Hollstadt
Natur

Biberdamm lässt Bäume sterben

Die Tiere haben einem Holzbau-Unternehmer einen hohen Schaden beschert. Erst nach langen Verhandlungen durfte der Damm zurückgebaut werden.
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Michael Mauer aus Hollstadt ist mehr als nur verärgert. Ein Biber hat ihm einen Schaden von mindestens 10 000 Euro zugefügt. Erst nach langen Verhandlungen durfte der zwei Meter hohe Biberdamm geöffnet werden, damit das Wasser abfließen konnte. Fotos: Hanns Friedrich
Michael Mauer aus Hollstadt ist mehr als nur verärgert. Ein Biber hat ihm einen Schaden von mindestens 10 000 Euro zugefügt. Erst nach langen Verhandlungen durfte der zwei Meter hohe Biberdamm geöffnet werden, damit das Wasser abfließen konnte. Fotos: Hanns Friedrich
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Michael Mauer aus Hollstadt ist sauer - "stinksauer" wie er sagt. Er zeigt auf den Lauf des Aalbaches und die dort gefällten Bäume. Etwa 80 Ster sind es, die gefällt werden müssen. Ein Verlust von rund 10 000 Euro. Eigentlich sollten die Erlen, die Michael Mauer seit 20 Jahren hier gepflegt hat, Wertholz sein und verkauft werden. "Jetzt ist aus dem Wertholz Brennholz geworden", sagt er, sichtlich enttäuscht. Der Grund dafür ist ein Biber.
Dieser Biber ist seit einigen Jahren im Flussbett aktiv und hat dabei unter anderem im Bereich der Oberen Tannigsmühle einen Damm von rund zwei Metern Höhe angelegt. "Und das, obwohl ein Biber mit einer Wassertiefe von 60 bis 80 Zentimeter auskommt", sagt Michael Mauer.


Bäume standen im Wasser

Acht Dämme hat der Biber im Verlauf des Flussbettes angelegt und erreicht, dass sich das Wasser hier soweit aufstaute, dass die Bäume im Wasser standen, ja sogar angrenzende Wiesen und Wege überschwemmt wurden. Für die Bäume bedeutet dies, dass sie absterben und gefällt werden müssen, weil sie eine Gefahr darstellen. Michael Mauer zeigt auf einen der Bäume, den morschen Stamm, die Äste, die einfach wegbrechen. "Alles abgestorben, alles wertlos."
Hilfe suchte der Holzbau-Unternehmer beim Umweltamt in Augsburg. Dort machte man ihm klar, dass es kaum eine Möglichkeit gibt, gegen den Biber vorzugehen. Man weiß, das die Leute erbost sind, greift aber nicht ein, sagt Mauer. So war es auch bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Rhön-Grabfeld in Bad Neustadt. Auch hier bekam er keinerlei Hilfe. "Die wissen alle, welche Schäden so ein Biber anrichten kann, tun aber nichts", sagt Michael Mauer sichtlich verärgert.


Wertholz wird Brennholz

Der Biber habe einen massiven Drang seine "Burgen" zu bauen und dabei das Wasser immer höher anzustauen. "Damit ist er doch ein Zerstörer der Natur, oder sehe ich das falsch?" Mittlerweile ist Michael Mauer angehalten, seiner "Verkehrssicherungspflicht" nachzukommen und die Bäume zu fällen, da sie eine Gefahr darstellen. Zwischen 70 und 80 Bäume werden es wohl sein. Alles Erlenholz, das eigentlich eine Wertanlage war und verkauft werden sollte.
Nach langen Verhandlungen ist es Michael Mauer gelungen zu erreichen, dass der Biberdamm von Mitarbeitern des Gemeindebauhofs zurückgebaut wurde, damit das Wasser abfließt. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf den Fischbesatz: "Woanders werden für Fische Aufstiegshilfen und sonst was gebaut, hier sperrt der Biber die Tiere einfach ein. Er selbst ist ein Nager und Pflanzenfresser, braucht also die Fische nicht als Nahrung."
Wer in diesen Tagen in den Bereich der Oberen Tannigsmühle bei Großbardorf kommt, sieht dort die gefällten Bäume. Wirft er vor Ort einen Blick darauf, erkennt auch der Laie schnell, dass hier nichts mehr zu retten ist. Man sieht im unteren Bereich, wie weit die Bäume im Wasser standen und erkennt schnell die morschen, abgestorbenen Äste.
Michael Mauer hat sich über die Biber kundig gemacht und weiß, dass diese sich unkontrolliert vermehren. Das wiederum hat zur Folge, das die Jungen im zweiten Jahr auswandern und andere Gewässer für sich in Anspruch nehmen, dort Dämme bauen und oftmals dabei Naturzerstörer sind.
Die Biber waren bei uns ausgestorben und wurden durch den Bund Naturschutz nach 1966 aus Polen, Russland, Frankreich und Skandinavien importiert und bei uns ausgesetzt. Im Gegensatz zu den Ursprungsländern hat der Biber in Deutschland keine natürliche Feinde.


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