine erste Sitzung nach der Sommerpause am heutigen Mittwoch. Noch im Juli hatte Halboth nach Auskunft von Axel Knauff erste Vergleichs-Ergebnisse für den September angekündigt. Die bisherige Zusammenarbeit mit dem Planer wird von Knauff gelobt. Statt sich mit Ergebnissen zu befassen, muss sich das Gremium nun in der Sitzung die Frage stellen, wie es weiter geht. Bürgermeister Helmut Blank teilte in der Sitzung mit, er werde zur Besprechung des Arbeitskreises kommen.
Die Stadt Münnerstadt wird durch das Ergebnis des Bürgerentscheids nicht dazu verpflichtet, bis zum 18.12.2017 Vergleichsberechnungen im Stadtrat zu behandeln, teilt das Landratsamt auf Anfrage dieser Zeitung mit. Ihr bleibe es innerhalb dieses Jahres aber verwehrt, anderslautende Beschlüsse zu fassen und zu vollziehen oder das Ergebnis des Bürgerentscheids zu ändern. Mit Ablauf der Jahresfrist könnte der Beschlusses hinsichtlich des Abrisses des Hallenbades vollzogen werden, so die juristische Auskunft aus dem Landratsamt. Eine Verlängerung der Bindungsfrist von einem Jahr ist gesetzlich nicht vorgesehen.Wie es mit der Umsetzung des Bürgerentscheids weiter gehen wird, darüber soll in der Stadtratssitzung am 28. September gesprochen werden.

Hier ein Kommentar zum Thema

Es ist schon bemerkenswert, dass just zu dem Zeitpunkt, an dem Bürgermeister Helmut Blank wieder genesen ist und seine Amtsgeschäfte antritt, der Ärger um das Hallenbad wieder entflammt und der Planer seinen Auftrag zurückgibt.
Es ist tatsächlich so, dass die Zurücknahme des Auftrags von Andreas Halboth vor allem dem Bürgermeister in die Karten spielt. Wohl auch deshalb kam die Nachfrage von Axel Knauff im Stadtrat, ob nicht doch der Bürgermeister indirekt Einfluss auf die Arbeit im Arbeitskreis "Hallenbad" genommen hat, einem Gremium, das sich seit Monaten mit dem Hallenbad beschäftigt hatte, ohne dass Helmut Blank daran mitwirken konnte. Diese defensive Rolle hat ihm sicherlich nicht gefallen.
Denn jetzt scheinen die Karten wieder neu gemischt zu werden - dieses Mal im Sinne des Bürgermeisters. Alleine die Tatsache, dass ein so weitreichendes Thema dem Stadtrat ganz nebenbei am Ende einer fast vier Stunden dauernden öffentlichen Sitzung im Tagesordnungspunkt "Mitteilungen" untergeschoben wird, spricht schon Bände. "Ich bin genauso verzweifelt wie der Rest der Stadt", kommentierte Axel Knauff am Dienstag die neue Situation.
Aber auch den weiteren Hallenbadgegnern im Gremium kommt der durch die Planer-Vakanz entstandene Zeitdruck vermutlich nicht ungelegen.
Klaus Schebler hat es in der Stadtratssitzung deutlich gemacht, dass nach dem 18. Dezember der Abbruch fällig ist. Ab diesem Datum ist die Stadt nicht mehr an den Bürgerentscheid gebunden.

Zeit spielt mit
Somit reicht es jetzt eigentlich, auf Zeit zu spielen. Mit jeder Woche, die verstreicht, ohne dass ein neues Planungsbüro den Kostenvergleich zwischen einer Hallenbadsanierung und dem Abriss des Gebäudes errechnet, kommt Blank auch dem Ziel näher, das Hallenbad-Aus endlich zu besiegeln. Denn ab 19.Dezember gilt wieder der Stadtratsbeschluss des Abrisses. Freilich: Der Stadtrat kann sich über seinen eigenen Beschluss hinwegsetzen und diese von der Mehrheit der Bürger gewünschte Berechnung endlich auf den Tisch legen. Diese Hoffnung hat 3. Bürgermeister Axel Knauff . Er betont auf Anfrage dieser Zeitung, dass ja aktuell auch kein Geld für den Abriss im Haushalt eingestellt ist.
Der neuerlich aufgeflammte Konflikt um das Hallenbad macht aber auch die Schwäche des Bürgerentscheids deutlich. Die schwammige Formulierung hat Hoffnungen geweckt, das Ruder vielleicht doch noch herum zu reißen, war aber nie ein verbindlicher Auftrag an den Stadtrat, das Hallenbad zu erhalten.
Wenn sich der Bürgermeister weiterhin seiner Mehrheiten sicher ist, braucht er jetzt eigentlich nur noch zu warten...

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren