Münnerstadt
Straßennamen

Auch ein Mürschter stürzte den Märchenkönig

Freiherr Johann von Lutz war auch Bayerischer Ministerpräsident
Artikel drucken Artikel einbetten
Dier Freiherr-von-Lutz-Straße und die Schule erinnern an den bayerischen  Ministerpräsidenten Freiherr Johann von Lutz, der in Münnerstadt dass Licht  der Welt erblickte. Fotos: Dieter Britz
Dier Freiherr-von-Lutz-Straße und die Schule erinnern an den bayerischen Ministerpräsidenten Freiherr Johann von Lutz, der in Münnerstadt dass Licht der Welt erblickte. Fotos: Dieter Britz

Die Freiherr-von-Lutz-Straße führt von der Bundesstraße 287 zum Schindberg bzw. zum Hindenburgpark und ist einschließlich einer Abzweigung 320 Meter lang. Benannt ist sie nach dem Freiherrn Johann von Lutz, dem für den Freistaat Bayern wohl bedeutendsten Münnerstädter Bürger, der allerdings in seiner Geburtsstadt wenig bekannt ist. Als bayerischer Ministerpräsident betrieb er maßgeblich die Absetzung des "Märchenkönigs" Ludwig II. Auch die Freiherr-von Lutz-Grund- und -Mittelschule sind nach ihm benannt.

Seine Eltern waren der Volksschul- und Musiklehrer Joseph Lutz (1801-1879) und dessen Ehefrau Magdalena, geborene Schedel (1809-1862). Er wurde am 4. Dezember 1826 gegen 23 Uhr in deren Wohnung in der ehemaligen Knabenschule in Münnerstadt geboren und schon am nächsten Tag gegen 10 Uhr vom damaligen Stadtpfarrer, dem Augustinerpater Prosper Fritzmann, getauft.

Im Gymnasium in Münnerstadt war er offenbar ein sehr guter Schüler. Im Jahresbericht 1840 ist er lobend erwähnt, denn bei der "öffentlichen Preise-Vertheilung" am 31. August dieses Jahres bekam er als zweitbester von 25 Schülern der ersten Klasse einen Preis. 1843, als der Vater eine besser dotierte Lehrer-Stelle in Würzburg bekam, zog die ganze Familie um.

In diesem Jahr begann Johann Lutz an der Universität Würzburg ein Studium der Rechtswissenschaften, das er 1848 sehr erfolgreich beendete. Er wirkte als bayerischer Delegierter an der Abfassung des Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuches mit. 1866 bekam er das Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone. Damit verbunden war die Erhebung in den persönlichen Adelstand und er durfte sich Ritter von Lutz nennen. Lutz wurde am 21. August 1880 in den erblichen Adelsstand und am 28. Dezember 1883 in den Freiherrnstand erhoben. 1867 wurde er Justiz- und 1869 Kultusminister. Er setzte im bayerischen Kulturkampf den Vorrang des Staates gegenüber der Kirche durch.

1880 übernahm er die Position des Ministerratsvorsitzenden, die er bis zu seinem Tode behielt. Lutz machte die erst 1863 gegründete Deutsche Fortschrittspartei zur Stütze der Regierung und versuchte, die Stellung des Königs zu bewahren. Trotzdem war er maßgeblich am Sturz König Ludwigs II. beteiligt. Er beauftragte im März 1886 Obermedizinalrat Bernhard von Gudden, Spezialist für Gehirnanatomie, ein Gutachten über Ludwigs Geisteszustand zu erstellen. Die Folgen sind bekannt.

Er war dreimal verheiratet. 1853 ehelichte er in Sommershausen Caroline Reuß (1828-1865), das Paar hatte einen Sohn und eine Tochter. Nach ihrem Tod heiratete er 1867 in München Anna von Schmidt-Osting (1838-1884), mit ihr hatte er zwei Söhne. Nachdem auch diese gestorben war, heiratete Lutz 1887 in München Margareta Fretzscher (1845-1924) verwitwete Riedinger. Interessant am Rande: alle drei Ehefrauen des Katholiken waren evangelisch und alle seine Kinder wurden auch evangelisch getauft.

Lutz starb am 3. September 1890 auf seinem Landsitz am Starnberger See. Bei seiner Beerdigung in München war niemand aus Münnerstadt dabei. Der Grund liegt nahe: Nach 1843, seit die Familie Münnerstadt verließ und nach Würzburg zog, ließ er sich nie mehr in seiner Geburtsstadt sehen. Der einzige Kontakt bestand darin, dass er mit dem Augustinerpater Pius Keller (1825-1904) korrespondierte. Vermutlich kannten sich beide aus der Schule.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren