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Garten

Brigitte Goss gibt Tipps beim Imkerverein in Münnerstadt

Die Münnerstädterin Brigitte Goss ist Kreisgartenfachberaterin im Landkreis Schweinfurt und Gartenexpertin im Fernsehen, beim Bayerischen Rundfunk und beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Jetzt hat sie beim heimischen Imkerverein einen Vortrag gehalten.
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Brigitte Goss empfahl bienenfreundliche Blumen für den Balkonkasten.Kerstin Väth
Brigitte Goss empfahl bienenfreundliche Blumen für den Balkonkasten.Kerstin Väth
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Mord und Totschlag herrscht im Garten. In Ihrem nicht, glauben Sie? Das ist ein Irrtum. Brigitte Goss aus Münnerstadt machte in ihrem Vortrag beim Imkerverein Münnerstadt am Wochenende etwa 30 Garteninteressierten äußerst lebendig deutlich, dass sich in jedem Garten ein wahrer Krimi abspielt. Das hatten viele der Zuhörer so sicher noch nicht gewusst. Aber Brigitte Goss erzählte so spannend, dass die Zeit im Bienenstand wie im Flug verging. Kein Wunder, dass sie den meisten längst aus dem Fernsehen und aus ihren Büchern bekannt war, auch wenn sie beruflich nach Gärtnerlehre und einer Ausbildung zur Gartenbautechnikerin eigentlich Kreisgartenfachberaterin am Landratsamt in Schweinfurt ist.

Das Thema "Insektenfreundliche Gartengestaltung" lockte vor allem jene, die nicht einfach bei der Volksabstimmung nur ein Kreuz machen wollten, sondern wirklich ihren Beitrag leisten wollen. Dafür hatte Goss jede Menge nützliche Tipps parat, die sie meist alle selbst in ihrem heimischen Garten ausprobiert hat, denn "erst dann kann ich es empfehlen", sagt sie.

Deutlich wurde auch schnell, dass Schädlinge und Nützlinge nicht immer eindeutig zu unterscheiden sind. "Das Gleichgewicht muss passen", sagt die Gartenexpertin. Und so sollte man Blattläuse ruhig mal nicht vernichten, damit Nützlinge wie die räuberische Gallmücke oder die Florfliegen - auch Blattlauslöwen genannt und für Goss einer der wichtigsten Nützlinge überhaupt - genug zu fressen haben. Leider sterben 90 Prozent der Florfliegen, die im Herbst oft zum Überwintern ins Haus kommen. Abhilfe schafft ein 30 mal 30 mal 30 Zentimeter großer, roter Kasten mit Einflugschlitzen.

Neuer Schädling im Anmarsch

Heuer seien Wanzen und Schwammspinner schlimm. Aber auch nicht jede Wanze ist schlecht, sagt Goss. So habe sie zum Beispiel eine amerikanische Kiefernwanze mit einem Borkenkäfer eingesperrt, und am nächsten Morgen hatte die Wanze den Käfer gefressen. Ein neuer Schädling, der bereits im Süden Bayerns massiv auftritt und Früchte wie Äpfel oder Paprika befällt, ist die marmorierte Baumwanze. "Die werden uns noch beschäftigen", prognostiziert Goss.

Zu den Nützlingen zählen neben Puppenräubern, die zum Beispiel Eichenprozessionsspinner fressen, Marien-, Soldaten- und Weichkäfer, Spitzmaus, Igel, Schlangen, die rote Samtmilbe, aber auch Schnegel (eigentlich eine Nacktschnecke, die aber die Eier anderer Schneckenarten frisst). Und natürlich Wildbienen. Goss erläuterte ausführlich die verschiedenen Bienenarten und passende Nisthilfen. Vielen Wildbienenarten fehlen Nistplätze, denn sie können nur 500 bis 800 Meter weit fliegen und brauchen daher ihr "Hotel" möglichst nah bei dem Blumen.

Die Nisthilfe ist leicht selbst zu bauen zum Beispiel aus festen Röhrchen, die einseitig mit Papierkügelchen verschlossen werden. Man kann auch drei bis neun Millimeter große Löcher (zehn Zentimeter tief) in Lehm bohren. Die Gartenexpertin sagt: "Keine Angst: Wildbienen halten sich von Menschen und vom Essen fern uns sind im Vergleich zu Honigbienen winzig klein."

Blumenmischungen sind äußerst gefragt

Außerdem zeigte sie den Besuchern passende Blumen für den Balkonkasten wie Salbei oder die Japanische Scabiose, Natternköpfe, die Sternmarie oder auch den frechen Michel. Und sie gab Ansaat-Tipps, musste jedoch auch gestehen, dass momentan nahezu überall die Blumenmischungen ausverkauft sind. Allerdings könne man Mehrjährige bis Mitte September aussäen.

Patenschaft für Blumenwiese

Und für all jene, die keine eigene Wiese haben, hat Robert Dömling vom Imkerverein eine Initiative gestartet. Hier kann jeder für 50 Euro pro 100 Quadratmeter eine Blumenwiesenpatenschaft übernehmen. Insgesamt steht dafür eine Fläche von 4700 Quadratmetern zur Verfügung für Diptam, Wiesenflockenblume, Zwerg-Alant, Steinklee und viele mehr. Der Verein hat außerdem einen Wettbewerb ausgeschrieben. Gesucht wird der bienenfreundlichste Garten zwischen Herschfeld und Schwanfeld. Die Preisverteilung ist im November.

Trotz des Regenwetters war zu dem Infotag beim Imkerverein auch Robert Reuscher von der Kunstscheune aus Burghausen gekommen, der mit seiner Motorsäge in nur wenigen Minuten Gesichter in Holz schnitzt, eine einzigartige Verschönerung jeder Nisthilfe. Und Brigitte Goss können ihre Fans am 20. Mai wieder in der Fernsehsendung "Querbeet" erleben, dann mit ihrer Wurmkiste.

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