Münnerstadt
Bienenzucht

Die Bienenliebe treibt seltsame Blüten

Die Imker beklagen, dass immer mehr Leute Bienen halten, ohne die Vorgaben einzuhalten und die notwendigen Kenntnisse zu besitzen. Sie befürchten die Ausbreitung von Krankheiten.
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Kreisvorsitzender Erhard Bieber (links) und der Vorsitzende des Münnerstädter Imkervereins, Dieter Schölzke, schauen nach den Bienen am Münnerstädter Bienenhaus. Im Gegensatz zu manchen "wilden Bienenhaltern" kennen sie sich aus. Thomas Malz
Kreisvorsitzender Erhard Bieber (links) und der Vorsitzende des Münnerstädter Imkervereins, Dieter Schölzke, schauen nach den Bienen am Münnerstädter Bienenhaus. Im Gegensatz zu manchen "wilden Bienenhaltern" kennen sie sich aus. Thomas Malz

Damit kein falscher Eindruck entsteht: "Wir sehen es sehr gerne, wenn Bienen gehalten werden", sagt der Vorsitzende des Imkervereins Münnerstadt und Umgebung, Dieter Schölzke. Wenn er aber auf dem Weg von der Arbeit nach Hause mitten in einen Bienenschwarm gerät, dann weiß er, dass etwas nicht stimmen kann. "Die Bienen waren völlig orientierungslos, normalerweise fliegen jetzt keine Schwärme mehr, das ist total ungewöhnlich", meint er. Der erfahrene Imker kennt den Begriff für so einen Fall. "Das war ein Hungerschwarm."

Einen solcher Schwarm kann es nur bei unsachgemäßer Bienenhaltung geben, weiß Dieter Schölzke. Die Bienen seien offensichtlich nicht gefüttert worden. Es komme immer häufiger vor, dass sich Leute einen Bienenstock in den Garten stellen, sich nicht darum kümmern und dann auch noch in den Urlaub fahren. So entstünden diese Hungerschwärme. "Bevor sie verhungern, verlassen sie den Stock", sagt Dieter Schözke. "Dann betteln sie sich in andere Völker ein und bringen vielleicht noch die Varroa-Milbe mit." Oder sogar die Faulbrut, eine Bienenseuche. Als Vorsitzender des Imkervereins mit dem Lehrbienenstand könne er das nicht hinnehmen.

Zwar ist eine Ausbildung für die Haltung von Bienen nicht zwingend erforderlich, aber es gibt Vorschriften, die eingehalten werden müssen, informiert der Vorsitzende des Kreisverbandes Bad Kissingen, Erhard Bieber. "Bienenhaltung muss generell beim Veterinäramt gemeldet werden", sagt er. Dabei gehe es darum, dass die Mitarbeiter des Amtes wissen müssen, wo es Bienenstöcke gibt, um die Halter beispielsweise beim Ausbruch von Seuchen informieren zu können. Außerdem müssen sich Bienenhalter eine Landwirtschaftliche Betriebsnummer geben lassen. Die bekommen sie beim Landwirtschaftsamt. "Beides ist kostenlos", betont Erhard Bieber. Es gibt auch noch weitere Vorschriften. "Wir freuen uns über Bienenzüchter, aber die rechtlichen Aspekte müssen eingehalten werden", sagt Dieter Schölzke dazu.

Die Vorschriften sind aber nur die eine Seite. Zwar ist es keine Pflicht, aber:  "Wünschenswert wäre es, wenn alle Bienenhalter einen Grundlagenkurs absolvieren", sagt Dieter Schölzke und Erhard Bieber fügt hinzu: "Es gibt neun Ortsvereine im Landkreis, alle sind gerne bereit, Auskunft zu erteilen." So finden regelmäßig auch Anfängerkurse statt. Die beiden Imker bitten, dass sich neue Imker einfach kundig machen. "Sie müssen deswegen auch nicht gleich Mitglied werden."

Dieter Schölzke nennt ein Beispiel, warum so eine Grundlagenausbildung so wichtig ist: So müssten die Bienen im Herbst und im Winter gegen die Varroa-Milbe behandelt werden. "Wer keinen Lehrgang besucht hat, kann das nicht wissen", sagt er. Dazu zählt beispielsweise auch, dass beim Verkauf von Bienenvölkern ein Gesundheitszeugnis vorgelegt werden muss.

Der Volksentscheid und andere Aktionen zu den Bienen habe bei einigen Menschen offensichtlich zu einem Aktionismus geführt. Die "wilde Bienenhaltung" sei auch kein Phänomen, das es nur im Landkreis Bad Kissingen gibt. "Bei einer Zusammenkunft der Kreisverbände haben andere Vorsitzende von ähnlichen Problemen berichtet", sagt Erhard Bieber.

"Natürlich sehen wir es positiv, wenn sich Bürgerinnen und Bürger mit Bienen beschäftigen", heißt es dazu aus dem Landratsamt. "Bevor man sich Tiere anschafft, sollte man sich aber gründlich mit dem Thema befassen." Bei der Haltung sind rechtliche Vorgaben zu beachten - zum Beispiel die Registrierungspflicht beim Veterinäramt und beim Amt für Landwirtschaft. Die Registrierung ist kostenlos. "Einsteigern empfehlen wir, sich einem Imker-Verein anzuschließen bzw. sich dort ausführlich zu informieren, denn an dieser Stelle gibt es fachliche und finanzielle Unterstützung." In sogenannte "Honigkursen" lerne man als Neuling alles Wichtige zur Bienenhaltung. Des Weiteren gibt es Fortbildungen und die Möglichkeit, Gerätschaften günstig zu erwerben, so das Landratsamt.

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