Bad Königshofen im Grabfeld

Das Grabfeld aus dem Dunkel der Geschichte geholt

Manfred Firnkes hat in der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld das Buch "Das frühe Grabfeld des 8. Jahrhunderts" veröffentlicht. Offiziell wurde das Werk nun in Bad Königshofen gewürdigt.
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Im historischen Rathaussaal von Bad Königshofen wurde  das neue Buch "Das frühe Grabfeld des 8. Jahrhunderts" vorgestellt. Bürgermeister Thomas Helbling nannte es ein wichtiges Zeugnis der Geschichte und dankte dem Autor, Oberstudiendirektor Manfred Firnkes, für seine fünfjährigen akribischen Nachforschungen. Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert stellte die akribische Arbeit von Manfred Firnkes heraus. Foto: Friedrich
Im historischen Rathaussaal von Bad Königshofen wurde das neue Buch "Das frühe Grabfeld des 8. Jahrhunderts" vorgestellt. Bürgermeister Thomas Helbling nannte es ein wichtiges Zeugnis der Geschichte und dankte dem Autor, Oberstudiendirektor Manfred Firnkes, für seine fünfjährigen akribischen Nachforschungen. Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert stellte die akribische Arbeit von Manfred Firnkes heraus. Foto: Friedrich

272 Seiten umfasst das neue Buch von Manfred Firnkes, das in der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld erscheint. Nun wurde es im historischen Rathaussaal von Bad Königshofen offiziell vorgestellt. Bürgermeister Thomas Helbling sagte, dass man gespannt sein dürfe auf das, was der Autor in seinen Recherchen über das Grabfeld herausgefunden hat.

Gerne beteiligte sich die Stadt deshalb an der Finanzierung des Werkes, das in einer Auflage von 400 Exemplaren in den Buchhandlungen ebenso wie in der Kurverwaltung, bei der Stadt Bad Königshofen oder beim Autor Manfred Firnkes zu erwerben ist. "Aus dem Dunkel der Geschichte habe er das Grabfeld hervorgeholt und festgestellt, dass es durchaus als politisches Zentrum der fränkischen Herrscher und Könige bezeichnet werden kann", sagte Oberstudiendirektor Manfred Firnkes. Da die Urkunden allesamt damals in lateinischer Sprache verfasst wurden, war es für ihn als einstigen Lehrer für das Fach Latein am Gymnasium Bad Königshofen kein Problem, diese zu lesen. "Es waren letztendlich kleine Mosaiksteinchen, die sich nach und nach zusammen fügten."

Intensive Recherchen

Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert erinnerte daran, dass Manfred Firnkes vor fünf Jahren auf ihn und den Verein für Heimatgeschichte zukam und seine Idee vorstellte. Es ging darum, die vorhandenen Urkunden auszuwerten und zu übersetzen. Akribisch sei der Autor an sein Werk herangegangen, alles habe er belegt und insgesamt ein interessantes Werk, das als Band 47 der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte nun vorliegt, herausgebracht. Reinhold Albert dankte den Sponsoren, der Stadt Bad Königshofen, Landkreis Rhön-Grabfeld, Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken, den Banken und dem Lionsklub sowie dem Vorstand des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld. Für die intensiven Recherchen sei man als Geschichtsverein und er selbst als Kreisheimat- und Archivpfleger sehr dankbar.

Die Menschen im Grabfeld könnten stolz auf ihre Heimat sein, denn selbst der Papst Gregor II. kannte im Jahr 738 schon die Graffelti, sagte Oberstudiendirektor Manfred Firnkes bei der Buchvorstellung. Da nämlich taucht zum ersten Mal der Name auf. "Diese Graffelti werden zusammen mit den Bewohnern von fünf anderen Gauen Hessens und Thüringens von Papst Gregor II. persönlich in einem Brief angesprochen .Dieses Papstschreiben ist die früheste Verbindung zwischen dem "Vatikan" und dem Grabfeld, noch bevor vier Jahre später erstmals in einer Urkunde der Name Cunigishaoba in pago Graffelti auftaucht. Das Grabfeld war ein Teil Thüringens und reichte bis in die Gegend von Hersfeld bei Fulda, im Norden war die mittlere Werra zwischen Vacha und Breitungen die Außengrenze, der Rennsteig mit einem offenen Grenzgebiet, das sich im Osten an der Itz und am oberen Main verlor. Im Süden zog sich das Grabfeld rechtsmainisch den Haßgau entlang bis Schweinfurt, Geldersheim und Obbach. Geblieben ist das heutige östliche Grabfeld in Franken und Thüringen.

Archäologische Funde und Urkunden

Das neue Buch gibt einen interessanten Einblick in die archäologischen Funde und Urkunden aus dem 4./5. Jahrhundert, Zeugnisse einer durchgehenden, wechselnden Siedlungsdichte der damals bäuerlichen Bevölkerung verschiedener Stämme und Völker. Berichtet wird unter anderem von zwei zusammengehörigen, aber inhaltlich unterschiedlichen Urkunden, mit ebenfalls hochoffizieller Aussagekraft, die mit größerer Wahrscheinlichkeit in das Jahr 742 gehören. In diesen beiden Urkunden ist zum allerersten Mal Königshofen direkt aufgeführt, jeweils als Chuningishaoba in pago Graffelti, "Königshofen im Gau Grabfeld". Für den Autor ist es mehr als wahrscheinlich, dass der Name "Graffelti" schon um 531/537 ebenso existierte, wie Königshofen, als die Franken das thüringische Königreich eroberten und unter ihrer Verwaltung neu strukturierten.

Urkunde aus dem Jahr 822

Die Urkunde, in der Königshofen erstmals schriftlich genannt wird, wurde am Freitag, 19.Dezember 822, in der Königspfalz Frankfurt ausgestellt. "Sie ist in der Amts- und Kanzleisprache Latein abgefasst, misst 36,5 x 66 Zentimeter, ist angesichts des Textumfanges in der Wortfolge relativ eng geschrieben und war nicht immer einfach zu lesen", berichtet der Autor bei der Präsentation. Im neuen Buch ist der Originaltext nachzulesen. Die Rede ist da von einer "Basilika im Gau Grabfeld zu Ehren des Heiligen Martin im Ort Essfeld" und von der "Basilika zu Ehren des heiligen Petrus in dem Ort, der Königshofen heißt". Das Grabfeld bezeichnet der Autor denn auch als einen der Reichsmittelpunkte mit der Pfalz in Salz. Neben Salz und Königshofen sind Namen wie Brend und Mellrichstadt verzeichnet. Manfred Firnkes: Das Grabfeld wurde ganz sicher von allen deutschen Königen der damaligen Zeit besucht und hat auch auf dem kirchlichen Sektor eine höchst interessante Geschichte.

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