Münnerstadt
Erhalt

Bürgerbadverein will weiter kämpfen

In der Mitgliederversammlung des Bürgerbadvereins Münnerstadt zeigten sich die Mitglieder enttäuscht, aber kampfbereit.
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Was wird aus dem seit 2010 geschlossenen Hallenbad in Münnerstadt, dessen Abriss die  Stadtratsmehrheit 2016 beschlossen hat? In der Mitgliederversammlung des  Bürgerbad-Vereins wurde lange darüber diskutiert. Dieter Britz
Was wird aus dem seit 2010 geschlossenen Hallenbad in Münnerstadt, dessen Abriss die Stadtratsmehrheit 2016 beschlossen hat? In der Mitgliederversammlung des Bürgerbad-Vereins wurde lange darüber diskutiert. Dieter Britz

"Das ist unsere letzte Chance!" rief Wolfgang Blümlein den Mitgliedern des Münnerstädter Bürgerbadvereins zu, die zur ordentlichen Mitgliederversammlung ins Hotel Tilman gekommen waren. Damit meinte er das neue Bürgerbegehren zur Sanierung des seit 2010 geschlossenen Hallenbades, dessen endgültigen Abriss die Mehrheit des Stadtrates vor drei Jahren beschloss. Die Diskussion der Mitglieder wurde zusätzlich befeuert durch die aktuelle Meldung, dass die Stadtratsfraktionen der CSU und Neue Wege zusätzlich zum Bürgerbegehren ein Ratsbegehren haben wollen, um die Bürger zu fragen, ob das Hallenbad abgerissen werden soll.

Im Bürgerbegehren des Bürgerbadvereins werden sie dagegen gefragt, ob sie für die Sanierung des Bades sind. Wie Wolfgang Blümlein mitteilte, sind inzwischen 1009 Unterschriften für das Bürgerbegehren gesammelt worden. Einige Listen sind noch immer unterwegs und werden nachgereicht. Nötig seien etwa 650 gültige Unterschriften, hieß es. Am Montag, 22. Juli entscheidet der Stadtrat, ob das Bürgerbegehren gültig ist.

"Ich gehe davon aus, dass das Bürgerbegehren durchgeht. Wer trägt dann das Hallenbad?" wollte Wolfram Graeber wissen. Zurzeit gebe es einen extremen Mangel an ausgebildeten Bademeistern, "die Stadt würde niemand bekommen, auch wenn sie wollte", entgegnete Wolfgang Blümlein. Schon deshalb seien ehrenamtliche Helfer nötig, was die Personalkosten enorm drücke.

Franz Wüst nahm kein Blatt vor den Mund: "Ich finde das Ratsbegehren eine totale Verarschung der Bürger, um uns zu verwirren", sagte er und bekam dafür Zustimmung aus den Reihen der etwa 50 erschienenen Mitglieder. Außerdem fragte er "warum das Ratsbegehren nicht schon vor fünf Jahren, dann hätte man den Willen der Bürger schon damals erfahren können".

Wolfgang Blümlein meinte dazu nur, das jetzige Ratsbegehren sei rechtlich korrekt. Stadtrat Leo Pfennig (Freie Wähler) sagte zum neuen Bürgerbegehren "ein Haar in der Suppe zu finden, wird schon schwer sein. Wenn die anderen fair wären, würden sie den Abrissbeschluss aufheben". Er empfahl: "Seid offen für alle Zeiträume. Es kann schnell gehen oder nicht".

Stadtrat Dieter Petsch (Freie Wähler) rechnete vor, angesichts der viel größeren Investitionen für das Feuerwehrhaus und die Mehrzweckhalle sei das Hallenbad nur ein kleineres Projekt und gleichzeitig das, das am meisten von der Regierung gefördert würde. Wolfgang Blümlein erinnerte daran, dass er zusammen mit seinem Stellvertreter Uwe Kretzschmar bei Ministerpräsident Söder war, der entsprechende Zusagen gemacht habe. "Der Vorstand war zu lange zu naiv, weil er zu lange gedacht hat, man könne vernünftig mit dem Bürgermeister sprechen", ergänzte Alrun Lintner.

Dieter Petsch machte sich Gedanken, wie es weitergehen kann, denn "viele Stadträte haben sich vertan und stehen bei ihren Wählern im Wort". Das Kosten-Argument für die Hallenbad-Sanierung sei aber durch die beiden erwähnten teuren Großprojekte entkräftet. Man könne durch ein größeres Zeitfenster Brücken zu den Gegnern der Hallenbadsanierung bauen und erst 2021 oder 2022 sanieren. Er betonte aber auch: "Die Oberlichter im Winter auszubauen, war schon mutwillig".

Das heute sehr schön sanierte Heimatspielhaus sei auch eine Ruine gewesen und man habe es abreißen wollen. "Warum ist ausgerechnet die komplette CSU für den Abriss?" wollte Franz Wüst wissen. "Stadträte haben im persönlichen Gespräch gesagt‚ 'Mürscht braucht das Hallenbad‘ und jetzt gibt es Fraktionszwang", erklärte dazu Wilhelm Schmitt. Bürgermeister Helmut Blank habe 2008 gesagt, "ich weiß wie man das Hallenbad halten kann". Wolfgang Blümlein kommentierte: "Argumente sind dem Bürgermeister wurscht, der tritt nicht mehr an".

In den Augen von Wolfram Graeber ist das Ratsbegehren für den CSU-Fraktionsvorsitzenden Michael Kastl, der bekanntlich Nachfolger von Helmut Blank werden will, ein Test ob er akzeptiert wird. "Es war ein ereignisreiches Bürgerbad-Jahr mit auf und ab", sagte der Vorsitzende bei der Begrüßung der etwa 50 erschienenen Mitglieder. Er erinnerte daran, dass für das erste Bürgerbegehren 1080 Unterschriften eingereicht worden seien, aber mit 11:10 Stimmen sei er vom Stadtrat abgelehnt worden. "Ich bin nach wie vor der Meinung, das hätte man auch laufen lassen können", betonte er in seinem kurzen Bericht. Er hob hervor : "Die Freunde des Hallenbades geben nicht auf. Wir wollen die Erhaltung des Bades". Auch nannte er zwei Termine, für die Helfer gesucht werden: Am 20. August findet das 3. Kinder- und Jugendschwimmen im Freibad in Maßbach statt. Am 22. September ist das 3. Bürgerbad-Fest geplant.

Der stellvertretende Vorsitzende Uwe Kretzschmar, der gleichzeitige Chef der Wasserwacht in Maßbach ist, zitierte aus einem Bericht, in dem darauf hingewiesen wird, dass immer weniger Grundschüler richtig schwimmen können und dass die Zahl der Kinder, die ertrinken, zwischen 2017 und 2018 um 38 Prozent zugenommen hat. Er appellierte an seine Zuhörer, eine Online-Petition der DLRG, in der der Erhalt von Bädern gefordert wird, zu unterschreiben.

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